Schon 700 Kilometer Radwege auf ehemaligen Bahnstrecken im Revier

Radfahren macht im Ruhrgebiet besonders viel Spaß.
Radfahren macht im Ruhrgebiet besonders viel Spaß.
Foto: Ralf Rottmann
Der Regionalverband Ruhr (RVR) lässt seit 1987 alte Bahnstrecken zu Rad- und Wanderwegen umbauen und ist inzwischen bei Kilometer 700 angelangt. Das entspricht etwa der Luftliniendistanz von der dänischen Grenze bis nach Augsburg.

Essen. Das Eisenbahnnetz im Ruhrgebiet gilt als das dichteste Europas, obwohl seit den 70er-Jahren eine gigantische Stilllegungswelle über die Region schwappt. Das Ausmaß der eingebüßten Kapazitäten wird beim Blick auf die Aktivitäten des Regionalverbandes Ruhr (RVR) besonders deutlich. Er lässt seit 1987 alte Bahnstrecken zu Rad- und Wanderwegen umbauen und ist inzwischen bei Kilometer 700 angelangt. Das entspricht etwa der Luftliniendistanz von der dänischen Grenze bis nach Augsburg.

Den Anfang machte damals die neun Kilometer lange Strecke zwischen Hünxe und Schermbeck, das Ende ist noch nicht in Sicht. Das Netz soll nach RVR-Angaben in den kommenden zehn Jahren auf 850 Kilometer wachsen. Vor allem die Nord-Süd-Verbindungen sollen weiter ausgebaut, und der 335 Kilometer lange Rundkurs Ruhrgebiet fertiggestellt werden. Auch der Emscher-Park-Radweg (230 Kilometer) steht auf der Agenda.

90 Millionen Euro in den letzten 27 Jahren investiert

90 Millionen Euro, heißt es aus der Zentrale an der Essener Kronprinzenstraße, seien in den vergangenen 27 Jahren in die Rad- und Wanderwege investiert worden. Mit bis zu 80 Prozent haben das Land und die Europäische Union die bisherigen Umbauten gefördert, den Rest steuert der Regionalverband aus Eigenmitteln bei. Bei rund 200.000 Euro liegen die Kosten für einen Kilometer Radweg – wenn sich keine Brücken auf der Strecke befinden, die den Preis noch weiter in die Höhe treiben.

Immerhin: Schienen und Schwellen sind bereits entfernt, wenn der RVR anpackt. Sie treiben den Preis also nicht zusätzlich in die Höhe. Geld hat bereits beim Untergang der Trassen in ihrer ursprünglichen Form eine entscheidende Rolle gespielt. Nachdem mit den Zechen, Hütten- und Kraftwerken die Hauptkunden der Bahn wegbrachen, wurden die Strecken schlagartig unrentabel. Heute sind es die Gastronomiebetriebe am Streckenrand, die für neuen Aufschwung sorgen. „Touristische und damit wirtschaftliche Erfolge lassen sich beispielsweise am Ruhrtal-Radweg, Emscher-Park-Radweg oder der Römer-Lippe-Route ablesen“, sagt eine RVR-Sprecherin. Die Wege seien wegen ihrer „sehr geringen Steigungen im Gelände, weil sie abseits von Straßen und weitgehend kreuzungsfrei sind, sehr beliebt – für den schnellen Weg zur Arbeit oder zum Einkauf genauso wie für ausgedehnte Ausflüge am Wochenende“.

Gasometer gilt als beliebtes Ziel

Bei der Ruhrtourismus GmbH weiß man: Ein Fahrrad-Tourist gibt während der Saison zwischen April und Oktober durchschnittlich 28 Euro pro Tag aus, wenn er durchs Ruhrgebiet radelt und unterwegs in Gaststätten einkehrt oder ein Museum besucht. Die Zeche Zollverein, der Gasometer Oberhausen oder der Gelsenkirchener Nordsternpark gelten als beliebte Ziele. „Durch das Radwegenetz sind diese Orte optimal erreichbar“, sagt Ruhrtourismus-Geschäftsführer Axel Biermann. Ganz stark sei die Verkehrsfrequenz auf der Hoag- und der Erzbahntrasse.

 
 

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