Nord- und Südeuro als Ausweg aus der Euro-Krise

Eine griechische Ein-Euro-Münze. Foto: Steffi Loos/dapd
Eine griechische Ein-Euro-Münze. Foto: Steffi Loos/dapd
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Griechenland ist de facto pleite, weitere Staaten drohen in den Schuldenstrudel zu rutschen. Und Deutschland wird weiter zahlen müssen. Was wir jetzt brauchen, ist eine Neuordnung des Euroraumes mit einem Nord- und Süd-Euro. Eine Analyse.

Die Reden, die Beschwörungen der Politiker, die litaneiartigen Wiederholungen über einen alternativlosen Weg bei der Eurokrise machen die ganze, verfahrene Angelegenheit keinen Deut besser. In der Schuldenkrise offenbart sich, dass die Euro-Einführung mit der heißen Nadel gestrickt wurde. Jetzt platzen die von Euphorie, aber nicht von ökonomischem Sachverstand gehaltenen Nähte.

Es ist an der Zeit, dass jetzt Entscheidungen mit klarer Kante getroffen werden, wo es mit dem Euro hingehen soll. Es geht nicht an, dass durch immer neue Kredite an Staaten, die durch falsches Management in eine prekäre finanzielle Lage geraten sind, die dringend zu lösenden Probleme hinausgezögert werden. Im Fall Griechenland beispielsweise steht fest, dass das Land pleite ist. Immer wieder neue Kredite zu gewähren hieße, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen. Und das, ohne die Lage grundsätzlich zu verändern. Nein, es muss befürchtet werden, dass im Falle einer allgemeinen Schuldenübernahme, ob es sich dabei um Rettungsschirme, Euro-Bonds oder ähnliches handelt, vielmehr ein Umfeld erzeugt wird, das leichtfertiges Wirtschaften belohnt und die Sparsamen gleichwegs in eine Schuldenfalle lockt.

Europas Wirtschaft passt nicht zusammen

Jetzt kann nur noch eine nüchterne Bestandsaufnahme helfen. Eine Bestandsaufnahme, die offenbart, dass die Wirtschaften der einzelnen Euro-Staaten (noch) nicht zusammenpassen. Und damit auch nicht unter einen Währungs-Hut. Es wäre für alle Beteiligten besser – wie es beispielsweise der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, fordert – zwei verschiedene Euro-Währungen einzuführen: einen „Nord-Euro“ und einen „Süd-Euro“. Das hieße, dass in den finanzstarken Euro-Staaten des Nordens wie Deutschland, Österreich, Niederlande oder Finnland der Nord-Euro gelten würde. Die übrigen Euro-Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien würden mit dem Süd-Euro handeln.

Durch eine zu erwartende niedrigere Bewertung des Süd-Euro könnte den Mitgliedsländern der Zugang zu den Weltmärkten erleichtert werden. Gleichzeitig würden sie auch für Investitionen durch ausländisches Kapital interessanter. Grundsteine also für die wirtschaftliche Belebung und einen ökonomischen Aufschwung.

Schuldenschnitt ist nötig

Zwar würde der Wert des Nord-Euro steigen, die Währung teurer werden, aber das ist beherrschbar. Schließlich war auch die Bundesrepublik zu Zeiten einer hoch bewerteten D-Mark schon Exportweltmeister. Und auch die gebetsmühlenartig wiederholte Aussage, der deutschen Wirtschaft gehe es nur so gut, weil sie mit Euro im Euro-Raum verkaufen könne, stimmt so nicht. Richtig ist, dass unser prozentualer Anteil des Exportes mit den Euro-Staaten vor Einführung des Euro höher war als heute. Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass die Wirtschaftskraft der Schwellenländer zugenommen hat, aber hier wird häufig gar nicht in Euro abgerechnet.

Ein Neustart des komplizierten Währungsgefüges ist nicht zum Nulltarif zu haben. Ein Schuldenschnitt ist unerlässlich. Den notleidenden Staaten müssen große Teile ihrer Verbindlichkeit erlassen werden, damit sie überhaupt wieder auf die Beine kommen können. Zudem dürften einige Banken in Schieflage geraten. Aber gerade die sind hohes Risiko gegangen und haben mit den Krediten Gewinne in schwindelnden Höhen eingefahren – jetzt müssen sie dafür geradestehen. Selbst eine eventuelle direkte Staatshilfe für in Bedrängnis geratene Banken würde allemal billiger, als weiterhin Geld in ein Land zu pumpen, das mit den Stabilitätskriterien des Euro nicht zurechtkommt.

Mittlerweile hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass Griechenland nur die Spitze des Eisberges ist. Nahezu die gesamte Süd-Flanke Europas ist in finanziellen Schwierigkeiten. Aber auch hieran ist der Euro schuld: Etliche Länder haben erst durch den Euro billige Kredite bekommen, die sie in ihrer eigenen, schwächeren Währung nie erhalten hätten. Sie haben diese vermeintliche Chance genutzt und stehen jetzt vor einem unüberschaubaren Kreditberg. Weitere Stützungen durch Deutschland & Co sind also programmiert.

Das dies alles bislang in Deutschland so friedlich über die Bühne gegangen ist, liegt daran, dass wir derzeit einen nicht erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung erleben und die letztlich zu tragenden Kosten den Steuerzahler noch nicht erreicht haben. Aber diese Situation ist endlich. Was aber dann? Wer will schon, wenn er selbst den Gürtel enger schnallen muss, noch für andere zahlen. Soziale Verwerfungen werden die Folge sein. Erste wütende Proteste und Demonstrationen gibt es ja bereits in einigen Euroländern.

Nationale Rattenfänger

Es ist eben nicht richtig, dass durch den Euro „der Frieden“ sicherer geworden ist, wie immer wieder von interessierter Seite behauptet wird. In den 50 Jahren vor seiner Einführung haben die Länder in Europa zusammengefunden und friedlich miteinander Handel und Wandel getrieben. Durch eine Überstrapazierung gerade durch den Euro könnte sich das wieder wandeln. Und für nationale Rattenfänger ist es dann ein leichtes, die Nachbarn für das Ungemach im eigenen Land verantwortlich zu machen. Bereits jetzt wird Deutschland vorgeworfen, zum Teil für die zugespitzte Situation rund um den Euro verantwortlich zu sein. Obwohl Deutschland den Löwenanteil der Kreditzusagehilfen trägt.

Es geht um mehr als nur um „ein paar Milliarden“. Wir werden nicht darum herumkommen, den Euroraum neu zu ordnen. Gerade, wenn wir auf Dauer gut nachbarschaftlich miteinander auskommen wollen; aber auch, wenn wir im globalen Wirtschaftskonzert mitspielen wollen.

 
 

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