Post rüstet sich für Weihnachten

Bonn.  Am 20. Dezember herrscht traditionell Hochbetrieb für die Deutsche Post DHL. Das ist der Tag, an dem die meisten Pakete zugestellt werden. „Wir stehen dann rechnerisch vor jedem fünften Haushalt in Deutschland“, sagt Uwe Brinks, Chief Production Officer des Konzerns, der für die Paket- und Briefproduktion verantwortlich ist. Mehr als acht Millionen Pakete werden die Zusteller an diesem Tag in den Haushalten abliefern – gut doppelt so viel wie sonst an einem Durchschnittstag mit vier Millionen.

Um diese gigantische Menge zu bewältigen, stockt die Post im Weihnachtsgeschäft die Zahl der Mitarbeiter um 10 000 Aushilfen auf insgesamt 80 000 Zusteller auf – davon liefern mehr als 20 000 nur Pakete aus. „Wir haben Leute, die immer wieder als Aushilfe zu Weihnachten arbeiten“, sagt Brinks. „Ein Teil der Beschäftigten, die wir Weihnachten gewinnen, wird später fest angestellt.“

Vor zehn Jahren noch Problemgebiet

Das Paketgeschäft, das vor zehn Jahren noch als Problemgebiet des Konzerns galt, treibt inzwischen das Geschäft an. Allein in den ersten neun Monaten betrug der operative Gewinn 2,4 Milliarden Euro, Ende des Jahres sollen es bis zu 3,7 Milliarden Euro sein – ein Rekordwert. Umsatztreiber ist der Onlinehandel. „Derzeit werden in Deutschland pro Jahr und Kopf 15 Pakete zugestellt, 2020 werden es 20 sein“, sagt der Paketchef Achim Dünnwald. Trotz zunehmender Konkurrenz ist die Deutsche Post nach eigenen Angaben mit etwa 44 Prozent Marktführer. Zu den Konkurrenten zählen nicht nur Hermes (Otto-Konzern) oder UPS, sondern künftig auch Amazon. Der weltgrößte Onlinehändler, von dessen Wachstum die Post profitiert, will selbst in die Zustellung einsteigen.

Um die Pakete an den Kunden zu bringen, werden die Zustellmöglichkeiten ständig erweitert. Der Kunde kann den Ort wählen, an den seine Pakete geliefert werden sollen. Ob nach Hause, in den Betrieb, zum Wunschnachbarn oder an eine Packstation. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Sie nicht antreffen, sinkt“, sagt Dünnwald. Zugleich wurde das Netz hochautomatisierter Paketzentren bundesweit auf 34 ausgebaut. „Das Gros schafft 32 000 Sendungen pro Stunde, das neueste in Oberhausen 50 000“, sagt Brinks. In Bochum wird 2017 mit dem Bau eines neuen Zentrums begonnen. Im Test sind aber auch neue Zustellformen. Unter anderem mit Drohnen. Noch ist der Prototyp – ein Paketkopter – nicht serienreif. Aber der neue Flieger könne bereits acht bis zehn statt üblicherweise nur zwei Kilo tragen und 50 statt acht Kilometer weit fliegen. Das größte Problem sei aber nicht die Technik, sagt Dünnwald. „Was fehlt, ist ein gesetzlicher Rahmen für den Einsatz solch autonomer Geräte.“

Zustellwagen mit Elektromotoren

Im Einsatz sind unterdessen bereits Zustellwagen mit Elektromotoren – und zwar aus eigener Fertigung durch das Tochterunternehmen Streetscooter. Mittelfristig will die Deutsche Post ihre 50 000 Transporter ersetzen. Bis Jahresende sollen 2500 der Elektromobile im Einsatz sein. In Berlin sei der Start in den nächsten zwölf Monaten vorgesehen. Auch andere Großstädte wie Hamburg und weitere Städte im Ruhrgebiet sollen folgen. Derzeit ist das kleinste Fahrzeug unterwegs, sagt Brinks. Die Entwicklung eines mittelgroßen sei abgeschlossen, erste Prototypen für eine Transportlast von 100 Paketen fahren schon. Die Techniker arbeiten jetzt am klassischen Zustellfahrzeug mit Fahrerkabine und Durchgang in den Ladebereich. Die Transporter werden dabei ganz auf die Bedürfnisse der Post zugeschnitten.

Eine weitere Neuerung startet in Großstädten: Paketkästen in Mehrfamilienhäusern. In diese Kästen liefert der Zusteller – und wer ein Paket verschicken möchte, kann es ebenfalls dort hineinlegen. „Der Kunde hat praktisch keinen Weg mehr“, sagt Brinks. Die ersten Kästen werden in Berlin aufgestellt. In den nächsten 18 Monaten folgen auch andere Großstädte wie Hamburg, Frankfurt/Main, München, Köln sowie Städte im Ruhrgebiet.

 
 

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