Manager-Gehälter „fast jenseits von Eden“

Das MillionenGehalt von VW-Chef Martin Winterkorn sorgte für eine Menge Diskussionen. Foto: dapd
Das MillionenGehalt von VW-Chef Martin Winterkorn sorgte für eine Menge Diskussionen. Foto: dapd
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Immer mehr Manager fordern Selbstbeschränkung beim Gehalt. Die Unternehmen sollten endlich selbst Obergrenzen in die Vergütungssysteme einziehen, bevor dies durch den Gesetzgeber geschehe, sagen Führungskräfte.

Frankfurt/Main. Es war nicht etwa Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der in diesem Jahr die Diskussion anheizte. VW-Chef Martin Winterkorn sorgte für Erstaunen und Verärgerung. Satte 17 471 208 Euro kassierte er für 2011 und damit rund das Doppelte dessen, was jeweils Ackermann, Daimler-Chef Dieter Zetsche oder dem obersten Siemens-Manager Peter Löscher zugedacht wurde.

Im Schnitt bekam der Vorstandschef eines Dax-Konzerns im vergangenen Jahr gut fünf Millionen Euro und damit 400 000 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer in der Industrie und im Dienstleistungsbereich wurde 2011 in Deutschland mit einem Brutto-Gehalt von rund 40 000 Euro entlohnt, die Bundeskanzlerin kam auf gut 208 000 Euro. Diesmal waren es nicht nur Politiker, Gewerkschafter und Betriebsräte, die ein Ende der Gehaltssprünge und das immer weitere Auseinanderdriften der Gehälter eines normalen Angestellten von dem der Top-Manager beklagten.

„Was im Moment vor sich geht, halte ich für völlig übertrieben“

Sorgenvoll äußerten sich Anfang Mai Commerzbank-Aufsichtsrats-Chef Klaus-Peter Müller und das ehemalige Daimler-Vorstandsmitglied Manfred Gentz. Die Unternehmen sollten endlich selbst Obergrenzen in die Vergütungssysteme einziehen, bevor dies durch den Gesetzgeber geschehe. „Was im Moment vor sich geht, halte ich für völlig übertrieben“, sagt auch Lufthansa-Chefkontrolleur Jürgen Weber. Mehr als das Hundertfache eines Durchschnittsgehaltes dürfe es nicht geben und das seien „bestenfalls“ fünf Millionen Euro. „Und das ist fast schon jenseits von Eden“, ergänzt Weber. DZ Bank-Chef Wolfgang Kirch denkt für die Gehälter der Vorstände an eine Spanne des 20- bis 30-fachen eines Durchschnittsgehaltes des jeweiligen Unternehmens.

Mittlerweile bemerken etliche Manager, dass die Gehaltsexzesse auch erheblichen sozialen Sprengstoff bergen. Überzogene Millionengehälter seien eine Provokation, ist von Führungskräften zu hören. Freilich: Eine gesetzliche Regelung scheuen deutsche Top-Manager fast so wie der Teufel das Weihwasser.

Gehälter sollen sich mehr am Erfolg orientieren

Tatsächlich gibt es in Deutschland seit 2009 das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG). Danach sollen die Gehälter angemessen und nachhaltig ausgerichtet sein. Aber konkrete Zahlen und eine absolute Höhe werden nicht genannt. Auch der Kodex für gute Unternehmensführung (Corporate Governance Kodex) schweigt sich dazu aus. Danach sollen die Vorstandsbezüge angemessen sein und sich nach persönlicher Leistung, wirtschaftlicher Lage, Erfolg und Aussichten des Unternehmens richten und sich auch an vergleichbaren Firmen orientieren.

Viele Unternehmen behaupten, sie würden diesen Vorgaben folgen. Und die Gehälter seien schon gedeckelt, indem die Höhe der Erfolgszahlungen begrenzt sei – bei Daimler etwa auf 200 Prozent des Grundgehaltes, bei BMW ist es ein fester Betrag von 7,5 Millionen Euro. Aber nicht immer ist erkennbar, ob dies auch eingehalten wird. Was daran liegt, dass die Vergütungssysteme zum Teil kompliziert sind, weil sie sich aus sehr vielen Bestandteilen zusammensetzen.

Anteil der variablen Vergütungist in den letzten Jahren gestiegen

Tatsächlich werden die satten Millionengehälter heute nicht mehr auf einen Schlag ausgezahlt. Die Debatten der vergangenen Jahre haben zumindest in dieser Hinsicht ein Umdenken bewirkt. Bei der Deutschen Bank etwa ist der Anteil der variablen Vergütung in den letzten Jahren gestiegen. Und vom variablen Teil werden höchstens 20 Prozent sofort bar ausgezahlt. Der Rest wird zum Teil über Jahre gestreckt und wird zu einem großen Teil auch in Aktien gewährt. „Dies ermöglicht dem Aufsichtsrat, die endgültige Auszahlung großer Teile der aufgeschobenen Vergütung bei Eintritt bestimmter Ereignisse teilweise oder ganz zu unterbinden“, sagt Aufsichtsratschef Clemens Börsig. Ob dies dann letztlich in solchen Fällen auch passiert, ist eine andere Frage.

 
 

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