Wissen, Engagement und Flexibilität

Christian Käuser schloss Ausbildung plus Studium ab. Er gehörte 2015 zu den besten Azubis im Land.
Christian Käuser schloss Ausbildung plus Studium ab. Er gehörte 2015 zu den besten Azubis im Land.
Foto: WICIOK
Im auslaufenden Steinkohlenbergbau stellt sich die RAG der Herausforderung, die verbleibenden Mitarbeitern so effektiv wie möglicheinzusetzen.

Die Aneignung von Wissen und die Flexibilität der Mitarbeiter sind Voraussetzung für einen sozialverträglichen Personalabbau und stabile Prozesse. Im auslaufenden Steinkohlenbergbau steht die RAG nun vor einer großen Herausforderung: Trotz Personalabbaus müssen die Prozesse bis zum Ende der Steinkohlenförderung und darüber hinaus stabil und sicher laufen. Immerhin gilt es, auftragsgemäß noch rund 5,8 Millionen Tonnen Steinkohle zu fördern. Kein leichtes Unterfangen! Viele Mitarbeiter haben das Unternehmen bereits verlassen und weitere werden folgen. Mit Ihnen gehen auch ihr Fachwissen, ihre Kenntnisse und Erfahrungen aus vielen Jahrzehnten Bergbau: ein dramatischer Verlust für ein technologieorientiertes Unternehmen, das stark auf die Kompetenz seiner Mitarbeiter baut.

Know-how-Sicherung

Wenn die verbleibenden Mitarbeiter nicht mehr viele sind, müssen die einzelnen umso vielseitiger sein. Hier sind Fähigkeiten, Engagement und Flexibilität gefragt – und ein ausgefeiltes Personalmanagement unter der Maxime: Der richtige Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Da der Personalabbau bei der RAG schon lange Normalfall ist, entwickelte das Unternehmen unter Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter bereits seit 2001 eine bis dahin in Deutschland einzigartige Know-how-Sicherungs-Datenbank, die sehr feingradig die einzelnen Qualifikationen und Kompetenzen aller Mitarbeiter erfasst und ständig aktualisiert. Je Mitarbeiter sind das ca. 2.000 Merkmale. Das System erlaubt eine hohe Zielgenauigkeit beim Personaleinsatz sowie eine passgenaue Personalentwicklungsplanung mit entsprechenden Qualifizierungsmaßnahmen. Zentral können die Personalplaner der RAG gezielt nach Mitarbeitern mit akut benötigtem Spezialwissen forschen und zugleich absehen, welche Fachleute mittelfristig wo gebraucht werden – und wer für entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen infrage kommt. So, wie es Profile für jeden Mitarbeiter gibt, gibt es auch Soll-Profile für einzelne Positionen und ganze Abteilungen. Der Abgleich zeigt, welche Fort- und Weiterbildungsseminare geplant werden müssen. Diese erfolgen dann je nach Bedarf in Gruppen oder individuell und sowohl extern als auch intern, etwa im konzerneigenen Trainingszentrum Bergbau in Recklinghausen.

Wissen weitergeben

Ein wichtiges Instrument für den individuellen Know-how-Transfer innerhalb der RAG ist die sogenannte „Wissensstafette“. Dabei übergeben ausscheidende Mitarbeiter ihr ganzes Know-how strukturiert an ihre jeweiligen Nachfolger. Und bei diesem Transfer geht es nicht ausschließlich um die Vermittlung von reinem Fachwissen, sondern auch um die generelle Weitergabe von wertvollem Führungs- und Erfahrungswissen. So werden die Nachfolger in ihre neue Aufgabe eingeführt und erhalten gleichzeitig ein begleitendes Coaching. So ist trotz des Auslaufs der Steinkohlenförderung die RAG weiterhin ein gut funktionierendes Unternehmen – wegen des großen Know-hows ihrer Mitarbeiter, der Mitbestimmung und nicht zuletzt aufgrund bergmännischer Werte wie Solidarität und Verlässlichkeit.

Hunderttausend Azubis ausgebildet

Rund 120.000 Einwohner zählt Bottrop – fast ebenso viele junge Menschen absolvierten von 1968 bis heute ihre Ausbildung im Steinkohlenbergbau. In Summe ermöglichte die RAG 100.000 Jugendlichen den Start in eine berufliche Zukunft. Im Jahr 2014 startete die letzte Ausbildungsgeneration bei der RAG. Derzeit werden noch 213 Azubis in fünf Berufen ausgebildet: in Maschinentechnik, Elektrotechnik, Mechatronik sowie in Chemie und Umwelt. Dank guter Ausbildung sind sie gefragte Fachkräfte auch in anderen Branchen. „Die Ausbildung genoss immer einen hohen Stellenwert bei der RAG“, unterstreicht der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Peter Schrimpf. „Es gab kein Jahr, in dem wir trotz teils großer Herausforderungen nicht ausgebildet haben.“

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