Samsung-Clan trägt Mitschuld am Desaster um Galaxy Note 7

Lenkt die Geschicke im Samsung-Reich: Lee Jay Yong.
Lenkt die Geschicke im Samsung-Reich: Lee Jay Yong.
Foto: REUTERS
  • Produktionsstopp fürs Smartphone Galaxy Note 7 ist für Samsung ein beispielloses Desaster
  • An der Pannenserie dürfte auch die Konzernstruktur Schuld sein
  • Gründerfamilie zieht die Strippen im aufgeblähten Konzern – "alles ist auf die Familie ausgerichtet"

Peking/Seoul..  Bei Samsung Electronics nimmt das Debakel um brennende Akkus beim neuen Smartphone Galaxy Note 7 verheerende Ausmaße an. Der Weltmarktführer hat am Dienstag verkündet, die Produktion seines Vorzeigegeräts komplett zu beenden. Kunden, die das Gerät bereits erworben haben, sollen es auf keinen Fall mehr benutzen. Und auch das Ersatzmodell, das Samsung nach der ersten Rückrufaktion ausgehändigt hatte, soll zurückgegeben werden. Es werde erstattet, versicherte der Konzern.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtet, der Produktionsstopp sei in Absprache mit den Behörden in China und den USA erfolgt. Zuvor hatten Fluggesellschaften, Flughafenbetreiber und Behörden Samsung-Nutzern verboten, das Gerät an Bord in Betrieb zu nehmen. Es darf auch nicht mehr geladen werden.

Der Imageschaden dürfte groß sein

Samsung teilte lediglich mit, dass die Sicherheit der Kunden oberste Priorität habe. Wie teuer der Rückruf und der Produktionsstopp für das Unternehmen sein werden, gab die Konzernspitze am Dienstag nicht bekannt. Die Smartphone-Sparte machte im vergangenen Quartal mehr als die Hälfte des operativen Gewinns von Samsung Electronics aus. Ebenso spürbar dürfte der Imageschaden ausfallen.

„Dass ausgerechnet das von Kritikern vorab viel gepriesene Top-Model gescheitert ist, wird Samsung um Jahre zurückwerfen“, vermutet Jiang Bojing, Technikexperte des chinesischen Onlineportals Sina. „Und das in einer Zeit, in der chinesische Anbieter Samsung mit fortschrittlicher Technik und guter Qualität jeden Monat Marktanteile abjagen.“

Familienclan bekannt für gute Kontakte zur Politik

Zugleich offenbart der gescheiterte Vertrieb des Top-Smartphones ein weiteres Problem: der zu große Einfluss der Gründerfamilie Lee. Dieses Pro­blem hätte längst behoben sein können. Lee Ku-hee, der Sohn des Unternehmergründers, musste nach mehr als 20 Jahren an der Spitze des Unternehmens wegen Untreue, Steuerhinterziehung und eines Korruptionsskandals 2008 schon einmal von allen seinen Posten zurücktreten. Offiziell wurde die Samsung-Gruppe von den CEOs der einzelnen Sparten geführt.

Aber der mächtige Lee-Clan behielt in all den Jahren die Fäden in der Hand. Denn auch dafür ist Samsung in Südkorea berüchtigt: die Nähe zur Regierung. Mithilfe einer Begnadigung durch den damaligen Präsidenten stand Lee zwei Jahre später wieder an der Spitze des Konzerns.

Samsung betreibt Supermärkte und Hotels

Für seine Härte war Lee bekannt: Als es in den 90er-Jahren Kritik wegen Produktionsmängeln gab, ließ er 150.000 Fernseher, Handys und Faxgeräte zu einem Scheiterhaufen aufschichten, zertrümmerte selbst einige Geräte mit dem Hammer und befahl, den Haufen anzuzünden. Lee erlitt 2014 einen Herzinfarkt. Seitdem ist sein Sohn Lee Jay-Yong der Vorstandschef.

Jetzt brennt bei Samsung viel mehr als nur ein Handy. Die ganze Konzernstruktur könnte mitursächlich sein für das Desaster. Samsung ist sowohl in der Schwerindustrie tätig als auch im Autobau und der Bio- und Medizintechnik. Auch Hotels, Einkaufszentren und Supermärkte betreibt der aufgeblähte Konzern.

Gründer hatte großes im Sinn

Als der koreanische Firmengründer Lee Byung-chull 1937 ein Lebensmittelgeschäft eröffnete, hatte er schon damals Großes im Sinn: Er wollte ein Unternehmen schaffen, das sich mit Japans Konglomeraten messen kann. Mitsubishi war das eine Vorbild, was übersetzt „drei Rauten“ heißt, Mitsui das andere, zu Deutsch „drei Quellen“. Also kam er auf den Namen Samsung, koreanisch für „drei Sterne“.

Mitte der 70er-Jahre entwickelte sich Samsung zum größten Hersteller von Konsumelektronik. Doch während die einstigen japanischen Vorbilder Mitsubishi und Mitsui heute längst keine Konglomerate und weitgehend entflochten sind, ist Samsung ein Mischkonzern mit mehr als 25 Tochterunternehmen und Hunderten Geschäftszweigen.

Hauptsache, die Familie hat alles unter Kontrolle

Die Familie steht in dem Ruf, sich weder um das Wohl der Arbeitnehmer noch um möglichst hohe Renditen der Aktionäre zu scheren. Sondern allein darum, der Familie die Kontrolle über den weit verzweigten Konzern zu sichern. Unterdessen erweisen sich viele Geschäftszweige als unprofitabel und werden dennoch querfinanziert. Filz und mangelnde Transparenz kennzeichnen den Betrieb.

Das Sagen habe stets der Lee-Clan, kritisiert Bruce Lee, von Zebra Investment Management, der Samsung-Aktionäre vertritt und nicht mit dem Clan verwandt ist. „Alles ist auf die Familie ausgerichtet, die Interessen der Aktionäre und Mitarbeiter werden ignoriert.“ Aktionärsschützer Lee fordert eine Entflechtung Samsungs, vor allem eine Abtrennung der Finanzsparte und der Schwerindustrie. Samsung solle sich auf seine Stärke, die Elektronik, konzentrieren. Doch das ist dem waghalsigen Lee-Clan viel zu wenig. Es könnte noch öfter brennen im Hause Samsung.

 
 

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