Neuer Amazon-Paketdienst: Logistikbranche drängt sich selbst ins Abseits

Amazon arbeitet schon länger an einer hauseigenen Logistik.
Amazon arbeitet schon länger an einer hauseigenen Logistik.
Foto: Mike Segar / REUTERS
  • Mit „Shipping with Amazon“ will der Internet-Händler seine Pakete künftig selbst an die Kunden ausliefern
  • Das wäre eine große Konkurrenz für Lieferdienste weltweit
  • Die Logistikbranche muss dringend mit sinnvollen Vorschlägen auf diese Konkurrenz reagieren

New York.  Könnte das Logo von Amazon bald nicht nur groß auf den Paketen des Internetriesen zu lesen sein, sondern auch auf der Kleidung der Paketboten? Amazon baut schon seit langer Zeit eine eigene Logistik auf und stellt in den USA bereits selbst Bestellungen zu.

„Shipping with Amazon“ könnte der Logistikbranche auch hierzulande bald stark zusetzen – die Zusteller drängen sich derweil selbst ins Abseits.

Konkurrenz für Lieferdienste

Am vergangenen Freitag berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eingeweihte Quellen, Amazon wolle bald einen eigenen Lieferservice einführen. Mit „Shipping with Amazon“ wolle der Internet-Handelsriese den Paketdiensten UPS und FedEx schon bald Konkurrenz machen.

Den Berichten zufolge soll der Dienst schon in dieser Woche in Los Angeles starten und noch in diesem Jahr auf mehrere Städte ausgeweitet werden. Auch wenn das Unternehmen die Pläne zunächst nicht bestätigen wollte, steht fest, dass Amazon seit Jahren kräftig in seine Logistik mit eigener Lieferwagen- und Boeing-Flotte investiert.

Für UPS und FedEx wäre das ein direkter Angriff auf ihr Kerngeschäft. Die Börse reagierte bereits mit einem Sinkflug der Aktien.

Umgang mit selbstverursachter Überlastung

Ist etwas dran an den Gerüchten, ist es sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis Amazon auch hierzulande auf einen hauseigenen Lieferdienst setzt. Laut „t3n“ sei das die Möglichkeit, mit der selbstverursachten Paketschwemme umzugehen.

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Weil der Internet-Händler ein Versagen der Paketdienste befürchte, baue Amazon immer mehr eigene Strukturen auf. Deutsche Zusteller wie DPD oder Hermes reagierten bisher nur mit Vorschlägen gegen das Problem, die weit an der Realität vorbeigehen.

Gebühren für die Zustellung

Damit ist beispielsweise die Einführung einer Gebühr für Haustürzustellung gemeint. „Die Zustellung an die Haustür muss angesichts des hohen Aufwandes teurer werden“, sagte Frank Rausch, Geschäftsführer von Hermes in Deutschland, im vergangen Dezember der „WirtschaftsWoche“. Damit solle die kostengünstigere Abholung von Sendungen in Paketshops und -kästen gefördert werden.

Während DHL sich gegen eine solche Gebühr ausspricht, hat Hermes bereits weitere Pläne. Die Kundenzufriedenheit mit dem Service der DHL macht das Unternehmen selbstbewusst: Mit einer Weiterleitungs-Flatrate will der Dienst auch noch die Pakete anderer Zusteller ausliefern – gegen eine monatliche Gebühr.

Eigene kundenfreundliche Ideen nötig

Bevor Amazon seinen Kunden eine Gebühr aufbürdet, übernimmt der Internet-Händler die Kosten für die Zustellung jedoch lieber selbst. Für Prime-Kunden bietet Amazon in Deutschland bereits Same-Day-Zustellungen an, die teilweise von der eigenen Logistik und teilweise von Paketdiensten ausgeführt werden.

„Shipping with Amazon“ würde vor allem im Stadtgebiet einen Angriff auf die Paketdienste bedeuten. Kreieren diese künftig nicht eigene sinnvolle – und vor allem kundenfreundliche – Ideen, um der Überlastung beizukommen, könnte das eine ernsthafte Krise für die Zusteller bedeuten. (dpa/alka)

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