Schlecker-Tariflöhne als „Giftpille“

Die Drogeriekette Schlecker zahlte Tariflöhne. Auch das sei ein Grund für das Scheitern des Insolvenzverfahrens, so der Insolvenzverwalter. Foto: AFP
Die Drogeriekette Schlecker zahlte Tariflöhne. Auch das sei ein Grund für das Scheitern des Insolvenzverfahrens, so der Insolvenzverwalter. Foto: AFP
Foto: AFP
Schlecker-Insolvenzverwalter Geiwitz macht „Dumpinglöhne“ im Handel und das „Nein“ der FDP zur Transfergesellschaft für das Aus verantwortlich. Für die gekündigten Angestellten beginnt jetzt eine schwierige Jobsuche.

Essen.. Wenn NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider heute morgen in der Düsseldorfer Jugendherberge vor die Schlecker-Betriebsräte tritt, wird er ihnen nicht allzu viel bieten können. Die Drogeriemärkte werden abgewickelt, die Mitarbeiter erwarten die Kündigung. Er wolle „mit der Bundesagentur für Arbeit die Vermittlungsbemühungen für die Schlecker-Frauen weiter intensivieren“, sagte er dieser Zeitung. Um jedoch gleich zu relativieren, die Möglichkeiten der Jobcenter seien begrenzt. Altersdurchschnitt und Löhne bei Schlecker sind vergleichsweise hoch, beides ist bei der Suche nach einer neuen Stelle nicht hilfreich.

Das hat sich schon gezeigt, nachdem im April bereits rund 2500 Schlecker-Beschäftigte in NRW arbeitslos geworden sind. Obwohl die Bundesagentur spezielle Vermittlungsteams für die Frauen von Schlecker eingesetzt hat, sind die meisten noch immer arbeitslos. Nun kommen erneut 2500 arbeitslose Frauen dazu, auch das verbessert die Chancen nicht.

FDP nicht grundsätzlich gegen Transfergesellschaften

Angeblich gute Aussichten auf neue Stellen waren das zentrale Argument der FDP, eine Transfergesellschaft abzulehnen. Laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat das „nicht nur uns den Garaus gemacht, sondern war auch eine Farce für die Betroffenen“, wie er nun dem Spiegel sagte. Die FDP könne ja eine Transfergesellschaft aus ordnungspolitischen Gründen ablehnen. „Dann muss sie aber auch die Konsequenzen benennen und nicht nur auf die Vermittler der Arbeitsagentur verweisen.“

Christian Lindner, FDP-Chef in NRW, betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, er sei nicht grundsätzlich gegen Transfergesellschaften. Aber: „Schlecker ist ein dezentrales Unternehmen, das in die regionalen Arbeitsmärkte nur jeweils sehr wenige Beschäftigte entlässt. Bei einem Konzern, der an einem Ort Zehntausende Beschäftigte hat, kann eine Transfergesellschaft sinnvoll sein.“

Besonders im Ruhrgebiet tritt das Problem aber doch geballter auf: In den einzelnen Jobcenter-Bezirken meldeten sich Frauen in dreistelliger Zahl arbeitslos, zum Beispiel in Dortmund 170. Das dürfte ein Grund dafür sein, dass die Vermittlungsquote in NRW deutlich hinter der im ländlich geprägten Baden-Württemberg liegt. Dort waren Ende April immerhin 15 Prozent der Frauen vermittelt worden, in NRW nur 3,5 Prozent.

Personalkosten lagen um 22 Prozent über denen der Konkurrenz

Die Jobcenter erben ein Problem von Insolvenzverwalter Geiwitz, das eigentlich keines sein dürfte: Bei Schlecker wurden Tariflöhne gezahlt. Nur ist das im Handel die Ausnahme. Deshalb lagen bei Schlecker die Personalkosten laut Geiwitz um 22 Prozent über denen der Konkurrenz.

Er macht der Gewerkschaft Verdi, für die Schlecker ein Vorzeige-Unternehmen für den Flächentarif war, keinen Vorwurf, kritisiert vielmehr die im Handel grassierenden „Dumpinglöhne“. Aber: „Für die Sanierung war das eine Giftpille.“ Und für die Jobsuche bedeutet es, dass sich die Frauen mit niedrigeren Gehältern begnügen müssen.

Womöglich bald bewerben könnten sie sich bei der geretteten Schlecker-Tochter „Ihr Platz“. Die Beteiligungsgesellschaft Dubag will sie übernehmen und mit den 340 Schlecker XL-Läden erweitern. Dubag-Vorstand Michael Schumann sagte der „tz“, er wolle zusätzliche Stellen schaffen.

EURE FAVORITEN