Mehr Selbstständige im Ruhrgebiet

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Duisburg.. Im Ruhrgebiet machen sich immer mehr Menschen selbstständig, aber noch lange nicht so viele wie in anderen NRW-Regionen. Seit 2005 ist nach Angaben der Industrie- und Handelskammern die Zahl der Unternehmen um 22.000 gestiegen. Dennoch brauche die Region in Sachen Gründermentalität Nachhilfe durch Schulen und Hochschulen.

Drei von vier Neugründungen der letzten fünf Jahre waren Dienstleistungsbetriebe, vor allem aus den Branchen Telekommunikation, Informationsdienstleistungen, Werbung, Arbeitnehmerüberlassung, Gebäudebetreuung und Betreuung älterer und behinderter Menschen. Ursache für diesen partiellen Boom ist nach IHK-Einschätzung der geringere Finanzbedarf. Die kapitalintensiveren Gründungen von Produktionsunternehmen kamen nur auf einen Zuwachs von drei Prozent. Entsprechend sehen die vier Revierkammern in ihrem am Dienstag in Duisburg vorgestellten Gründerreport Ruhr 2009 in den technologieorientierten und wissensbasierten Produktions- und Dienstleistungsbranchen Entwicklungspotenziale für die Region.

Die Hälfte überlebt die ersten drei Jahre

Mit 50 Prozent nach drei Jahren und 30 Prozent nach fünf Jahren bezifferte Tillmann Neinhaus von der IHK Bochum die „Überlebensquote” von Neugründungen. Produzierende Unternehmen seien im Schnitt in ihrer Entwicklung stabiler als Handels- oder Dienstleistungsbetriebe.

Für die nächsten Monate rechnen die Kammern wegen vermehrt drohender Arbeitslosigkeit mit einem Anstieg der Firmengründungen. Diese Neu-Unternehmer seien aber häufig „unzureichend vorbereitet und wenig qualifiziert”, erläuterte Stefan Dietzfelbinger von der IHK Duisburg. Damit nicht eine „Pleitewelle dieser Gründer” folge, müssten Informationsangebote ausgebaut werden. Startercenter bei den Kammern böten Beratung aus einer Hand.

Banken sollten ihre Spielräume stärker ausnutzen, um gute Geschäftsideen auf den Weg zu bringen, fordern die Kammern zudem. Und vor allem müsse Selbstständigkeit und Unternehmertum in der Ausbildung an Schulen und Hochschulen stärker verankert werden. Andere Regionen hätten bei Unternehmensgründungen die Nase weiterhin vorn, klagte Neinhaus: „Wir haben im Ruhrgebiet nach wie vor Nachholbedarf.”

 
 

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