Ruf nach mehr Wirtschaftsthemen in der Schule

Die Forderung nach mehr Wirtschaftsthemen im Schulalltag wird laut.
Die Forderung nach mehr Wirtschaftsthemen im Schulalltag wird laut.
Foto: IMAGO
Der Initiativkreis Ruhr wünscht sich mehr ökonomische Inhalte in den Schulen. Wie es gehen kann, zeigt die private International School Ruhr in Essen.

Essen.. Angesichts des Fachkräftemangels und der grassierenden Verschuldung Jugendlicher durch hohe Handy-Rechnungen wird der Ruf nach mehr Wirtschaftsthemen in den Schulen immer lauter. „Unkenntnis ist keine Schande, aber eben auch keine Tugend. Bei den täglichen wirtschaftlichen Entscheidungen in unserem Leben ist Unkenntnis ein Nachteil“, sagt Klaus Engel, Vorstandschef des Essener Chemiekonzerns Evonik und Moderator des Unternehmensnetzwerks Initiativkreis Ruhr (IR). „Mangelndes Wissen kostet in einer globalen Wirtschaft bares Geld, zerstört Chancen, bedroht faire Geschäftsabschlüsse und unterhöhlt solide Arbeitsplätze.“

Er trete dafür ein, „einer vorurteilsfreien wirtschaftlichen Bildung“ in Deutschland mehr Wert und Platz einzuräumen, betont Engel. „Deutschland insgesamt muss damit aufhören, fehlendes wirtschaftliches Wissen als salonfähig einzustufen.“

Projekte zur Energiewende im Unterricht

Wie es gehen kann, demonstriert die Privatschule International School Ruhr in Essen, die vom IR finanziell unterstützt wird. Die vom gebürtigen Südafrikaner Jacques Marais geleitete Einrichtung verfolgt andere Konzepte als staatliche Schulen. „Wir legen großen Wert darauf, dass Kinder in der Schule lernen, Probleme zu lösen und kritisch zu denken“, sagt Marais. Ökologie, Politik und Wirtschaft hätten im Unterricht deshalb eine gleichberechtigte Bedeutung. „Wir diskutieren mit den Schülern darüber, wie Wirtschaft die Welt beeinflusst.“

Auf dem Lehrplan stehen eine Reihe von praktischen Exkursionen wie zu einem Hotel oder in Arztpraxen. Außerdem gibt es Workshops – etwa an der Hochschule Ruhr West (HRW) in Mülheim und Bottrop – oder Projekte zur Energiewende. Und die International School Ruhr nimmt teil an der „Ecopolicyade“. Mit der Computer-Simulation können Schüler ein Land über einen Zeitraum von zwölf Jahren führen, dem es nicht gut geht. Spielerisch erkennen sie die Folgen fehlender Geburten und ausbleibender Sanierung. Je näher sie sich dem „Paradieszustand“ durch ihre ergriffenen Maßnahmen annähern, desto mehr Punkte können sie sammeln und sich mit Mitspielern messen.

Erfunden hat das Strategie- und Simulationsspiel der verstorbene Chemiewissenschaftler Frederic Vester. Dessen Vermächtnis führt die Schweizer Unternehmensberatung Malik fort, bei der die Fäden von Ecopolicy zusammenlaufen. Projekt-Koordinatorin Gabriele Harrer war vor einigen Wochen zu Gast in Essen.

Modellversuch an Realschulen

Auch die rot-grüne Landesregierung beschäftigt sich damit, wie mehr Wirtschafts- und Verbraucherthemen in den Lehrplänen verankert werden können. „Die Vermittlung ökonomischer Kompetenzen zur Bewältigung künftiger Lebenssituationen gehört zu den wesentlichen Aufgaben von Schule“, heißt es in der entsprechenden Rahmenvorgabe.

An den jeweiligen Schulformen fließen ökonomische Inhalte in unterschiedliche Fächer ein. Ein Fach Wirtschaft gibt es nicht. Nach einem Modellversuch können seit dem Schuljahr 2014/15 zumindest Realschulen ab der 7. Klasse das Wahlpflichtfach „Politik/Ökonomische Grundbildung“ einführen.

„Mit Blick auf die Stundentafeln, die nicht beliebig ausgeweitet werden können, spricht sich die Landesregierung für mehr Ökonomie- und Verbraucherbildung in allen Schulformen aus“, heißt es im von Sylvia Löhrmann (Grüne) geführten NRW-Schulministerium. Zumindest Realschulen und Realschüler hätten es nun in der Hand, von dem Wahlpflichtfach Gebrauch zu machen.

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