Siemens baut die Super-S-Bahn

Essen..  Der Münchner Großkonzern Siemens soll die 82 Doppelstockzüge für den künftigen Rhein-Ruhr-Express (RRX) bauen. Sie sollen ab Ende 2018 rollen und später Dortmund mit Köln über die Städte des Ruhrgebiets und den Düsseldorfer Flughafen in einem 15-Minuten-Takt verbinden. Siemens hat sich dabei mit dem „wirtschaftlichsten Angebot“ gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt. Allerdings müssen bis Ende März die politischen Gremien dieser Vergabe noch zustimmen. Geschwiegen wird auf allen Seiten über die finanzielle Größenordnung der Order. Zu Beginn der Ausschreibung war von 600 Millionen Euro die Rede. Sicher ist, dass das Land sich mit einem Zuschuss von 60 Millionen Euro beteiligen wird. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD): „Unser Dank gilt allen, die an diesem anspruchsvollen Wettbewerb teilgenommen haben. Sie haben einen weiteren großen Schritt zur Realisierung des bedeutendsten Verkehrs- und Mobilitätsprojekts in NRW beigetragen und die Bereitschaft unter Beweis gestellt, neue Wege zu gehen.“

Nicht zum „Lohnkutscher“degradieren lassen

Besonderer Pluspunkt für NRW: Die Züge werden in Krefeld gebaut. Gleichzeitig erhält der Konzern den Auftrag, die Wartung für die Triebwagen 30 Jahre lang zu übernehmen. Das aber ist der politisch heikle Punkt des Zuschlags. Denn heute erledigt die Bahn AG Beschaffung, Betrieb und Wartung der wichtigsten Ruhrgebiets-Regionalzugstrecken in eigener Regie.

Sie darf sich zwar in naher Zukunft um den Betrieb der Regionalzugstrecken RE 1, RE 11, RE 5 und RE 6 wieder bewerben – Linien, die später in das Netz des Rhein-Ruhr-Express aufgehen. Nicht aber mehr um Wartung oder Beschaffung. Experten im Berliner Bahntower glauben, dass sich das für sie nicht rechnet. Schon vor einem halben Jahr kamen Warnschüsse aus ihrer Zentrale am Potsdamer Platz – auch aus Sorge um die bestehenden Wartungsanlagen in Düsseldorf: Man wolle sich nicht zum „Lohnkutscher“ degradieren lassen. Und: „Bei diesen Kriterien müssen wir uns ernsthaft überlegen, ob wir mitbieten können“, so DB Regio-Chef Manfred Rudhart.

Im Klartext bedeutet das: Das Staatsunternehmen könnte sich dann aus dem Kerngeschäft im Revier zurückziehen. In jüngster Zeit hat sich diese reservierte Haltung der Bahn AG nach Informationen der NRZ nicht mehr verändert.

Die Folge: Privatbahnen wie das britische Unternehmen National Express, das jetzt Interesse gezeigt hat, könnten zum Zug kommen und auch den 160 Kilometer schnellen RRX betreiben. Ob die Bahn jetzt ihre neue politische Allzweck-Waffe, den für Regierungs-Kontakte zuständigen Bevollmächtigten und früheren Kanzleramtschef Ronald Pofalla einsetzt, um die Entscheidung zu drehen, ist eine spannende Frage.

Für die Fahrgäste wird es mit der Bestellung der Züge bei Siemens erst einmal angenehmer. „Ein Premium-Produkt zwischen Nah- und Fernverkehr“, heißt es beim Verkehrsverbund Rhein Ruhr. Es wird einen barrierefreien Einstieg geben, in jedem der beiden Zugteile bestehen 400 Sitz- und 205 Stehplatz-Möglichkeiten. Das sind 80 mehr als in den heutigen Fahrzeugen, dazu 18 Fahrrad-Abstellplätze und drei Rollstuhl-Stellflächen. Die Beschleunigung ist weit höher als bei den Regionalexpress-Zügen heute. Anders ließe sich auch der 15-Minuten-Takt bei Tempo 160 nicht einhalten.

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