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Ein Ire im Ruhrbergbau

Der ehemalige Staatsbedienstete William Thomas Mulvany bereicherte das Ruhrrevier mit neuen Impulsen und irischen Einflüssen. Die sichtbarsten Spuren seines Wirkens fnden sich heute in Castrop-Rauxel.

Castrop-Rauxel.. Der im Jahr 1806 in Dublin geborene William Tomas Mulvany leistete nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Ruhrbergbau, sondern brachte auch irische Einflüsse in die Region. Nachdem der Ingenieur im Jahr 1853 seine Anstellung als Staatsbediensteter in Irland aufgegeben hatte, siedelte er wenig später nach Deutschland über. Seinen Wohnort fand er in Düsseldorf, sein Tätigkeitsfeld lag jedoch vor allem im Ruhrbergbau. Mit Hilfe vornehmlich irischer Investoren erfolgte die Gründung der Zeche Hibernia in Gelsenkirchen, deren Name die lateinische Bezeichnung für Irland ist. Die Abteufarbeiten begannen 1855. Dabei kamen erstmals beim Schachtausbau an der Ruhr gusseiserne Tübbings zum Absperren der Wasserzuflüsse zum Einsatz.

Hibernia nahm 1858 die Förderung auf und war damit die erste fördernde Zeche Gelsenkirchens. Etwa zwei Jahre später begann in Herne auf einer weiteren irisch geprägten Zeche die Förderung. Mulvany gab ihr den Namen Shamrock, die irische Bezeichnung für Kleeblatt. Shamrock war die erste abgeteufe Zeche in Herne. Das Stadtwappen zeigte als Hinweis darauf viele Jahre lang neben Schlägel und Eisen ein grünes, dreiblättriges Kleeblatt. 1866 gründete Mulvany die Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaf (PBHAG). Im gleichen Jahr begannen unter Mulvanys Leitung die Arbeiten zur Errichtung einer Schachtanlage in Castrop-Rauxel. Das Bergwerk bekam den Namen Erin, die keltische Bezeichnung für Irland. Die PBHAG umfasste unter anderem die Dortmunder Zechen Hansa und Zollern sowie die Eisenhütte Vulcan bei Duisburg.

Neben seiner Pionierarbeit im Ruhrbergbau verfügte Mulvany über eine gewichtige Stimme in der Wirtschafs- und Verkehrspolitik. 1871 stieg er zum Vorsitzenden des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaflichen Interessen im Rheinland und in Westfalen auf und engagierte sich in weiteren Interessenverbänden. Außerdem verfasste er zahlreiche Denkschrifen, die sich mit der Verbesserung von Verkehrswegen, besonders von Wasserstraßen, befassten. Mulvanys Gedanken zu diesem Thema gelten als wesentlicher Einfluss für die Entstehung der Kanäle des Ruhrgebiets. Mulvany verstarb 1885, wenige Jahre nach dem Verkauf seiner Zechen. Sein Ehrengrab befndet sich auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof.

Pferderennen ins Leben gerufen


Die sichtbarsten Spuren von Mulvanys Wirken im Ruhrbergbau fnden sich heute in Castrop-Rauxel. Der Hammerkopfturm über Schacht 3 der ehemaligen Zeche Erin prägt das Stadtbild genauso wie das im Erin-Park gelegene Fördergerüst über Schacht 7. Um den Hammerkopfturm wurde zur Erinnerung an Mulvany ein keltischer Baumkreis errichtet, der sich am mythischen Baumkalender der Kelten orientiert. Darüber hinaus brachte Mulvany den Pferderennsport nach Castrop-Rauxel. Teilbereiche der unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Rennanlage wurden wieder aufgearbeitet. Die Naturhindernis-Pferderennbahn gehört – genau wie der Hammerkopfturm und das Fördergerüst über Schacht 7 – zur Route der Industriekultur. Auf dem Marktplatz in Castrop-Rauxel erinnert das 1912 errichtete Reiterdenkmal an die von Mulvany begründeten Naturhindernisrennen.

Auch in Gelsenkirchen und Herne fnden sich Spuren des Wirkens des irischen Pioniers, die bis in die Gegenwart hineinreichen. So ernannte die Stadt Gelsenkirchen Mulvany
zum Ehrenbürger und ist Heimat der Mulvany-Realschule. In Herne befand sich der Hauptsitz der RAG Aktiengesellschaf bis zum Umzug nach Essen am Shamrockring. Den Haupteingang zum Vorstandsgebäude ziert ein in Stein gemeißeltes dreiblättriges Kleeblatt. Darüber hinaus fnden sich in
Herne die Mulvanystraße und das MulvanyBerufskolleg (ue).

Fr, 10.08.2018, 10.49 Uhr