Wahre Wasserspiele

Industriekultur und Natur: In den sanierten historischen Kühlturmtassen sammelt sich das Regenwasser, bevor es zur Emscher gepumpt wird. Ein Becken ist als „Wassergarten” gestaltet.
Industriekultur und Natur: In den sanierten historischen Kühlturmtassen sammelt sich das Regenwasser, bevor es zur Emscher gepumpt wird. Ein Becken ist als „Wassergarten” gestaltet.
Foto: KLAUS-PETER SCHNEIDER/INDUSTRIEDENKMALSTIFTUNG
Kokerei Hansa macht Regenwasser-Trennsystem erlebbar. Gemeinsames Projekt von Stiftung, RAG und weiteren Partnern

Essen.. Aus hölzernen Rinnen strömt Wasser auf viele kleine, kunstvoll wirkende Keramikschalen, die es springbrunnenartig verteilen und über Holzlatten weiter nach unten in ein großes Betonbecken tropfen lassen. Das neue Wasserspiel auf Hansa fasziniert die Besucher, denn sie erfahren anschaulich, wie einst in den großen Kühltürmen der Kokerei das Wasser, das im laufenden Betrieb heiß geworden war, durch Luftzug gekühlt und erneut für Kühlprozesse verwendet wurde. Hinter dem Wasserspiel verbirgt sich ein komplexes, gänzlich neues Entwässerungssystem der Kokerei Hansa“, sagt Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur, die Eigentümerin und Betreiberin des Industriedenkmals ist.

„In einem großen Gemeinschaftsprojekt mit dem Land Nordrhein-Westfalen, der Emschergenossenschaft, der RAG, dem Regionalverband Ruhr und der Stadt Dortmund haben wir es geschafft, auf der Kokerei Hansa ein Abwassersystem zu bauen, das Regenwasser und Brauchwasser trennt. Es war ein sehr langwieriger, aber erfolgreicher Prozess, bei dem am Ende alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben. Das ist wirklich vorbildlich.“ So werde das große Umlagerungsbauwerk der RAG im Norden der Kokerei über zum Teil oberirdisch verlaufende Regenwasser- Rinnen ebenso entwässert wie die Dächer der Kokereigebäude und befestigte Flächen. Gesammelt wird das saubere Wasser in den frisch sanierten Betontassen der historischen Kühltürme der Kokerei und von dort mittels einer Pumpe durch einen unterirdischen Kanal der Emscher zugeführt.

Renaturierte Emscher profitiert

Karola Geiß-Netthöfel, Regionaldirektorin des Regionalverbands Ruhr, weiß die Kooperation zu schätzen: „Die Projektgemeinschaft zeigt mit dem einzigartigen Regenwasser- Trennsystem, dass etwas Tolles auf die Beine gestellt worden ist. Pünktlich zu den Sommerferien können wir den Besucherinnen und Besuchern mit dem Wassergarten einen neuen und spannenden Ort auf dem Kokereigelände Hansa anbieten, der bei hoffentlich sommerlichen Temperaturen eine angenehme Abkühlung bereitet. Auch so kann Industriekultur zum Erlebnis werden.“ Auch Dr. Emanuel Grün, Technik-Vorstand der Emschergenossenschaft, ist überzeugt, dass sich die Kokerei Hansa mit diesem Konzept sehen lassen kann, denn „sauberes Regenwasser hat nichts in einem Abwasserkanal zu suchen, sondern gehört ins Gewässer.

Das Projekt auf der Kokerei Hansa kommt unserer renaturierten Emscher zugute, denn dorthin wird das Regenwasser geleitet. Das ist eine ökologisch wertvolle Maßnahme, die wir deshalb gerne gefördert haben“. Ebenso positiv urteilt Christof Beike, RAG-Pressesprecher: „Natürlich bedurfte auch unsere Beteiligung in diesem Fall sorgfältiger Begründungen: In Bezug auf eine nachhaltige Gestaltung von Bergbauflächen unterliegen wir als Empfänger von öffentlichen Geldern strengen Richtlinien und sind bei der erfolgreichen Umsetzung auf engagierte starke Partner, wie zum Beispiel die Industriedenkmalstiftung, angewiesen.“ Der Steinkohlenbergbau habe die Region in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt. „Deshalb ist es auch in unserem Interesse, wenn ausgesuchte ehemalige Bergwerks- und Kokereigelände an diese wichtige Epoche erinnern. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir im Jahr 1995 zusammen mit dem Land Nordrhein- Westfalen die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur gegründet und ihr unter anderem das Eigentum der Kokerei Hansa übertragen“, so Beike.

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