Neue App: Gratis mit Bus und Bahn durch Düsseldorf

Der Kunde guckt vier Werbespots, je 20 Sekunden lang, danach kann er ein Gratisticket aufs Handy buchen.
Der Kunde guckt vier Werbespots, je 20 Sekunden lang, danach kann er ein Gratisticket aufs Handy buchen.
Foto: Lars Heidrich/Funke Foto Services
Wer vier Werbespots guckt, kann sich einen Fahrschein aufs Smartphone buchen. Das ist so erfolgreich, dass die Tickets schnell vergriffen sind.

Düsseldorf. Werbung nervt. Meistens jedenfalls. Was aber, wenn man nach der Werbung eine Belohnung bekommt? Einen Freifahrtschein für Bus und Bahn in Düsseldorf beispielsweise. Den gibt es jetzt seit einer Woche – Düsseldorf ist damit weltweit Vorreiter. Die Idee ist so erfolgreich, dass es mit den elektronischen Gratistickets so ist wie mit vielen Dingen, die umsonst sind: Sie sind schnell vergriffen.

Die Idee von „Welect“, so heißt das Start-Up-Unternehmen von Philipp Dommers und Olaf Peters: Der Kunde guckt vier Werbespots, je 20 Sekunden lang, danach kann er ein Gratisticket aufs Handy buchen. Wahlweise ein Kurzstreckenticket oder ein Ticket der Preisstufe A, das normalerweise 2,60 Euro kostet.

20.800 Tickets in einer Woche

Knapp 20.000 Nutzer haben sich bereits registriert, 20.800 Tickets waren am späten Mittwochnachmittag verkauft. Vor allem an Düsseldorfer, aber nicht nur. Denn das Ticket ist auch ideal für Menschen, die von auswärts nach Düsseldorf kommen.

„Mit diesem Erfolg haben wir nicht gerechnet, wir dachten an zirka 1000 Tickets bis Jahresende“, so Philipp Dommers. Was bedeutet: Sie müssen dringend neue Werbekunden finden, die bereit sind, für die 20-Sekunden-Spots zu zahlen. Denn die Rheinbahn gibt keinen Rabatt auf die gebuchten Tickets.

Doch Dommers ist überzeugt von der Idee: Denn die Spots werden mit einer positiven Grundhaltung geguckt. Weil es danach ja eine Belohnung gibt. Und, um die Werbung interessanter für beide Seiten zu machen: Der Nutzer kann sich aus 20 Spots vier auswählen – wegdrücken oder überspringen geht aber nicht.

4 von 20 Spots

Beim Praxistest am Mittwochmorgen gab es insgesamt nur vier Spots: Eine Parfümerie und drei Spots von einem Energiekonzern. Drei Stunden später, um die Mittagszeit, war der tägliche Ticket-Topf von „Welect“ schon komplett leer.

„Die Werbekunden können angeben, wie oft ein Kunde welchen Spot angeboten bekommt. Deswegen kann es sein, dass ihr Nachbar an der Haltestelle noch ein Gratisticket bekommt, Sie aber nicht mehr“, erläutert Dommers. Das Unternehmen haben der 31-jährige Ingenieur und der 44-jährige Betriebswirt Olaf Peters nach Feierabend gegründet und entwickelt. „Zum Glück hat sich uns unser Arbeitgeber flexibel gezeigt“, so Dommers. Vor allem in der letzten Woche, wo die Nachfrage von allen Seiten durch die Decke ging.

Bald in weiteren Metropolen in Deutschland und den Niederlanden

Mittlerweile sind sie in Verhandlungen mit weiteren Städten, Metropolen in Deutschland und den Niederlanden. Denn für Tourismusbüros und Veranstalter bietet die App ideale Möglichkeiten, Anreise und Angebote punktgenau zum Kunden zu bringen. Beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hatte man sofort offene Ohren und die beiden Neugründer an die Rheinbahn verwiesen. „Wir haben erst gedacht, die werfen uns sofort wieder raus, aber die waren sehr interessiert und haben da sofort mitgezogen“, freut sich Dommers.

Denn auch die Rheinbahn sieht sich als Gewinner der Gratisfahrer: Sie verkauft ihre Tickets ohne Rabatt an Kunden, die sonst vielleicht nicht in Bus und Bahn gestiegen wären. Und: Wer die Werbe-App genutzt hat, verliert womöglich schneller die Scheu, auch mal auf die Fahrkarten-App der Rheinbahn zurückzugreifen. „Die wissen dann, wie das aussieht mit den QR-Codes“, erklärt eine Sprecherin. Nur: Gratis ist die Fahrt dann nicht mehr.

SO KOMMT MAN AN DAS GRATISTICKET

  • Mit dem Smartphone die App „WelectGo“ runterladen und sich registrieren (es gibt eine Bestätigungsmail).
  • Das gewünschte Ticket (Wie vom VRR gewohnt: Kurzstrecke oder Preisstufe A – für 90 Minuten Freifahrt in Düsseldorf) wählen.
  • Aussuchen welche (maximal vier a 20 Sekunden) Spots man gucken will. Danach gibt es einen QR-Code aufs Handy, dem man dem Kontrolleur vorzeigt.
 
 

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