Nur noch das dritte Rad am Wagen

Paris.  . Es ist das Ende einer Epoche und eines der ruhmreichsten Kapitel der französischen Industriegeschichte. Der Aufsichtsrat des Konzerns PSA Peugeot-Citroën hat gestern eine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro beschlossen, die auf die Entmachtung der Eigentümerfamilie hinausläuft.

Der staatliche chinesische Autobauer Dongfeng und der französische Staat werden jeweils 800 Millionen Euro in Peugeot investierten und dafür beide einen Anteil von je 14 Prozent erhalten. Darüber hinaus will Peugeot 1,4 Milliarden Euro durch den Verkauf weiterer Aktien einsammeln. Schon seit Jahren gilt Peugeot-Citroën, die Nummer zwei in Europa hinter Volkswagen, als schwer angeschlagener Riese. Niemand wurde von der vor allem in Südeuropa grassierenden Absatzkrise so hart getroffen wie die Franzosen. Der Grund sind gravierende Managementfehler. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hat der PSA-Konzern die Wachstumsmärkte in China, Russland und Lateinamerika sowie das US-Geschäft sträflich vernachlässigt.

Auch der Trend zu Geländewagen und SUVs wurde verschlafen. Nachdem Verluste in Milliardenhöhe bereits zu Werksschließungen und dem Abbau von 10 000 Stellen geführt haben, muss Konzernchef Philippe Varin dieses Jahr vorzeitig seinen Posten an den ehemaligen Renault-Vize Carlos Tavares abtreten. Es kommt hinzu, dass die französische Regierung 2012 den Konkurs der für die Kreditvergabe wichtigen PSA-Bank nur mit Garantien in Höhe von sieben Milliarden Euro abwenden konnte. Im Gegenzug hievte Paris Ex-EADS-Chef Louis Gallois in den Aufsichtsrat und stellte PSA damit praktisch unter staatliche Vormundschaft.

Geben die Aktionäre der Kapitalerhöhung im Mai ihr Plazet, werden die Anteile der Peugeot-Familiendynastie auf 14 Prozent zurückgestutzt und ihre heutigen Stimmrechte von 38 Prozent auf die Hälfte reduziert. Damit kommt der größte und traditionsreichste Autobauer Frankreichs mehr als zwei Jahrhunderte nach seiner Gründung in neue Hände. Künftig dürften Staatsfunktionäre das Sagen haben, der stolze Löwe im Wappen der Peugeots ist zum dritten Rad am Wagen degradiert.

Auf großem Fuß

Das Aus ereilt die Herrscherdynastie in der achten Generation. 2002 starb Familienvorsteher Pierre Peugeot, ohne seine Nachfolge geregelt zu haben. Zwei Peugeots erhoben damals Anspruch auf das Zepter: Thierry, der älteste Sohn des Patriarchen, ein diskreter Mann, der sich gerne auf das Familiengut im Jura zurückzieht, und sein Bruder Robert, Großwildjäger sowie Ferrari-Fahrer, der lieber in Paris auf großem Fuß lebt.

Die Familie befolgte das Stammhalterrecht und machte Thierry zum Präsidenten des Aufsichtsrates. Robert wurde mit der Direktion der konzerneigenen Finanzgesellschaft FFP abgefunden. Zwar mehrte er das Familienvermögen auf den Finanzmärkten, doch dem Mutterhaus verweigerte er wichtige Geldspritzen. Auch deswegen sah sich Thierry Peugeot gezwungen, nach Investoren zu suchen.

 
 

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