Ryanair will vom Flughafen Düsseldorf abheben

Frank Preuß
Foto: Imago
Billigflieger Ryanair hat den Düsseldorfer Flughafen ins Visier genommen. Der Airport bestätigt Gespräche, aber noch keine Ergebnisse.

Düsseldorf/Dublin. Europas größter Billigflieger Ryanair will möglichst bald von Düsseldorf aus starten. Marketingchef Kenny Jacobs hatte unlängst angekündigt, dass man nun auch die großen deutschen Flughäfen anpeile. Flughafensprecher Christian Hinkel bestätigte dieser Zeitung gestern in aller Vorsicht, dass man „mit vielen Airlines im Gespräch“ sei, „auch mit Ryanair“.

„Aus unserer Sicht“, so Hinkel, „wäre es falsch, sich dem Segment Low-Cost dauerhaft generell zu verschließen.“ Die Grenzen zwischen den Geschäftsmodellen der Airlines seien mittlerweile fließend, „so dass es schwierig ist, überhaupt noch zwischen Low-Cost und anderen Segmenten zu unterscheiden“. Bei Germanwings könne man zwischen drei Klassen wählen.

Dem sicheren Vernehmen nach wollen die Iren eine Maschine in der Landeshauptstadt stationieren und zunächst London und Budapest bedienen. Später könnten Palma, Bergamo und Faro hinzukommen. Feste Verabredungen dazu bestätigte Hinkel nicht.

Erfolgsgeschichte von Ryanair begann 1999

Ryanair-Marketingchef Robin Kiely teilte auf Nachfrage aus Dublin mit, Ryanair bekenne sich weiterhin zum Standort Weeze am Niederrhein. Man sei „immer an neuen Zielen interessiert“, werde sich aber an Spekulationen darüber nicht beteiligen. Für den Luftfahrtexperten Heinrich Grossbongardt macht der Schritt aus Sicht der Iren Sinn: „Ryanair kann in Düsseldorf Wettbewerber wie Germanwings oder Air Berlin direkter angreifen.“ Da die Flugpreisunterschiede nicht mehr so groß seien wie früher, „sind auch immer weniger Menschen bereit, in die Pampa zu fahren, um von da aus zu fliegen“. Ryanair habe daher beispielsweise Lübeck als Standort aufgegeben und sei nach Hamburg umgezogen. Für die Lufthansa sei diese Entwicklung „unangenehm“, für Air Berlin, das „kein Geld verdient, bedrohlich, weil Ryanair auf das selbe Publikum zielt“.

Die Iren, die 1999 in Hahn im Hunsrück ihre deutsche Erfolgsgeschichte begannen, sind mittlerweile unter anderem auch in Berlin, Stuttgart, Köln/Bonn und Dortmund vertreten. Ryanair beförderte vergangenes Jahr 90 Millionen Passagiere, 30 Millionen mehr als die Lufthansa, und rechnet dieses Jahr mit einem Überschuss von 940 bis 970 Millionen Euro. Das Modell, den kleinen Airports die Bedingungen zu diktieren, wird in Düsseldorf nicht funktionieren.

Folgen für Flughafen Weeze sind ungewiss

„Basis unserer Gespräche mit Airlines ist die Entgeltordnung“, stellt Christian Hinkel klar. Heißt: keine Sonderangebote. Grossbongardt glaubt aber, dass sich der Service von Flughäfen für Gesellschaften staffeln lässt, um Kosten zu drücken: „Köln macht das, Bremen macht das, vielleicht guckt Düsseldorf sich da was ab.“

Sollte Ryanair von „Düsseldorf International“ starten, käme das dennoch erst einmal überraschend. Der Airport und das Unternehmen hatten sich jahrelang juristisch bekämpft in der Frage, ob Ryanair den Flughafen Weeze bei einer Entfernung von 80 Kilometern „Düsseldorf (Weeze)“ nennen dürfe. Die Iren dürfen.