Millionenschwere Fördertöpfe für Mittelständler

Neue Chance auf Fördermittel für Mittelständler: Nach dem Forschungsrahmenprogramm, das zwischen 2007 und 2013 immerhin gut 870 Millionen Euro nach NRW spülte, hat die EU-Kommission nun das 77 Milliarden Euro schwere „Horizont 2020“ aufgelegt. „Wir wollen deutlich wachsen und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen aufrufen, dabei zu sein“, sagt Herbert Rath, Geschäftsführer der Zenit GmbH in Mülheim.

Das Zentrum für Innovation und Technik, das vom Land NRW, dem Netzwerk Zenit und Banken getragen wird, unterstützt Mittelständler, Hochschulen und Forschungseinrichtungen dabei, öffentliche Fördertöpfe anzuzapfen. „Wir sind dabei, Bayern Paroli zu bieten“, gibt sich Rath kämpferisch, Bayern von Platz 2 der Förderungsnehmer zu verdrängen. Auf Rang 1 stand zuletzt Baden-Württemberg. Wie NRW-Einrichtungen vom EU-Fördertopf profitieren können, zeigt das Beispiel des IWW Zentrum Wasser in Mülheim, ein Zusammenschluss aus 20 Gesellschaften der Wasserwirtschaft.

Im Jahr 2009 stellte das Institut seinen ersten Förderantrag bei der EU und erhielt den Zuschlag für sieben Millionen Euro Zuschuss. Mit 31 Partnern aus Oslo, Madrid, Athen, Amsterdam oder Hamburg erforscht das IWW seither, wie sich sinkende Bevölkerungszahlen und mehr ältere Menschen auf das Abwassersystem auswirken. Abwassermengen sinken, mehr Medikamente müssen herausgefiltert werden, und das bei möglichst gleichen Kosten. „Wir suchen nach zukunftsfähigen Lösungen. Dazu gehört auch, wie Wasser angesichts des Klimawandels überall verfügbar bleiben kann“, sagt IWW-Forschungskoordinator David Schwesig.

Inzwischen koordiniert das Mülheimer Institut ein zweites Projekt, das die EU mit sechs Millionen Euro fördert. Es geht um die europaweite Verbesserung der Wasserqualität und Strategien gegen die Wasserknappheit, die sich nicht nur in südlichen Ländern abzeichnet. In Athen etwa soll Abwasser entnommen, vor Ort gereinigt und zum Gießen von Grünanlagen genutzt werden. In den Niederlanden testet das IWW, wie man Süß- und Salzwasser gemischt aufbereitet und zur Bewässerung von Treibhäusern nutzen kann. „Unser Ziel ist es, kleine und mittlere Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre Technologien in den Markt zu bringen“, meint Schwesig. Zenit in Mülheim unterstützt sie dabei.

Aus seiner täglichen Arbeit weiß Berater Karsten Lemke aber auch, dass kleine wie große Firmen davor zurückschrecken, ihr Know how innerhalb eines Projekts Wettbewerbern preiszugeben. Diese Bedenken will Zenit den Mittelständlern nehmen. Geschäftsführer Rath: „Kleine und mittlere Unternehmen haben oft nicht die Mittel, die Forschung allein zu stemmen.“ Und er unterstreicht die Chancen: „Als Partner eines EU-Projekts gelangen sie mit ihrem Know how auf die europäischen Märkte.“

Hinweis: Das Wirtschaftsmagazin mit dem Schwerpunkt Erfinder und Forschungsland NRW erscheint bereits am Freitag, den 28. März

 
 

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