Oberhausener Sparkassen-Chefs sollen für Debakel zahlen

Hauptsitz der Sparkasse Oberhausen: Der Ex-Chef des Kreditinstituts muss sich vielleicht für das Millionendebakel vor Gericht verantworten.
Hauptsitz der Sparkasse Oberhausen: Der Ex-Chef des Kreditinstituts muss sich vielleicht für das Millionendebakel vor Gericht verantworten.
Foto: NRZ
Den Vorständen der Sparkasse Oberhausen drohen Schadenersatzklagen. Der Verwaltungsrat, der das Management des örtlichen Geldinstituts kontrolliert, fordert Geld vom fristlos entlassenen Sparkassenchef Karlheinz Merzig. Ein jahrelanger Rechtsstreit zeichnet sich ab.

Oberhausen.. Im Zuge der Kreditaffäre droht der Stadtsparkasse Oberhausen eine jahrelange juristische Schlacht. Der Verwaltungsrat, der das Management des örtlichen Geldinstituts kontrolliert, fordert Schadenersatz vom fristlos entlassenen Sparkassenchef Karlheinz Merzig sowie von den amtierenden Vorstandsmitgliedern Thomas de Koster und Ulrich-J. Salhofen. „Der Verwaltungsrat hat bereits am 23. Dezember entschieden, Schadenersatzansprüche gegen den gesamten Vorstand geltend zu machen“, sagte der Chef des Kontrollgremiums, Wolfgang Große Brömer, am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung.

Durch ein Kreditdebakel läuft die Sparkasse Gefahr, 20 Millionen Euro zu verlieren. Im Zentrum der Affäre steht eine pleitegegangene Sportartikelfirma aus dem Oberhausener Stadtteil Königshardt. Die Sport-Concept GmbH kaufte günstige Markenartikel von meist europäischen Großhändlern und vertrieb sie als Aktionsware vor allem an Discounter. Nicht verkaufte Waren nahm die Firma zurück. Für die Zeit zwischen Kauf und Verkauf benötigte Sport-Concept Kredite, die das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2003 von der Stadtsparkasse bekam.

Grünes Licht für Millionenkredite

Noch 2010 gab der Vorstand grünes Licht für Millionenkredite – und das, obwohl es bereits seit Jahren deutliche Anzeichen gegeben haben soll, dass Sport-Concept auf äußerst wackeligen Beinen stand. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem gegen Ex-Sparkassenchef Merzig.

Die Oberhausener Sparkasse könnte die finanziellen Folgen der Affäre noch über Jahre zu spüren bekommen. Es ist wahrscheinlich, dass der Fall vor Gericht landen wird. Für die Vorstände wurde eine Manager-Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Verwaltungsratschef Große Brömer, der auch Chef der SPD-Ratsfraktion in Oberhausen ist, hofft darauf, dass die Versicherung den entstandenen Schaden ausgleicht. „Ich gehe von einer Auseinandersetzung vor Gericht aus“, sagte er.

Nach Einschätzung des Arbeitsrechtlers Christian Nohr zeichnet sich „ein Prozess-Marathon“ ab. Ein Rechtsstreit von mindestens zwei Jahren sei realistisch. „Es ist unwahrscheinlich, dass die Sparkasse schnell Forderungen wird durchsetzen können“, gibt der Essener Jurist, der regelmäßig Manager bei Kündigungsstreitigkeiten vertritt, zu bedenken.

Belastung für den städtischen Haushalt

Die Affäre dürfte auch den Haushalt der Stadt Oberhausen belasten. Ihr gehört die Sparkasse zu 100 Prozent. Die Bilanzen des kommunalen Geldinstituts sehen seit 2007 ohnehin alles andere als rosig aus. Zu diesem Zeitpunkt brach der Bilanzgewinn von rund zwei Millionen Euro auf 464 000 Euro ein. Ein Jahr darauf wies die Sparkasse nur noch einen mageren Gewinn von 436 000 Euro aus. Seinerzeit wurden die Hilfen für die strauchelnde Landesbank WestLB dafür verantwortlich gemacht, aber auch Wertberichtigungen für Risikopapiere. Die Rendite sackte auf 0,42 Prozent ab. Andere Sparkassen in NRW hätten trotz WestLB-Krise deutlich besser gewirtschaftet, heißt es in Kreisen des Sparkassen- und Giroverbandes.

Erst ab 2009 stiegen die Gewinne in Oberhausen wieder, im Jahr 2010 blieb der Stadtsparkasse unter dem Strich ein Gewinn von etwa 1,1 Millionen Euro. Das Geld, so beschloss es die Politik, wanderte in die Sicherungsrücklage des kommunalen Geldinstituts. Der Kämmerer der finanziell schwer angeschlagenen Stadt ging leer aus, obwohl eine Ausschüttung möglich gewesen wäre.

Am Freitag trifft sich der Verwaltungsrat der Sparkasse erneut zu einer Sondersitzung, um über weitere personelle Konsequenzen zu beraten.

 
 

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