Radschnellweg Ruhr soll Revierstädte zwischen Hamm und Duisburg verbinden

Sven Frohwein
Kein Auto in Sicht: Beim „Still-Leben“ gehörte die A 40 den Radlern. Eine Fahrrad-Autobahn könnte es künftig immer geben. Parallel zum Ruhrschnellweg soll ein Radschnellweg entstehen.
Kein Auto in Sicht: Beim „Still-Leben“ gehörte die A 40 den Radlern. Eine Fahrrad-Autobahn könnte es künftig immer geben. Parallel zum Ruhrschnellweg soll ein Radschnellweg entstehen.
Foto: WAZ FotoPool
Der Regionalverband Ruhr will parallel zur staugeplagten A 40 einen Schnellweg nur für Radfahrer bauen. Die rot-grüne Landesregierung unterstützt das Projekt. Doch kritische Stimmen befürchten hohe Kosten. Eine Machbarkeitsstudie soll die Zweifel ausräumen.

Dortmund. Es war nur ein Vorgeschmack auf das, was da kommen kann: Beim A 40-Spektakel „Still-Leben“ im Juli 2010 war die Autobahn für einen Sonntag komplett für Autos gesperrt. Eine Fahrspur – die von Duisburg nach Dortmund – gehörte den Radlern. Etwas mehr als 60 Kilometer für ein Pendler-Erlebnis der besonderen Art. Nach Willen des Regionalverbands Ruhr (RVR) muss es bei diesem einen Mal nicht bleiben. Der „Radschnellweg Ruhr“ soll’s richten. Nicht über die A 40, aber über weite Strecken parallel zum Ruhrschnellweg, von vielen wegen seiner Stauanfälligkeit auch als längster Parkplatz der Welt verspottet. Da liegt es doch nahe, mehr Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen zu lassen. Oder?


Eine Machbarkeitsstudie soll her: Wie sind die Chancen, einen solchen Radweg in die Tat umzusetzen? Im Sattel von Hamm nach Duisburg, 80 Kilometer – und eingebunden in das regionale Radwegenetz. „Ein Ballungsgebiet wie das Ruhrgebiet ist dafür geradezu prädestiniert“, sagt Martin Tönnes, Bereichsleiter Planung beim RVR. Er spricht von einem erheblichen Reisezeitgewinn für Radler, wenn der Radschnellweg kommt. Auch Tönnes weiß, dass die wenigsten Duisburger sich aufs Rad schwingen werden, wenn sie in Dortmund arbeiten. Aber der Essener, der im nahen Bochum seine Brötchen verdient, wird sich zweimal überlegen, ob er dem Stau auf der A 40 der freien Fahrt auf dem Radschnellweg den Vorzug geben will.

Sierau will Machbarkeitsstudie abwarten

Tönnes sieht gute Chancen, dass das Projekt bis zum Jahr 2020 in die Tat umgesetzt wird. Bis 2015 soll das erste Teilstück zwischen Duisburg und Essen für Radler freigegeben werden. Der einfachere Teil, weil hier auf bestehende Radwege aufgebaut werden kann, die über ehemalige Trassen der Rheinbahn führen. Auf der Eisenbahnstrecke rollte 2002 der letzte Zug. Anders sieht das zwischen Bochum und Dortmund aus. Dort müssen weite Strecken neu gebaut werden – und kostenintensiv. Weil Brücken fehlen. Und das kann teuer werden. Für Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) zu teuer. Ließ der erste Bürger der Stadt jedenfalls kürzlich wissen. Ruderte aber mittlerweile zurück, will die Machbarkeitsstudie abwarten.

Wirtschaftsmagazin

Kritiker gibt’s trotzdem. Teurer Unfug, findet beispielsweise Thomas Pisula, Verkehrsexperte der Dortmunder CDU. „110 Millionen Euro, davon allein auf Dortmunder Stadtgebiet 37 Millionen“ seien verplant. „Wenn man Geld in den Radverkehr stecken will, kann man mehr erreichen, wenn man den Radverkehr zwischen den Stadtteilen verbessert“, sagte Pisula.

„Das hat so noch keiner ausprobiert“

RVR-Planer Martin Tönnies hält dagegen: „Das Ruhrgebiet könnte mit dem Radschnellweg Ruhr eine Vorreiterrolle in Deutschland spielen und neue Wege in der Mobilitätsdiskussion eröffnen.“ Ganz Deutschland schaue auf dieses bislang einmalige Verkehrsprojekt. „Das hat so noch keiner ausprobiert“, sagt Tönnes. Er spricht von Reinzeitgewinnen, von sinkenden Unfallzahlen, von Umwelt schonenden Aspekten. All das soll die Machbarkeitsstudie hervorheben. Dann werde sich zeigen, dass sich das ambitionierte Projekt auch volkswirtschaftlich rechne.

Unterstützung für das Projekt gibt es aus Düsseldorf. Im neuen rot-grünen Koalitionsvertrag hat der Radschnellweg bereits einen festen Platz. Von „nichtmotorisierter Nahmobilität“ ist da die Rede. „Wir werden die Zukunftspotenziale des Radverkehrs durch die Elektromobilität für die Regionen in unserem Land erschließen und den Bau von Radschnellwegen wie beispielsweise den Radschnellweg Ruhr unterstützen“, heißt es im Vertrag.

E-Bike Absatz nimmt zu

Elektrofahrräder gehen zurzeit weg wie warme Semmeln. 310 000 wurden allein 2011 in Deutschland verkauft, vermeldet der Auto Club Europa (ACE) – ein Absatzplus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Club schätzt: Knapp eine Million Räder mit Akku gibt es mittlerweile in Deutschland. Und der Trend setze sich unvermindert fort.

Wenn’s schon nicht mit dem E-Auto klappt, dann wenigstens mit dem Elektrorad. „Ein Radschnellweg könnte helfen, E-Bikes im Berufsverkehr zu etablieren“, sagt Martin Tönnes. Je mehr Elektroräder, desto größer auch die Chancen für den Schnellweg? Denkbar. Doch erst einmal müssen die 400 000 Euro für die Machbarkeitsstudie fließen.