Quartiere attraktiv gestalten

Vor Ort: Im Februar machten sich die Stadtplaner ein Bild von den Quartieren in Duisburg-Vierlinden (links) und Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort (rechts). Danach starteten sie in die Arbeitsphase.
Vor Ort: Im Februar machten sich die Stadtplaner ein Bild von den Quartieren in Duisburg-Vierlinden (links) und Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort (rechts). Danach starteten sie in die Arbeitsphase.
Foto: NICO KLEEMANN
Planungsteams des Projekts „Glückauf Nachbarn – Modellquartier Integration” präsentieren Ergebnisse auf Zollverein.

Ein halbes Jahr beschäftigten sich vier Planungsbüros aus Berlin, Groningen, Kopenhagen und Wien intensiv mit der Frage, wie ein „Modellquartier Integration“ aussehen kann – und das ganz konkret anhand von zwei Beispielen im Ruhrgebiet. Jeweils zwei Teams betrachteten die Quartiere Vierlinden in Duisburg sowie Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort und entwickelten Vorschläge für attraktive Stadtviertel, in denen Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenleben. Anfang Juli stellten die Planungsteams des Projekts „Glückauf Nachbarn“ ihre Ergebnisse der Projektorganisation und Schlüsselpersonen aus den beiden Quartieren auf dem Welterbe Zollverein vor. RAG, RAG Montan Immobilien und Vivawest initiierten das Projekt, das die Integrationsleistungen aus dem Bergbau und dem Bergarbeiterwohnungsbau in die Zukunft tragen und modellhaft für weitere Quartiere zugänglich machen soll.

Lebenswerte Stadtviertel

In einer ersten Projektphase entwickelten Experten aus unterschiedlichen Disziplinen Thesen zum Thema Integration, die die Arbeitsgrundlage für die Planungsteams in der nun abgeschlossenen Werkstattphase bildeten. „Bergbau und Wohnen gehörten schon immer zusammen. Mit ‚Glückauf Nachbarn‘ knüpfen wir an die gelebte Tradition an und geben Impulse für lebenswerte Quartiere der Zukunft“, stimmte RAG-Vorstandsvorsitzender Bernd Tönjes die Teilnehmer zur Begrüßung ein. Auch Vivawest-Geschäftsführerin Claudia Goldenbeld unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Gute Nachbarschaft und ein gutes Mit einander sind uns als größtem Quartiersentwickler in NRW ein besonderes Anliegen.“ Welchen Beitrag eine aktive Stadtentwicklung dazu leisten kann, stellten die Planer in vier unterschiedlichen Ansätzen vor.

Das Quartier in Kamp-Lintfort besteht aus der Fläche des Bergwerks West und den umliegenden ehemaligen Bergwerkssiedlungen. Zwei Teams betrachteten diese für das Ruhrgebiet typische Konstellation. Das niederländische Team DeZwarteHond stellte unter dem Motto „OPEN City – Opportunities for People, Economy and Nature“ Ideen zur Verbindung von Arbeit und Wohnen vor. Im Mittelpunkt der Planungen unter der Überschrift „Buntkaue“ des dänischen Büros Schulze + Grassov steht ein einladendes, barrierefreies Zentrum mit Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten. Blühende Kauenkörbe und die Entwicklung von Schacht 1 zu einer Landmarke stehen symbolisch für das Quartier. Im Gegensatz zu Kamp-Lintfort zeichnet sich das Vivawest-Quartier Duisburg-Vierlinden durch schon vorhandenen Wohnungsbestand aus. Die beiden anderen Teams entwickelten anhand dieses Stadtviertels Ideen für Integration. Das Wiener Team verfolgt mit einem „Kosmos Vierlinden“ die Grundidee, die frühere Gemeinschaft „aus der Grube“ zu einer Gemeinschaft im Quartier zu entwickeln.

Um die Gemeinschaftsbildung und die Lebensqualität im Quartier zu stärken, sollen Maßnahmen im öffentlichen Raum ergriffen werden. Unter dem Motto „aufMISCHEN“ betrachtet das Büro Teleinternetcafe aus Berlin einerseits die Vernetzung des Quartiers mit seinem Umfeld und andererseits das Thema Integration. Prof. Christa Reicher, Inhaberin des Lehrstuhls für Städtebau, Stadtgestaltung und Bauleitplanung an der Technischen Universität Dortmund, begleitet das Projekt als leitende Expertin und zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen: „Die Ideen der Planungsteams bestätigen und konkretisieren die Thesen, die wir in der ersten Projektphase aufgestellt haben. Vor allem aber denken die Teams weiter und setzen auf unterschiedlichen Ebenen vom Gebäude bis zum ganzen Ruhrgebiet an.“

Begegnungen ermöglichen

Im Austausch der Teams untereinander sowie mit den Projektorganisatoren und den Bewohnern der Quartiere wurden die Ideen der Stadtplaner diskutiert und veranschaulicht. Die Ergebnisse beschäftigen sich insbesondere mit der Verbindung von Arbeit undWohnen, mit Mobilität und mit Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. So entwickelten die Planungsbüros aus verschiedenen Elementen bestehende Toolboxen, die attraktive Räume schaffen, Integration fördern und sich auf viele unterschiedliche Stadtgebiete übertragen lassen. Der stellvertretende RAG-Vorstandsvorsitzende Peter Schrimpf sprach allen Beteiligten seinen Dank aus: „Ich ziehe den Hut vor den guten Ideen, die wir heute kennengelernt haben. Dieses besondere Projekt verbindet Denken und Tun auf einzigartige Weise.“ Vivawest-Geschä¬ftsführer Ralf Giesen betonte die Vielfalt der Ergebnisse und würdigte die Leistungen der Planer und Experten: „Sie haben uns einen ganzen Strauß an innovativen Möglichkeiten zur Quartiersentwicklung aufgezeigt und unsere Erwartungen über troffen.“ ls

Alle Informationen gibt es im Internet unter www.glueckauf-nachbarn.de

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