Studium trifft Praxis unter Tage

Die Ausbildung unter Tage gehört bei bergmännischen und markscheiderischen Studiengängen dazu.
Die Ausbildung unter Tage gehört bei bergmännischen und markscheiderischen Studiengängen dazu.
Foto: RAG
Praktikanten und Beflissene lernen den Bergbau aus erster Hand kennen und erwerben bei der RAG die Grubenreife.

Bergmännische und markscheiderische Studiengänge vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern beinhalten oftmals auch praktische Erfahrungen. Als Praktikanten oder Beflissene haben Studierende die Möglichkeit, verschiedene Bergbauzweige und -betriebe kennenzulernen. Ziel ist es, bergmännische Befähigungen, Fertigkeiten und Kenntnisse zu erlernen. Auch bei der RAG findet eine solche Vermittlung praktischen Wissens statt.

Praktikanten auf dem Bergwerk Prosper-Haniel absolvieren in der Regel ein duales Bachelorstudium in Bergbau, Maschinenbau oder Elektrotechnik, für das ein Praktikum erforderlich ist. Beflissene dagegen absolvieren ein bergbaunahes Masterstudium wie Rohstoffingenieur- oder Markscheidewesen. Da sie später oft im staatlichen Auftrag arbeiten, sind sie im Beflissenen-Verzeichnis registriert und stehen während ihrer Ausbildung in ständigem Kontakt mit der Bergbehörde. Nach 80 Schichten Grundausbildung, davon mindestens 40 in einem untertägigen Betrieb, leistet der Beflissene eine Probegrubenfahrt ab, bei der seine Fähigkeiten unter Tage geprüft werden und bergbauliche Grundfragen beantwortet werden müssen. Bei erfolgreicher Prüfung erlangt der Beflissene die Grubenreife. Die weiterführende Ausbildung umfasst nochmals 40 Schichten, die sich auf die übertägige Überwachung, Planung und Steuerung eines Bergbaubetriebes beziehen. Die schriftliche Abschlussarbeit schließlich wird in Abstimmung mit der zuständigen Bergbehörde vorgenommen.

Falls ein Beflissener später im höheren Staatsdienst tätig werden will, muss er noch ein 6-monatiges Referendariat bei einem Bergwerksbetrieb sowie ein Staatsexamen absolvieren. Dann darf er sich Bergassessor nennen. Jonas Müller, derzeit Referendar auf Prosper-Haniel, möchte beispielsweise später bei der Bezirksregierung Arnsberg tätig werden. „In den acht Monaten habe ich sieben Bereiche des Bergwerks kennengelernt – Belegschaftsschutz, Vorleistung, Instandhaltung, Abbau, Logistik, Markscheiderei und Stabsstelle“, erläutert er.

Beflissene und Praktikanten durchlaufen auf Prosper-Haniel zu zweit die Abteilungen und lernen die verschiedenen Funktionen kennen. „Schade, dass in Zukunft die Beflissenenausbildung im Steinkohlenbergbau nicht mehr möglich ist“, meint Philipp Hamann, der an der RWTH Aachen studiert und später im australischen Bergbau arbeiten möchte. „Ich würde jedem eine Anfahrt unter Tage wünschen. Das ist eine andere Welt und sehr beeindruckend.“ Und Jonas Müller fügt hinzu: „Die Ausbildung unter Tage ist ein absolutes Highlight – vor allem das Verhältnis der Kumpel untereinander: grob und herb, aber trotzdem kumpelhaft.“

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