Roland Kochs goldene Zukunft

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Berlin. Roland Koch zieht sich aus der Politik zurück - aufs Altenteil will der Jurist aber noch lange nicht. Hessens Noch-Ministerpräsident darf sich jetzt auf eine lukrative Zukunft in der freien Wirtschaft freuen.

„Er wird ganz sicher nicht schlechter verdienen als heute“, sagt Michael Heidelberger vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberater und hält auch ein Millionensalär für den 52-Jährigen durchaus für möglich.

Wenn die Kochs, Schröders oder Fischers in die Wirtschaft wechseln, ob als Aufsichtsrat, Lobbyist oder Vorstand, profitieren in der Regel beide Seiten. Ein Unternehmen bekommt Türen geöffnet, während der Ex-Politiker nicht in die Bedeutungslosigkeit stürzt und sich sein neues Dasein vergolden kann.

Was finanziell möglich ist, hat CSU-Mann Otto Wiesheu vorgemacht. Der einstige bayerische Wirtschafts- und Verkehrsminister wechselte 2005 in den Vorstand der Deutschen Bahn und kassierte 2009 laut Vergütungsbericht 2,694 Millionen Euro. Verglichen damit muss sich Ex-Finanzminister Peer Steinbrück als Aufsichtsrat von ThyssenKrupp mit Kleingeld begnügen. Nach dem letzten Vergütungsbericht kam ein gewöhnlicher Aufsichtsrat im Geschäftsjahr 2008/2009 dort auf knapp 130 000 bis knapp 230 000 Euro.

Etwas unter der Wiesheuschen Gehaltsliga spielte 1999 Martin Bangemann. Der Ex-FDP-Chef bekam den Wechsel vom EU-Kommissar für Telekommunikation zum spanischen Telefonanbieter Telefonica angeblich mit einem Jahressalär von mehr als zwei Millionen Mark versüßt.

„Grundsätzlich ist gegen den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft nichts einzuwenden“, sagt der Vorstand von Transparency Deutschland, Jochen Bäumel. Problematisch sind jedoch fliegende Seitenwechsel, weil diese den Verdacht des Interessenkonfliktes nähren. „Wenn Herr Koch zu einem Unternehmen wechseln sollte, mit dem er direkt zu tun hatte, dann muss er eine dreijährige Karenzzeit nehmen“, fordert Bäumel.

Ein ausgewiesener Finanzexperte

Bislang hat sich der hessische Landesvater zu seiner Zukunft nicht geäußert - und lässt damit Raum für Spekulationen. Koch gilt aus ausgewiesener Finanzexperte, kann perfekt Englisch und parliert auf Amerikareisen vor Think Tanks über Finanzpolitik. Vor diesem Hintergrund könnte er in die Finanzbranche wechseln. Heidelberger wiederum hält ein Engagement bei einem großen hessischen Unternehmen für denkbar.

Aus Sicht von Peter Herrendorf von der Unternehmensberatung Odgers Berndtson kommt Koch für viele Branchen in Frage. Herrendorf hält Kochs hohen Bekanntheitsgrad über Hessen hinaus für dessen größtes Pfund. Gleichwohl sei dieser „international nicht annähernd so groß wie der von Gerhard Schröder oder Joschka Fischer.“

Nach seiner Zeit als Außenminister heuerte der einstige Vorzeige-Grüne und entschiedene Atomkraftgegner Joschka Fischer 2009 ausgerechnet beim Energieriesen RWE als Berater an. Während Fischer drei Jahre zwischen Regierungsamt und RWE-Posten verstreichen ließ, wechselte Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) schneller die Seite. Kurz nach seiner Abwahl war der „Genosse der Bosse“ in die Dienste des Ringier-Verlags und des russischen Staatskonzerns Gazprom gewechselt.

„Eines ist ganz sicher: Sie werden mich noch lange Zeit nicht auf der Pensionsliste des Landes Hessen sehen“, sagte Koch am Dienstag. Selbst wenn sich wider Erwarten kein Wirtschaftstürchen auf Dauer auftun sollte, kann Hessens scheidender Landesvater immer noch Reden halten. Auf ein Honorar im hohen vierstelligen Bereich dürfte er ohne Probleme kommen.

 
 

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