Mit Disziplin und Teamwork

Das Einbringen von Ankern zur untertägigen Lagesicherung der Hüllrohre.
Foto: RAG
Umrüstung von Schacht 3 zum Sicherungsstandort auf Carolinenglück ist fast abgeschlossen.

Essen.. Die Umsetzung des RAG-Grubenwasserkonzepts schreitet weiter voran. Als nächstes Umbauprojekt steht Schacht 3-auf Carolinenglück in Bochum-Hamme unmittelbar vor seiner Umrüstung zum Sicherungsstandort nahe der Emscher. Die Ausstattung mit zwei Hüllrohren bereitet Schacht 3 auf seine künftige Aufgabe vor.

Rund ein halbes Jahr dauerte die Verfüllphase. Nun verlaufen zwei in Beton eingelassene Hüllrohre in 624 Meter Tiefe bis zur Tagesoberfläche. Hinter der Konzeption, Zulassung und Realisation steht die Abteilung Grubenwasser Rückzugsprojekte (GRA) im Servicebereich Technik- und Logistikdienste. Abteilungsleiter Dieter Hardes stand gemeinsam mit seinem Stellvertreter Benjamin Röhlüber die gesamte Bauphase hinweg mit den Mitarbeitern auf der Baustelle in engem Kontakt: „Bis die Bauarbeiten starten können,vergehen Monate der Planung, Antragstellung und Genehmigung. Wenn wir von der Bezirksregierung grünes Licht erhalten,müssen alle Abläufe stimmen. Gute Kommunikation ist hierbei auch im Sinne der Arbeitssicherheit unerlässlich“, erklärt Projektleiter Röhl.

Zum festen Bestandteil gehörte auch ein morgendlicher Datenabgleich zwischen der Projektleitung, dem Baustellenkoordinator und der Mannschaft vor Ort. Im Mittelpunktstanden Fragen wie „Halten wir den täglichen Verfüllfortschritt von sechs Metern ein?“,„Verlaufen die Betonherstellung auf Auguste Victoria und der Transport nach Carolinenglück passend?“ oder „Wann steht die nächste Schachtbefahrung mit dem Mitarbeiter der Bezirksregierung an?“. Rund 30 Fachleute arbeiteten bis zum Abschluss der Schachtverfüllung Ende 2017 rund um die Uhr im Schichtbetrieb. Die Einteilung der Früh-,Mittags- und Nachtschicht folgte dabei einem Muster, das sich bereits in früheren Umbauprojekten bewährte. Die Montagetechniker der Frühschicht verantworteten die Vorbereitung der Hüllrohre zum Einbau im Schacht und unterstützten die Verfüllmannschaft. In der Mittagsschicht erfolgte der Einbau des südlichen Hüllrohrs, bevor in der Nachtschicht der Einbau des nördlichen Hüllrohrs sowie die Lotung des Rohrpaars anstanden.

Zu den besonderen Sicherheitsvorkehrungen gehörten die Durchschallung und die Messung der Wandstärke der ZSM-Verfüllleitung, über die der Beton mit Hilfe einer Doppelkolbenpumpe in den Schacht gelangt. Wegen der enormen Baustoffmengen von bis zu 35 Lkw-Ladungen täglich kam es zu Schäden an der Leitung, die den Austausch einzelner Rohre erforderlich machten. „Wegen ähnlicher Vorfälle bei der Verfüllung auf Rossenray war das Problem bekannt. Jedoch gibt es keine universelle und vor allem keine zeitlich unkritische Lösung“, erklärt Hardes. In enger Abstimmung mit den zuständigen Sachverständigen und der Bezirksregierung Arnsberg erfolgten daher ein regelmäßigerAusbau und eine Wandstärkenmessung der Rohrleitung über Tage. Lagen die Stärkender Rohrleitungen unterhalb der Ablegereife, wurden sie aussortiert und zunächst nichtwieder verbaut. Mit abnehmender Teufe der Verfüllung sinkt die statische Belastung der Rohrleitung. Nach Überprüfung der Lastendurch ein Ingenieurbüro und Rücksprache mit dem Sachverständigen konnten zum Teil aussortierte Rohre wieder zum Einsatz kommen.

Welche Rolle Effizienz und Zeitmanagement spielen, zeigen zwei Beispiele, für die sich die Abteilung GRA sogar über den Titel „Lean-Team des Monats“ freuen durfte. Mit eigens für diesen Zweck entworfenen Lkw-Transportgestellen gelang es dem Team, pro Strecke vier statt ursprünglich zwei je 3,9 Tonnen schwere Stahlrohre zu transportieren. Dadurch reduzierten sich die Kosten des Transports der Hüllrohre von ihren Lagerstandorten Haus Aden und Duhamel nach Bochum um die Hälfte. Auch am Schachtselbst profitierte die Mannschaft von einer Sonderlösung der Lean-Gruppe. Dabei handelt es sich um ein optimiertes System zum Einhängen der Hüllrohre in den Schacht. Die Zuführung erfolgte über eine Stahlkonstruktion, die zugleich als Standfläche für die Mitarbeiter und als Tragfläche für die Schienenführung diente. Über das Schienenpaar gelangten die Rohre mit Hilfe eines Transportwagens zur Schachtöffnung. Anschließend zog die dafür eingebaute Seilwinde das Hüllrohr senkrecht in die Höhe, bevor es am Transportgeschirr hängend hinunterbefördert wurde. Um die 202 verbauten Rohre zu jeder Phase des Fortschritts auf ihre lotrechte Ausrichtung zu überprüfen, wendeten die Fachleute ein vermessungstechnisches Konzept der DMT an.

Hardes zieht ein positives Resümee: „Das Umbauprojekt steht als Paradebeispiel für Disziplin, Fachkompetenz und Teamwork. So schwierig das Problem mit den verschlissenen Rohren auch war, wir haben es überwunden. Dieser Erfolg geht auf das Konto jedes Einzelnen, der an diesem Umbau beteiligt war.“ Im März erreicht die Umrüstung zum Sicherungsstandort mit der denkmalschutzgerechten Wiederherstellung des Fördergerüsts, dem technischen Rückbau sowie der Sicherung der Schachtöffnung den Abschluss. Insgesamt 15 Sicherungs- und Brunnenstandorte entstehen in den nächsten Jahren, um die Grubenwasserhaltung zukunftssicher zu machen. Einen großen Vorteil gegenüber der konventionellen Wasserhaltung macht neben der CO2-Einsparung vor allem die Entlastung der Fluss- und Bachläufe aus. Auf Carolinenglück entlastet das Abschalten der zentralen Wasserhaltung die Emscher mit 7,5 Millionen Kubikmeter Grubenwasser pro Jahr.

Wie Carolinenglück garantieren alle weiteren acht Sicherungsstandorte innerhalb des Grubenwasserkonzepts den jederzeitigen Zugriff zur Regulierung des Wasserniveaus auch bei eventuell auftretenden Störungendes untertägigen Fließwegs. Brunnenpumpen kommen hier nur im unwahrscheinlichsten Fall zum Einsatz. Die Ausstattung mitzwei Hüllrohren bereitet Schacht 3 auf einsolches Szenario vor.

Do, 16.08.2018, 15.38 Uhr

Richter Dirk Rauschenberg erklärt den juristischen Hintergrund zur Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster.