Neue ICE-Trasse: Mit Tempo 300 von München nach Berlin

Ein ICE der vierten Generation.
Ein ICE der vierten Generation.
Foto: Maurizio Gambarini / dpa
Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn: Ab Sonntag werden die Preise teurer. Das liegt vor allem an der neuen Strecke München-Berlin.

München/Berlin.  Ein bisschen ist es wie in der U-Bahn – nur schneller, viel schneller. Mit Tempo 300 in der Spitze rast der ICE Berlin-München auf der Neubaustrecke zwischen Erfurt und dem fränkischen Ebensfeld bei Bamberg von Tunnel zu Tunnel durch den Thüringer Wald.

Die neue Trasse hat Folgen für den ganzen Bahnverkehr. Denn jeder dritte Fernzug wird deshalb anders fahren als bisher, etwa einen anderen Weg oder zu anderen Zeiten. Bereits an diesem Freitag wird mit zwei Sonderzügen und an den Bahnhöfen groß gefeiert.

Was bedeutet die neue Strecke für die Fahrgäste?

Bahnfahrer sparen bis zu zwei Stunden. Das „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8“ ist eines der wichtigsten Bahnvorhaben vergangener Jahre. Sprinterzüge brauchen künftig 3:55 Stunden von Berlin nach München, von Berlin nach Nürnberg 2:51 Stunden. Täglich gibt es 10.000 Sitzplätze mehr als bisher. Von dem Ausbau profitieren nach Bahn-Angaben etwa 17 Millionen Menschen in verschiedenen Regionen.

http://Eine_Probefahrt_mit_dem_neuen_ICE_4{esc#208462339}[gallery]

Was wurde gebaut, wie lange hat es gedauert?

Der zuletzt vollendete Abschnitt von Erfurt bis nach Ebensfeld in Oberfranken ist 107 Kilometer lang. Durch 22 Tunnel und über 29 Brücken fahren die Züge mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde quer durch den Thüringer Wald und Oberfranken.

Der Neu- und Ausbau der Strecke von Nürnberg nach Berlin hat am Ende etwa zehn Milliarden Euro gekostet. Der 1991 beschlossene Bau verzögerte sich um mehrere Jahre, weil das Projekt 1999 durch die rot-grüne Bundesregierung vorübergehend gestoppt wurde.

Was erwartet die Bahn von der neuen Strecke?

Dank kürzerer Fahrzeiten hofft die Bahn auf mehr Reisende zwischen Berlin und München, unter anderem auf solche, die bislang das Flugzeug genutzt haben. „Wir rechnen mit einer Verdopplung unser Fahrgastzahlen auf 3,6 Millionen Reisen pro Jahr“, sagt Fernverkehrschefin Birgit Bohle.

In diesem Jahr dürften Bahnkunden bundesweit wohl 141 Millionen mal mit dem ICE oder IC fahren, das wäre ein Plus von gut zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Was müssen Fahrgäste auf der Neubautrasse zahlen?

Die neue Strecke München-Berlin wird für Bahnfahrer ab Sonntag deutlich teurer als die alte: 150 statt 132 Euro mit dem Flexpreis – ein Plus von 13,6 Prozent. Dafür haben sie die große Zeitersparnis. Wer allerdings vor Sonntag 0 Uhr bucht, zahlt noch den alten Preis.

Was ändert sich sonst an den Fahrpreisen?

Zum Fahrplanwechsel an diesem Sonntag werden Fahrkarten zum vollen Preis – dem sogenannten Flexpreis - im Durchschnitt um 1,9 Prozent in der zweiten Klasse teurer, in der ersten Klasse um 2,9 Prozent.

Nach Berechnung der Bahn liegt die Preiserhöhung im Fernverkehr aber insgesamt nur bei 0,9 Prozent. Das liege daran, dass nur etwa 10 Prozent aller Fahrgäste den vollen Preis zahlten. Die anderen 90 Prozent hätten entweder eine Bahncard oder kauften sich ein Ticket im Sonderangebot, das bei der Bahn Sparpreis heißt.

Bahnkunden zwischen Karlsruhe und Basel zahlen nicht mehr – eine Entschädigung dafür, dass die Rheintalbahn nach einer Panne beim Tunnelbau wochenlang gesperrt war.

Welche Veranstaltungen sind für Freitag geplant?

In Nürnberg, Erfurt, Leipzig, Wittenberg und Berlin wird an den Hauptbahnhöfen das Ereignis mit Festveranstaltungen und Reden gewürdigt. Ministerpräsident Bodo Ramelow steigt in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt in einen ICE-Sonderzug nach Berlin. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich kommt in Leipzig hinzu, sein Kollege Reiner Haseloff aus Sachsen-Anhalt in Wittenberg. D

er Regierende Bürgermeister Michael Müller begrüßt die Gäste aus dem Zug am Berliner Hauptbahnhof. In einem Festzelt nebenan wird dann Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. (dpa)

 
 

EURE FAVORITEN