Privatwohnungen werden zur Hotel-Konkurrenz

Schöne Strandwohnung bei Tel Aviv für 136 Euro die Nacht; Messewohnung in Essen für 66 Euro oder ein traumhaftes Apartment in Berlin-Kreuzberg für 76 Euro – sie heißen Wimdu.de, 9flats.com oder airbnb.com: Internetportale, auf denen Privatpersonen ihre Wohnungen vermieten, boomen. Und entwickeln sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für Hoteliers.

„Es ist meist günstiger und wir sind mit unseren Angeboten auch in kleinen Orten vertreten, in denen sich ein Hotel nicht lohnen würde“, sagt Juliane Loehr von 9flats.com. Das Berliner Unternehmen hat weltweit über 90 000 private Unterkünfte im Programm. Der Schwerpunkt liegt allerdings klar auf Metropolen wie Berlin, London, Paris oder Hamburg.

Ein lohnendes Geschäftsmodell: Der Vermieter bestimmt den Preis für seine Wohnung, das Gästezimmer oder die Ausziehcouch und stellt das Angebot in einem der Portale ein. Wer bucht, überweist den fälligen Betrag an den Vermittler. Das Portal reicht das Geld 24 Stunden nach Ankunft des Gastes an den Vermieter weiter – abzüglich einer Vermittlungs-Provision. Bei 9flats sind es 15 Prozent.

Vorher muss sich der Vermieter allerdings einer Prüfung durch das 9flats-Team unterziehen. Stimmt die Adresse? Sind die Bilder in Ordnung? Macht das Angebot einen ordentlichen Eindruck?

Und was ist, wenn die Unterkunft mal nicht den Erwartungen des Gastes entspricht? „Dann können Sie sich an unsere Hotline wenden“, sagt Stefanie Gruber von Wimdu.de. „Notfalls helfen wir dann auch mit einer neuen Bleibe aus.“ Das komme zum Glück aber nur selten vor. 150 000 Wohnungen und Zimmer hat Wimdu in der Datenbank – weltweit. Und fasst jetzt auch klassische Urlaubsgebiete in Europa ins Auge. „Deutschland ist aber bislang unser wichtigster Markt“, sagt Gruber. Wimdu ist seit zwei Jahren online. Mittlerweile beschäftigt das Berliner Start-Up 250 Mitarbeiter.

Über 90 Millionen Übernachtungen jährlich, so schätzt der Präsident des Hotel- und Gaststättengewerbes (Dehoga) in Berlin, Willy Weiland, gehen seinem Gewerbe jährlich deutschlandweit verloren, weil Urlauber und Geschäftsreisende lieber bei Privatleuten als im Hotel einchecken.

Eine Zahl, die der Dehoga-Landesverband NRW so nicht bestätigen möchte. In Nordrhein-Westfalen sei Privatvermietung bislang noch kein großes Thema. „Das ist ein Nischenprodukt, hat aber in den Großstädten eine gewisse Relevanz“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. Trotzdem sei das Hotelgewerbe gut beraten, auf solche Angebote zu reagieren. „Wir müssen künftig noch mehr auf die Bedürfnisse unserer Gäste eingehen und stärker auf Angebote in der Nähe der Hotels hinweisen.

Hier liegt nämlich der klare Vorteil der Vermietung von Privat an Privat: Der Vermieter fungiert im Idealfall zugleich als ortskundiger Führer. Oder hat zumindest Tipps parat, was seine Gäste in der Umgebung der Wohnung unternehmen können. „Man nimmt die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive wahr, wenn der Gastgeber als Fremdenführer fungiert“, sagt Juliane Loehr von 9flats.

 
 

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