Grubenwasseranstieg reduziert PCB-Austrag

Landesgutachten bestätigt Position der RAG

Durch den geplanten Anstieg des Grubenwassers kann der Austrag von PCB aus den Wasserhaltungen des Steinkohlenbergbaus zukünftig verringert werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten eines Konsortiums rund um das Aachener Ingenieurbüro ahu für den Standort Haus Aden. Das Land NRW hatte Mitte des Jahres 2015 das Konsortium mit einer Risikoanalyse zum Einsatz von PCB-haltigen Betriebsmitteln sowie von Reststoffen im Zusammenhang mit einem Grubenwasseranstieg beauftragt. Das Gutachten setzte sich sehr intensiv mit der Frage auseinander, ob aktuell oder zukünftig Gefährdungen des Grundoder Oberflächenwassers zu befürchten seien und welche Maßnahmen gegebenenfalls ergriffen werden müssten. Die Fachleute kommen zum Ergebnis, dass keine Erhöhung des Risikos für das Grund- und Oberflächenwasser durch einen Grubenwasseranstieg zu befürchten ist. Im Gegenteil: Als Maßnahme schlagen die Gutachter einen gezielten Grubenwasseranstieg vor. Das Gutachten steht seit Mitte Januar im Entwurf online unter www.umweltauswirkungenutv. de zur Verfügung und beschäftigt sich mit zwei großen Themenfeldern: dem Einsatz von PCB in Betriebsmitteln und der Verwertung von Reststoffen unter Tage, der sogenannten „Bruchhohlraumverfüllung“.

Grubenwasserkonzept führt zu Reduktion des PCB-Austrags

Bis in die 1980er Jahre waren PCB-haltige Betriebsmittel aus Brandschutzgründen bergbehördlich vorgeschrieben. Als mögliche Hauptquelle identifiziert das Gutachten den Einsatz in Walzenschrämladern. Diese Maschine wird direkt vor Ort zur Kohlegewinnung eingesetzt, sodass laut Gutachten ein Großteil von 98 Prozent des PCB im Streb und damit im sogenannten „Alten Mann“, dem Bruchraum hinter dem Kohleabbau, sicher gebunden sind. Der Alte Mann nimmt nicht am Strömungsgeschehen des Grubenwassers teil. Es durchfließt vielmehr langsam die offenen Strecken. Durch einen Grubenwasseranstieg werden diese Strecken von Wasser überstaut. Dadurch werden weniger Schwebstoffe, an denen das PCB im Wesentlichen anhaftet, mobilisiert. Außerdem kommt das Grubenwasser in tiefen Schichten zur Ruhe, sodass ein großer Teil der Schwebstoffe absinkt und nicht nach über Tage gelangt. Das Grubenwasserkonzept der RAG vermindert also die Strömungsgeschwindigkeit und schafft somit Absetzmöglichkeiten (Sedimentation) für Schwebstoffe. Somit reduziert ein Grubenwasseranstieg die derzeit schon sehr geringe PCB-Fracht.

Kein Risiko durch Reststoffe

Bis in die 2000er Jahre sind Reststoffe in Abstimmung mit der Landesregierung und zuständigen Behörden unter Tage verwertet worden. Bei den für diese Verwertung zugelassenen Stoffen handelte es sich zum einen um immissionsneutral verbrachte Kraftwerksrückstände. Die Eigenschaften der Reststoffe gleichen dabei denen des umgebenden Gesteins. Zum anderen wurden auch Rückstände aus Müllverbrennungsanlagen nach dem Prinzip des vollständigen Einschlusses eingelagert. Das bedeutet, dass das Material und seine Inhaltsstoffe dauerhaft von der Biosphäre ferngehalten werden. Die Gutachter kommen zum Ergebnis, dass von den eingebrachten Reststoffen im Zusammenhang mit dem Grubenwasseranstieg kein Risiko für die Oberflächengewässer oder das Trinkwasser ausgeht. Falls in sehr langen Zeiträumen, in Jahrhunderten oder Jahrtausenden, einzelne Stoffe austreten würden, so geschehe dies in einer derart geringen Konzentration, dass davon kein Risiko ausgehe. Das Gutachten hat sich in Teil eins mit PCB und Reststoffen für den Standort Haus Aden befasst. In einem zweiten Teil sollen elf weitere Standorte, an denen ebenfalls Reststoffe verbracht wurden, durch die Gutachter bewertet werden. Dazu wird die RAG weiterhin die Behörden und Gutachter z.B. durch die Bereitstellung von Informationen unterstützen. Die RAG und die Aufsichtsbehörden lassen das Grubenwasser regelmäßig durch unabhängige, akkreditierte Messinstitute untersuchen. Es durchfließt bereits seit Jahren und Jahrzehnten auch Bereiche, in denen PCB eingesetzt wurde, bevor es dann an den Wasserhaltungsstandorten gehoben wird. Schon seit den 80er Jahren werden Grubenwasser und die jeweiligen Gewässer auf PCB beprobt. Aktuell ist PCB in nach über Tage gepumptem Grubenwasser nur in geringen Mengen oder unterhalb der Nachweisgrenze enthalten. Diese Einträge zu messen und in einem bewährten und gesicherten Prozess zu bewerten, geschieht in enger Abstimmung mit den Aufsichtsbehörden und ist integraler Bastandteil des RAG-Wasserhaltungskonzepts

PCB-Quellen identifizieren

In einer Machbarkeitsstudie – auch vom Land in Auftrag gegeben – ging es dann um die Technischen Möglichkeiten, weitere PCB-Anteile aus dem Grubenwasser zu reduzieren. Komplett herausfiltern lassen sie sich nicht. Die Studie ist auf den Internetseiten des Umweltministeriums NRW (www.umwelt.nrw.de) zu finden. Schon heute beträgt der PCB-Anteil der RAG an der gesamten PCB-Fracht im Rhein lediglich 0,2 Prozent. Es stellt sich die Frage, wo die anderen 99,8 Prozent herkommen. Hier könnte eine landesweite Bestandsaufnahme z.B. in Form eines PCB Katasters für Klarheit sorgen.

Entlastung von Gewässern

Der Grubenwasseranstieg kann nicht nur den PCB-Austrag verringern, er ist auch Voraussetzung für die Reduzierung der Einleitstellen im Ruhrgebiet von derzeit 13 auf langfristig 6. Denn nur wenn das Grubenwasser höher steigt, kann es untertägige Verbindungswege erreichen und so den zentralen Standorten zufließen. Dadurch würden im Ruhrgebiet insgesamt 240 Flusskilometer frei von Grubenwasser. Die Emscher wird dabei ganz vom Grubenwasser entlastet – eine wichtige Voraussetzung für die naturnahe Umgestaltung des Flusses

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