Essen

NRW: Trotz Milliarden vom Bund – RWE entlässt Tausende Mitarbeiter wegen Kohleausstieg

Das RWE-Kraftwerk in Neurath gehört zu denjenigen, die zumindest zum Teil bis 2022 abgeschaltet werden soll.
Das RWE-Kraftwerk in Neurath gehört zu denjenigen, die zumindest zum Teil bis 2022 abgeschaltet werden soll.
Foto: imago images/Kosecki

Essen. Der Energiekonzern RWE aus Essen (NRW) soll in den nächsten zwei Jahren mehrere Kraftwerke für Braunkohle schließen. Das hatte der Bundestag am Donnerstagmorgen entschieden. So sollen die Klimaziele der Regierung bis 2030 erreicht werden. Allerdings bedeutet es für Tausende Mitarbeiter auch, dass sie innerhalb kürzester Zeit ihren Job verlieren.

Für RWE ist die Entscheidung ein Schlag ins Gesicht. Der Energiekonzern aus NRW soll im Zuge des Kohleausstiegs schon bis Ende dieses Jahres einen Block seiner Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Revier abschalten. Das kündigte Bundesumweltministerin Svenja Schulze am Donnerstag an. RWE trage damit die Hauptlast der Verständigung, sagte RWE-Geschäftsführer Rolf Schmitz.

RWE nimmt Braunkohlekraftwerke vom Netz: Tausende Mitarbeiter verlieren ihre Jobs

Abgeschaltet werden zunächst besonders alte Anlagen in den Kraftwerken Neurath, Niederaußem und Weisweiler, die zwischen 1959 und 1976 ans Netz gegangen sind.

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RWE erhält nach Angaben von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für das vorzeitige Abschalten eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro.

6000 Stellen werden gestrichen bei RWE

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstagmittag hat RWE bekannt gegeben, dass die Entscheidung der Bundesregierung kurzfristig mindestens 3000 Stellen kosten wird.

Und geht dabei noch weiter: Bis 2030 sollen insgesamt 6000 Stellen gestrichen werden, insgesamt 60 Prozent der Mitarbeiter im Braunkohlebergbau werden ihre Jobs verlieren. RWE-Geschäftsführer Rolf Schmitz zeigte sich betroffen: „Für unsere Mitarbeiter ist diese Entscheidung fatal, denn sie haben sich das mit ihren Jobs doch anders vorgestellt.“

Konsequenzen seien gravierend für die Mitarbeiter

Er bezeichnet die Konsequenzen als gravierend, man sei an den Grenzen des Machbaren angekommen. „Und den Preis zahlen unsere Beschäftigten.“ Allerdings gebe es es für viele Beschäftige eine Abfindung, andere gehen in Altersteilzeit.

Zudem würde RWE insgesamt einen Verlust von rund 3,5 Milliarden erleiden. Dafür reiche die geplante Entschädigung nicht aus. Der finanzielle Schaden sei massiv.

Der Ausstiegspfad sieht weiter vor, dass bis Ende 2030 schrittweise fünf weitere Blöcke vom Netz gehen. Danach sollen bis 2038 noch die neueren Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath laufen.

Hambacher Forst bleibt erhalten

Der Tagebau Hambach soll nach der Einigung zwischen Bund, Ländern und Energiekonzernen so verkleinert werden, dass der Hambacher Forst erhalten bleibt, wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (SPD) mitteilte.

Der Tagebau Garzweiler soll dagegen in geplantem Umfang abgebaggert werden.

Deutschland soll bis 2038 aus der Kohlegewinnung ausscheiden

Deutschland soll bis spätestens 2038 aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Stein- und Braunkohle aussteigen. Das hatte eine Kommission aus Politik, Wirtschaft und Klimaschützern vor einem Jahr entschieden. Die Kohleregionen sollen parallel insgesamt 40 Milliarden Euro für den Umbau ihrer Wirtschaft bekommen.

Die Einigung sieht vor, dass in den Jahren 2026 und 2029 im großen Stil überprüft werden soll, wie es mit dem Kohleausstieg läuft. Eine Frage soll dabei auch sein, ob Stilllegungs-Daten nach 2030 um je drei Jahre vorgezogen werden können - damit vielleicht doch schon 2035 komplett Schluss ist.

Um den Personalabbau in den Kraftwerken und den Tagebauen abzufedern, soll für die dort Beschäftigten ein Anpassungsgeld eingeführt werden. Damit wird eine Regelung für die Steinkohle auch bei der Braunkohle greifen. Beschäftigte in Kohlekraftwerken und im Braunkohletagebau sollen damit die Zeit bis zum frühzeitigen Renteneintritt überbrücken können. (fb/dpa)

 
 

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