Wissen aus der Tiefe: 150 Jahre Steinkohlenbergbau

Wie eine Stadt unter Tage: Für den Betrieb eines Bergwerks braucht es umfangreiches Know-how.
Wie eine Stadt unter Tage: Für den Betrieb eines Bergwerks braucht es umfangreiches Know-how.

Was haben Geologie und Wasserwirtschaft, Vortriebstechnologie, Sicherheitstechnik und Materialwissenschaften gemeinsam? Ihr Wissensschatz stammt aus dem Bergbau. In 150 Jahren Steinkohlenbergbau hat sich hier ein globaler Wissensfundus angereichert, der seinesgleichen sucht. Denn die Geschichte des Bergbaus ist zugleich eine lange Geschichte des Lernens. Mit Ende des Jahres 2018 werden die beiden letzten Bergwerke der RAG die Förderung einstellen. Nach über 150 Jahren ist damit der industrielle Steinkohlenbergbau in Deutschland Geschichte. Es ist eine gute Geschichte: Sie erzählt von Fortschritt und Innovation, von Industrialisierung und Wirtschaftskraft, Aufbau und Wiederaufbau, von Arbeit für Hunderttausende, die mit ihrem Einsatz das Fundament schufen für die Entwicklung Deutschlands zum Industrieland – und für den heutigen Wohlstand, der darauf aufbaut.

Kohle fördert Know-how

Zugleich mit der Kohle hat der Steinkohlenbergbau permanent Wissen gefördert. In allen Richtungen, untertägig wie obertägig. In vertikaler Richtung von der Erdoberfläche bis in die Gesteinstiefen hat er das Wissen um Geologie, Wetter, Wasser, Temperatur und Druck hervorgebracht. In horizontaler Richtung im Streb das Wissen um die technischen Errungenschaften von der Handarbeit über die Mechanisierung bis hin zur Vollautomatisation – von Schlägel und Eisen bis hin zu Hobel und Schrämlader mit automatisiertem Schildausbau. In diagonaler Richtung übergreifend das Wissen rund um Produktivität und Sicherheit mit dem bestmöglichen Einsatz der Maschinen bei höchstmöglichem Schutz der Menschen unter Tage. Und selbst in die Gesundheitsversorgung und das duale Ausbildungssystem floss Wissen aus dem Steinkohlenbergbau. Damit ist der Bergbau Träger wissenschaftlicher Erkenntnisse und leistungsfähiger Technologien, wirkungsvollen Arbeitsschutzes und flächendeckender Gesundheitsvorsorge, effizienter Teamarbeit und qualifizierter Ausbildung. Die RAG betreibt aus ureigenem Interesse Forschung und Entwicklung in vielen Bereichen. Die besonders anspruchsvolle Geologie der Lagerstätte sowie die führenden Standards bei Arbeitssicherheit und Umweltschutz erfordern eine ständige Weiterentwicklung der Bergbautechnologie. Hinzu kommt das Bemühen, trotz Personalabbaus entsprechendes Know-how zu erhalten und weiterzuentwickeln. Von 2002 bis 2011 verlieh das Unternehmen jährlich einen Forschungspreis an Mitarbeiter für außerordentliche Leistungen im Bereich von Forschung und Entwicklung.

Kompetenz für die Zukunft

Das Bergbauwissen selbst hat heute vielerlei Gestalt. Es steckt in den Köpfen der Bergleute und Ingenieure als Wissen um Prozesse und Verfahren. Es findet seinen Ausdruck in einer hoch entwickelten, zuverlässig erprobten Technologie. Und es ist zugleich ein Wissen, das in seinen Anwendungsmöglichkeiten weit über den Bergbau hinausweist, von Rohstoffversorgung, Ressourcennutzung und Umweltmanagement bis hin zur Erzeugung erneuerbarer Energien und zur nachhaltigen Entwicklung von Flächen und Regionen im Strukturwandel. Dieses Know-how ist von der RAG und ihren Mitarbeitern über Jahrzehnte gesammelt worden, entwickelt, erprobt und weitergegeben, damit es bleibt und immer weiter wächst. Davon profitieren Industrie und Forschung, unsere Gesellschaft und die Menschen selbst – hier vor Ort und in vielen Regionen der Welt, gestern, heute und in Zukunft.

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