Schwarze Liste für Klimaskeptiker

Essen..  Große Aufregung erzeugt das Umweltbundesamt (UBA) normalerweise nicht, wenn es eine Broschüre herausbringt. Nützliche Tipps zum umweltfreundlichen Renovieren oder zum richtigen Lüften – zum Beispiel – lassen die Medienwelt kaum erbeben. Doch mit der neuen Publikation „Und sie erwärmt sich doch – Was steckt hinter der Debatte über den Klimawandel?“ sorgte das Amt für heftigen Wirbel. Was war passiert?

In der Broschüre erklärt das UBA nicht nur den Stand der Klimaforschung, es setzt sich auch mit den sogenannten Klimawandelskeptikern auseinander. Dabei nimmt das Amt auch bekannte deutsche Journalisten und den ehemaligen Windkraft- und RWE-Manager Fritz Vahrenholt aufs Korn. Die Broschüre zeige, „welche Kreise gezielt Zweifel am wissenschaftlichen Kenntnisstand verbreiten und auf welche Weise sie dabei vorgehen“, so das UBA.

Meinungsfreiheit in Gefahr?

Erwähnt werden die Printjournalisten Michael Miersch („Focus“), Dirk Maxeiner, ehemals Chefredakteur der Zeitschrift „Natur“, der Filmemacher Günter Ederer sowie Vahrenholts Buch „Die kalte Sonne – Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“. Die Genannten sehen die Meinungsfreiheit in Gefahr, fühlen sich an den Pranger gestellt und drohen mit Klage.

Die Reaktionen in Medien und Online-Foren sind heftig. Von einem Fehltritt des Umweltbundesamtes schreibt das Online-Portal „Klimaretter.info“, die Behörde habe „kein Recht, Kritiker der Klimaforschung bloßzustellen“. Jan Fleischhauer empört sich auf „Spiegel Online“ über das Vorgehen des UBA und schreibt: „Es ist ziemlich lange her, dass eine staatliche Institution in Deutschland erklärte, welche Meinungen in diesem Land haltbar sind und welche nicht.“ Auf ZDF-Online meint Reinhard Schliecker, das Amt rechne mit unliebsamen Wissenschaftlern und Journalisten ab.

Keiner der in der Broschüre genannten Autoren stellt die Erderwärmung in Frage, alle indes bezweifeln, dass der Mensch daran größeren Anteil habe als die Natur selbst, etwa durch die Aktivität der Sonne. Der erbittert geführte Streit zeigt indes, dass die Klimadebatte längst das Feld wissenschaftlicher Auseinandersetzung verlassen hat. Die Debatte wird mit solcher Erbitterung geführt, dass sie zuweilen Züge eines Glaubenskriegs angenommen hat. Der Ton der Skeptiker ist nicht selten polemisch, auch manche Wissenschaftler schießen über das Ziel hinaus und versuchen, abweichende Meinungen zu diskreditieren. Die Verbandelung von Wissenschaft und Politik erweckt zuweilen den Verdacht, die Forschung lasse sich einspannen. So stellt der Klimaforscher Hans von Storch in seinem Buch „Die Klimafalle“ die Unabhängigkeit der Forscher in Frage: „Die Klimaforschung wurde von der Politik gekidnappt, um ihre Entscheidungen als von der Wissenschaft vorgegeben und alternativlos verkaufen zu können“, schreibt er.

Viele Interessen sind im Spiel. Dabei wird übersehen, dass die Klimawissenschaft komplex ist und es schwierig ist, einfache Aussagen zu treffen, merkt der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar an. „Statt gegen einzelne Journalisten zu schießen, sollte das Umweltbundesamt darstellen, dass die verschiedenen Sichtweisen zur Klimawissenschaft gehören“, sagte Yogeshwar dem „Focus“. Das Amt ruderte inzwischen zurück. Die Kritik sei an manchen Stellen verständlich, sagte ein Sprecher. Umweltminister Peter Altmaier verteidigte im Grundsatz die Schrift. Zwar gebe es auch einige abweichende Positionen, doch sei es Konsens in der Wissenschaft, dass sich die CO2-Konzentration durch menschliche Aktivitäten „extrem erhöht“ habe. Die politische Position der Bundesregierung sei korrekt dargestellt worden.

 
 

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