Siemens hält Studie zu Korruption offenbar unter Verschluss

Der Siemens-Konzern fürchtet anscheinend um sein Image.
Der Siemens-Konzern fürchtet anscheinend um sein Image.
Foto: Roland Weihrauch / dpa
Als 2006 bei Siemens ein Korruptionsskandal aufflog, versprach der Konzern Aufarbeitung. Daraus wurde nicht viel, wie es nun heißt.

Berlin.  Siemens hält laut einem Medienbericht seit 2014 eine Aufarbeitung des großen Korruptionsskandals unter Verschluss, die der Konzern selbst bei zwei unabhängigen Historikern in Auftrag gegeben hat. Wie der „Spiegel“ berichtet, hatte die Firma ursprünglich ein Zeichen für mehr Transparenz setzen wollen.

„Siemens hat ohne Angabe von Gründen die geplante und uns verbindlich zugesagte Buchpublikation der Untersuchungsergebnisse auf unbestimmte Zeit zurückgestellt“, hieß es laut dem Bericht auf Anfrage von den Autoren des 800-Seiten-Werks, Hartmut Berghoff und Cornelia Rauh. Der Konzern ging demnach noch einen Schritt weiter und bestätigte, eine Veröffentlichung sei nicht mehr geplant.

Vertrauliche Protokolle eingesehen

Der renommierte Göttinger Historiker Berghoff hatte den Auftrag für die Untersuchung im Jahr 2011 von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bekommen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rauh sollte er die Geschichte des Konzerns in der Zeit des Korruptionsskandals nachzeichnen, der 2006 aufgeflogen war. Die Historiker hatten dazu auch vertrauliche Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle einsehen dürfen.

Konzern und Historiker konnten laut „Spiegel“ aber keine Einigkeit darüber erzielen, „ob und wie aus diesen Protokollen in dem öffentlich angekündigten Buch zitiert werden kann“. Darüberhinaus gebe es Stimmen, die der heutigen Siemens-Spitze unter Joe Kaeser kein Interesse mehr an einer neuerlichen Aufarbeitung des Skandals nachsagen.

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„Ein Schleier über den Vorwürfen“

Zwar ziehe die Studie „ein positives Urteil“ über Kaeser. Gegen den heutigen Konzernchef, der in den Jahren 2001 bis 2004 in der korruptionsanfälligen Mobilfunksparte als Finanzvorstand tätig war, wurde auch nie ermittelt; die Studie komme allerdings zu dem Schluss, dass sich nach der milliardenschweren Einigung des Konzerns mit den Strafverfolgungsbehörden „ein Schleier über Tausende Vorwürfe gelegt“ habe, die nicht weiter aufgeklärt worden seien, so das Magazin. (FMG)

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