Risiko Metallbaukasten - zu viele Schadstoffe in Kinderspielzeug

Sie sehen harmlos aus, können aber schädlich sein: In vielen Spielsachen für Kinder sind Weichmacher, warnen Experten.
Sie sehen harmlos aus, können aber schädlich sein: In vielen Spielsachen für Kinder sind Weichmacher, warnen Experten.
Foto: getty
Schadstoffe in Spielzeugen und Buntstiften: Chemiker wurden häufig fündig. Bei jedem fünften untersuchten Buntstift und bei fast jedem zehnten Holzspielzeug wurden Grenzwerte überschritten. Die Fachleute haben auch Metallspielzeug unter die Lupe genommen.

Berlin. Kinder sind beim Spielen häufig schädlichen Stoffen ausgesetzt. Das ergab ein Beobachtungsprogramm von Bund und Ländern. So fanden die Chemiker in lackiertem Holzspielzeug für Kinder bis zu drei Jahren sowie bei Buntstiften Weichmacher, vor allem sogenannte Phthalate. Diese Stoffe stehen im Verdacht, die Zeugungsfähigkeit zu beeinflussen.

Bei jedem fünften untersuchten Buntstift und bei fast jedem zehnten Holzspielzeug wurden Grenzwerte überschritten. „Kinder sind als Konsumenten besonders schutzwürdig“, sagt der Chef des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Helmut Tschiersky. Die Eltern müssten sich auf sichere Produkte verlassen können.

Die Fachleute haben auch Metallspielzeug unter die Lupe genommen. Auch hier wurden sie in Form von Nickel fündig. Zehn Prozent der Kinder sind gegen das Metall allergisch. 168 Proben zog das Amt. Nur 20 Prozent des Spielzeugs gab kein Nickel ab. In jedem Vierten wurde dagegen mehr von dem Allergen freigesetzt als erlaubt ist.

Modell- und Metallbaukästen fast alle problematisch

Vor allem Modell- und Metallbaukästen erwiesen sich als Problemfälle. In 87 Prozent der untersuchten Proben wurde der Grenzwert „teilweise erheblich“ überschritten, wie das BVL mitteilte. „Händler und Importeure müssen ihrer Verpflichtung, nur sichere Produkte in den Handel zu bringen, stärker nachkommen“, fordert Tschiersky.

Bedenklich ist der Umgang von Teilen des Handels mit den Kennzeichnungspflichten bei Lebensmitteln. Vorgeschrieben ist zum Beispiel der Hinweis, dass bestimmte Farbstoffe die Aufmerksamkeit und Aktivität von Kindern beeinträchtigen können. Insbesondere Eisdielen und Bäckereien, aber auch die Hersteller von alkoholfreien Getränken verwenden entsprechende Farbstoffe, ohne dass die Warnung weitergegeben wird.

Ein weiteres Ziel der Kontrolle ist der Kampf gegen Verbrauchertäuschung. Doch die Industrie greift teilweise immer noch zu unerwünschten Tricks. Das zeigten Proben von Körperpflegemitteln, die ausdrücklich als frei von Parfüm angeboten wurden.

In jedem fünften der untersuchten 186 Produkte befanden sich jedoch Duftstoffe, auf die Konsumenten allergisch reagieren könnten. Getäuscht wird nach wie vor auch beim Fleisch. Brühwurst, die nur Schwein und Rind enthalten darf, enthielt in jedem zehnten Fall auch Geflügelanteile.

Foodwatch fordert schärfere Gesetze

Das BVL sammelt auch die Ergebnisse der Lebensmittelkontrolleure aus den Bundesländern. Insgesamt rückten die knapp 2500 Kontrolleure im vergangenen Jahr zu 880.000 Besuchen in fast 530.000 Betrieben aus. Damit wurden 43 Prozent der Firmen kontrolliert.

In der Gastronomie ist der Anteil weitaus höher. In jedem vierten Betrieb notierten die Prüfer Mängel, vor allem bei der Hygiene. Aber auch die Aufmachung und Kennzeichnung der Lebensmittel wurde häufig beanstandet. Bei den Lebensmitteln selbst fielen vor allem Diätprodukte und Nahrungsergänzungsmittel negativ auf. Jede fünfte Probe wurde hier beanstandet.

Für die Verbraucherorganisation Foodwatch ist die Arbeit der Kontrolleure ohne schärfere Gesetze vergebens. „Solange Verbraucher nicht erfahren, wer die Gammelfleisch-Händler, Pferdefleisch-Panscher oder Schmuddelwirte sind, fehlt der Anreiz für die Betriebe, sich an gesetzliche Vorgaben zu halten“, sagt Foodwatch-Vize Matthias Wolfschmidt.

Foodwatch fordert von der künftigen Bundesregierung neue Transparenzregeln für die Ergebnisse der Überwachung. Härtere Sanktionen für die schwarzen Schafe fordert auch die Gewerkschaft NGG. Zudem spricht sie sich für häufigere Kontrollen und mehr Kontrolleure aus.

 
 

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