Netto will Mitarbeitern für Corona-Einsatz danken – und bekommt heftige Vorwürfe: „Abzocke!“

Netto: Eigentlich wollte der Discounter seinen Angestellten für ihre Corona-Einsätze danken. Doch die Vorgehensweise erntet heftige Kritik.
Netto: Eigentlich wollte der Discounter seinen Angestellten für ihre Corona-Einsätze danken. Doch die Vorgehensweise erntet heftige Kritik.
Foto: imago images / PicturePoint

Bremen. Sie werden als Corona-Helden gefeiert: Die Mitarbeiter in Discountern wie Netto & Co, die auch während der Pandemie den Einzelhandel am Laufen halten und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung garantieren.

Da sie dabei auch ihre eigene Gesundheit riskieren, belohnen mehrere Händler ihre Angestellten nun mit finanziellen Boni für ihren Einsatz. Doch Netto setzt statt Bonuszahlungen auf Rabatte – und die Mitarbeiter rasten aus.

Netto bietet Mitarbeitern statt Prämien Rabatt-Gutscheine an

Ein Netto-Angestellter aus Bremen wandte sich an unsere Redaktion und kritisierte seinen Arbeitgeber für dessen Rabatt-Strategie. Er wirft dem Discounter Abzocke vor.

Was ihm unangenehm aufstößt: Netto bietet seinen Mitarbeitern einen Rabatt von 20 Prozent auf alle Einkäufe, die bis zum 14. Juni gemacht werden – und verweist darauf, dass bei einem Gesamteinkaufswert von 1.000 Euro der Angestellte somit 200 Euro geschenkt bekommt. „Aber wer bitteschön kann schon 1000 Euro in 5 Wochen ausgeben um in den Genuss der 200 Euro Ersparnis zu kommen?“, fragt der fassungslose Netto-Mitarbeiter.

Beim Lebensmittelverbrauch eines normalen Haushalts fallen in etwas mehr als einem Monat so gut wie niemals Kosten von 1.000 Euro an. Doch bei einem geringeren Einkaufswert fällt auch der 20-Prozent-Anteil immer niedriger aus. Wenn ein Netto-Mitarbeiter in den nächsten fünf Wochen also weniger als 400 Euro für Lebensmittel ausgibt, zeigt sich die Wertschätzung des Discounters in einem Geldgeschenk im zweistelligen Bereich. Da war auch das kostenlose, exklusive Online-Konzert von Peter Maffay kein großer Trost, dass sich die Mitarbeiter am 1. Mai ansehen durften.

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„Andere Unternehmen haben das besser gemacht wie z.B. mit Gutscheinen“, merkt der Netto-Angestellte an. „Hätten wir Gutscheine bekommen im Wert von sagen wir mal 100-200 Euro, wäre das in jedem Fall besser gewesen.“

Selbst Verdi kritisiert: Netto soll sich „schämen“

In sozialen Netzwerken macht ein Aufruf an Netto-Angestellte die Runde, der die Problematik anspricht. Man solle seinen Coupon-Gutschein an die Geschäftsführung zurückschicken, heißt es darin. Netto habe mit der Rabatt-Aktion „mehr als deutlich gezeigt, dass wir denen keinen einzigen Cent wert sind. Ganz im Gegenteil. Sie fordern uns ernsthaft dazu auf, dass wir unser hart verdientes, jämmerliches Gehalt wieder an Netto zurückbezahlen sollen.“

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi meinte gegenüber dem „rbb“, dass Netto sich „schämen sollte“. Die Rabatt-Aktion „begünstigt natürlich zuerst die Unternehmer selber, die damit Umsätze machen“, so Erika Ritter, Sachbereichsleiterin Handel für Verdi in Berlin und Brandenburg.

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Netto selbst teilte auf Anfrage von unsere Redaktion mit, dass man sich zu internen Maßnahmen grundsätzlich nicht öffentlich äußere. (at)

 
 

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