Nicht jede Spende kommt an

Berlin..  Mit der Adventszeit beginnt nicht nur für Nikolaus und Einzelhandel die Hochsaison. Auch Spendensammler krempeln die Arme hoch, um die Mildtätigkeit der Leute in der Vorweihnachtszeit für ihre Zwecke zu nutzen. Mehrere Milliarden Euro spenden die Deutschen jedes Jahr für die Umwelt, für Tiere oder für Katastrophenopfer. Ein erheblicher Teil des Spendenaufkommens fließt dabei traditionell zur Weihnachtszeit in die Kassen der gemeinnützigen Vereine.

Inzwischen hat sich indes auch herumgesprochen, dass man nicht jeder Organisation uneingeschränkt vertrauen kann. So rät die unabhängige Stiftung Warentest, sich jede „Spende sehr genau zu überlegen“. Aus gutem Grund. Zusammen mit dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat die Stiftung jetzt in einer breit angelegten Untersuchung 46 Organisationen genauer unter die Lupe genommen. Die Fachleute haben sich die Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Organisation der Wohltäter angeschaut. Ihr Fazit ist ernüchternd. Nur sechs von 46 geprüften Spendensammlern aus den Bereichen Natur, Umwelt- und Klimaschutz können sie uneingeschränkt empfehlen.

NebensächlichesBeiwerk

Atmosfair, BUND, der Deutsche Tierschutzbund, Greenpeace, Provieh und der WWF – sie sind die Vorbilder, denen man sein Geld ohne Magenschmerzen anvertrauen kann. So arbeiteten die Testsieger „wirtschaftlich, transparent und solide“. Mindestens 65 Cent von jedem Euro Spende fließen in den Satzungszweck, werden also nachweislich für das eigentliche Ziel des Vereins ausgegeben. Den Rest wenden die Organisationen für Werbung, Mitarbeiter, Rundschreiben und andere Kosten auf.

Nahezu die Hälfte der untersuchten 46 Vereine reißt schon diese 35-Prozent-Quote. 20 Hilfsorganisationen gaben mehr als 35 Cent von jedem Euro für das nötige, aber eben doch nebensächliche Beiwerk aus.

Das ist übrigens die gleiche Quote, die das DZI für sein renommiertes Spenden-Siegel verlangt. Das DZI-Logo haben aber längst nicht alle Organisationen, weil es gerade für kleine Vereine sehr teuer ist. Somit ist das Sternen-Siegel zwar ein starkes Gütesiegel, an dem man sich gut orientieren kann – Vereine ohne Siegel müssen deshalb aber nicht unbedingt schlecht sein.

Erstaunlich, wie viele Hilfswerke den Testern schlicht keine Auskunft geben wollten. 19 Spendenorganisationen wollten selbst nach mehrmaligem Nachfragen nicht an der Untersuchung teilnehmen. „Wie diese Organisationen mit den eingesammelten Spendengeldern umgehen, bleibt unklar“, kritisiert die Stiftung Warentest. Zu den Verweigerern zählt etwa die „Aktion Tier“ oder „Futter für Tiere in Not“. Unwirtschaftlich arbeiten in den Augen der Tester zum Beispiel die „Heinz Sielmann Stiftung“ und die durch ihre Tierschutz-Kampagnen bekannte Organisation „Peta “. Anders die Testsieger: BUND und Co. arbeiteten nicht nur wirtschaftlich, sie legten auch detailliert ihre Einnahmen und Ausgaben offen, berichtet die Stiftung. Ferner erläuterten sie die Wirkung ihrer Projekte und verhinderten Korruption und Verschwendung.

Aus demBauch heraus

Das ist keine Selbstverständlichkeit in der Branche der Gutmenschen, hat DZI-Chef Burkhard Wilke beobachtet: „Beim Tier- und Artenschutz ist die Gefahr sehr groß, dass die Spenden missbraucht werden.“ Problem: Das Thema ist hochemotional und werde oft aus dem Bauch heraus entschieden, erklärt die Stiftung Warentest. Deshalb: Bevor Bauch und Herz zum Zuge kommen, sollte man in Geldfragen stets den Verstand einschalten. Auch zur Weihnachtszeit.

 
 

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