Muskelspiele bei Thyssen-Krupp

Essen..  Es ist ungewöhnlich, wenn sich ein Aufsichtsratschef kurz vor einer Hauptversammlung ausführlich zum betroffenen Unternehmen äußert. Ulrich Lehner jedenfalls, der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Thyssen-Krupp, legt keine große Scheu an den Tag, wenn er von Journalisten auf das bevorstehende Aktionärstreffen angesprochen wird.

Am heutigen Donnerstag tagt der Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp. Am Freitag findet das Aktionärstreffen in Bochum statt. „Die Zeitungen schreiben, es wird eine ruhige Hauptversammlung. Mal gucken“, sagt Lehner vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV) in Düsseldorf. Eine Frage treibt ihn um: „Was macht Cevian?“ Gemeint ist der recht neue Thyssen-Krupp-Großaktionär, der nun 15,08 Prozent der Anteile hält. Die traditionsreiche Krupp-Stiftung ist mit 23,03 Prozent größter Einzelaktionär.

Cevian-Deutschlandchef Jens Tischendorf soll nun in den Aufsichtsrat gewählt werden. Gleichzeitig gibt die Krupp-Stiftung einen von drei Sitzen im Gremium ab. Es heißt, Tischendorf habe Vorbehalte gegen das Verbundkonzept von Vorstandschef Heinrich Hiesinger, demzufolge der Konzern durch die Vernetzung der einzelnen Konzernsparten besser werden soll.

„Nicht zum Hurra-Schreien“

Cevian gilt als aktivistischer Investor, der gerne in Unternehmen mitmischt. Lehner glaubt, dass solche Investoren künftig generell eine größere Rolle spielen werden. „Aktivistische Investoren werden an Bedeutung gewinnen, die kein Interesse an Unternehmen an sich haben, kein Interesse an den Mitarbeitern, kein Interesse an der nationalen Bedeutung eines Unternehmens.“ Diesen Aktionären gehe es allein um die Börsenkurse.

Auf die Frage, ob er sich in besonderer Weise dem Vermächtnis von Konzern-Patriarch Berthold Beitz verpflichtet fühle, antwortet Lehner: „Wenn es das Vermächtnis ist, dass Thyssen-Krupp ein wettbewerbsfähiges und zukunftsfestes Unternehmen ist, dann ja.“ Der Konzernumbau sei weiterhin „ein großes Thema“, das Gewinn-Niveau noch „nicht zufriedenstellend“. Es gebe eine „intensive Diskussion zur Zukunftsfähigkeit“ der Geschäftsbereiche. Insgesamt habe sich die Finanzlage verbessert, aber: „Die Eigenkapitalquote ist jetzt immer noch nicht zum Hurra-Schreien.“

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