Opel-Chef Reilly fühlt sich falsch interpretiert

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Frankfurt/Main. Verwirrung um die Zukunft der Opel-Standorte: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat am Donnerstag ein Interview veröffentlicht, wonach Opel-Chef Nick Reilly verkündet habe, dass keine deutschen Werke geschlossen würden. Prompt kam das Dementi von Opel.

Verwirrung um Äußerungen des neuen GM-Europa-Chefs Nick Reilly: Nachdem die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» am Donnerstag vorab unter Berufung auf ein Interview mit Reilly gemeldet hatte, dieser wolle auf Werksschließungen bei Opel verzichten, dementierte Opel Deutschland wenig später. Reilly sei falsch interpretiert worden. Er «bleibt bei seiner mehrfach gemachten Aussage, dass zu konkreten Entscheidungen momentan noch nichts gesagt werden kann. Einen konkreten Plan hat Reilly bis Mitte Dezember in Aussicht gestellt», hieß es am Abend aus Rüsselsheim.

"Wir müssen überhaupt keine Standorte schließen"

Das Blatt (Freitagausgabe) hatte Reilly mit den Worten zitiert: «Wir müssen überhaupt keine Standorte schließen. Was wir tun müssen, ist einen Teil der Kapazität abzubauen.» Dafür gebe es verschiedene Wege. Werksschließungen seien aber nicht unbedingt notwendig. Dazu stellte Opel Deutschland klar: «Mit dem Wort 'müssen' wollte Reilly zum Ausdruck bringen, dass die erste Aufgabe darin besteht, Kapazitäten abzubauen, die konkrete Entscheidung, mit welchen Maßnahmen dies gemacht werden soll, aber erst den zweiten Schritt darstellt.»

Das Blatt hatte aus Reillys Worten gefolgert, der Nachfolger Carl-Peter Forsters als Europachef des amerikanischen Mutterkonzerns von Opel habe sich damit dem Plan des abgewiesenen Kaufinteressenten Magna angenähert. Um die jetzt geplante Sanierung Opels in eigener Regie umzusetzen, hofft der Konzern aber auf Staatskredite über 3,3 Milliarden Euro und müsse offenbar deshalb politische Rücksichten nehmen.

Einenkel gibt sich zurückhaltend

Der Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, hatte die ursprüngliche Nachricht aus der FAZ positiv aufgenommen – sich allerdings auch verhalten gegenüber der NRZ geäußert: „Grundsätzlich ist diese Aussage zu begrüßen. Auf dieser Grundlage kann man vernünftig miteinander verhandeln und Lösungen suchen, um den schwierigen Herausforderungen gerecht zu werden.”

„Wir brauchen das Gesamtkonzept, um diese Aussage genau bewerten zu können”, sagte Einenkel weiter. So müsse geklärt werden, was Reilly meine, wenn er von einem notwendigen Kapazitätsabbau spreche. Die Forderung des Betriebsrats nach einem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sei in den Verhandlungen mit GM „ein ganz wichtiger Eckpunkt, den wir klären müssen”, sagte Einenkel. Eine Kapazitätsanpassung könne über Arbeitszeitverkürzung, eine faire Produktionsverteilung zwischen den Werken und das Zurückholen ausgelagerter Arbeiten, etwa in der Komponentenfertigung, erzielt werden.

In den laufenden Verhandlungen mit den Gewerkschaften und Regierungen in Deutschland, Spanien und Großbritannien will Reilly der Meldung zufolge die Details der Restrukturierung in wenigen Wochen klären. «Dann müssen wir den Sanierungsplan bis spätestens Mitte Dezember vollenden und veröffentlichen», wurde der Manager weiter zitiert. Den binnen eines Jahres notwendigen Stellenabbau bezifferte er auf 9.000 bis 10.000 der insgesamt 46.000 Stellen in Europa.

Für 2013 wieder «ordentlicher Gewinn» erhofft

Reilly nannte als Ziel, dass Opel im Jahr 2011 wieder aus der Verlustzone kommen und schwarze Zahlen schreiben solle. 2013 peilt er dann schon einen «ordentlichen Gewinn» an. Den während der Verhandlungen mit Magna mit der Belegschaft vereinbarten Verzicht auf jährlich 265 Millionen Euro Lohn hält Reilly für ausreichend. Allerdings hatte der Betriebsrat dies nach der Entscheidung von General Motors, Opel nun doch zu behalten, wieder in Frage gestellt. Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» soll das Weihnachtsgeld, auf das die Belegschaft eigentlich verzichtet hätte, zum 1. Dezember in voller Höhe von 63 Millionen Euro ausgezahlt werden.

Zum Thema Staatshilfen für Opel sagte Reilly, bisher habe er nur Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle persönlich getroffen. Die Ministerpräsidenten der Länder mit Opel-Standorten werde er Anfang nächster Woche das erste Mal sehen. Es gebe jedenfalls keine Absage des Bundes für Staatshilfe. «Der Bund ist sehr interessiert daran, dass Opel eine Zukunft hat», sagte Reilly. Er könne gut verstehen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Absage von GM an Magna enttäuscht sei. «Dennoch hoffe ich, dass sie Opel weiter als ein für Deutschland wichtiges Unternehmen einstufen wird und uns unterstützen wird», fügte Reilly hinzu. (ap/nrz)

 
 

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