Machtkampf bei Opel - IG Metall legt Forderungskatalog vor

Die Gewerkschaft IG Metall sieht Opel in einer existenzbedrohenden Lage und macht sich für Beschäftigtungsgarantien stark - für alle deutschen Standorte.
Die Gewerkschaft IG Metall sieht Opel in einer existenzbedrohenden Lage und macht sich für Beschäftigtungsgarantien stark - für alle deutschen Standorte.
Foto: dpa
Die IG Metall sagt es knallhart: Opel geht es schlecht wie nie, die Lage ist existenzbedrohend. Das weiß auch das Management, das deshalb von der Belegschaft Einschnitte verlangt. Die Gewerkschaft geht nun mit eigenen Forderungen in die entscheidenden Gespräche.

Rüsselsheim/Bochum. Mit einem ganzen Strauß an Forderungen geht die IG Metall in die entscheidenden Verhandlungen zur Zukunft der deutschen Opel-Standorte. "Eine Lösung kann es nur mit schriftlich zugesicherten Standort- und Beschäftigungsgarantien geben", sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Dienstag. Zuvor hatte die Tarifkommission der IG Metall bei Opel gefordert, dass alle Standorte und eine möglichst große Zahl von Arbeitsplätzen über 2016 hinaus gesichert werden müssten, um den Produktions- und Entwicklungsstandort Deutschland langfristig zu erhalten.

Opel steht nach Überzeugung der Gewerkschaft noch näher am Abgrund als bisher angenommen. "Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist so schlecht wie noch nie und hat existenzbedrohende Ausmaße angenommen", schreibt die Tarifkommission in ihrer Resolution vom Dienstag. Angesichts historisch niedriger Marktanteile seien die Werke in Europa nur zur Hälfte ausgelastet. Die Adam Opel AG sei finanziell komplett von der US-Mutter General Motors (GM) abhängig. Und die ziele offensichtlich darauf ab, Produktionsarbeitsplätze in Billiglohnländer zu verlagern.

IG-Metall fordert Beschäftigungssicherung an allen Opel-Standorten

Deshalb fordert die Tarifkommission unter anderem eine Beschäftigungssicherung an allen Standorten bis mindestens Ende 2016, eine Finanzierungszusage durch GM sowie konkrete Garantien, die alle Standorte und eine möglichst große Zahl an Arbeitsplätzen über 2016 hinaus sichern sowie den Produktions- und Entwicklungsstandort Deutschland langfristig erhalten. Diese Garantien müssten durch Investitionszusagen hinterlegt werden.

Die Sorge der Arbeitnehmervertreter: "Kurzfristig sind vor allem die Kolleginnen und Kollegen am Standort Bochum betroffen - mittelfristig ist kein Standort gesichert." Für keinen der Produktionsstandorte bestünden konkrete belastbare Zusagen, die eine ausreichende Auslastung auch nur mittelfristig sicherstellten.

Zudem gebe es Pläne, den Werkzeug- und Prototypenbau in Deutschland mittelfristig abzuwickeln, mehrere Hundert Arbeitsplätze seien konkret bedroht. Auch dem Entwicklungszentrum in Rüsselsheim drohten etwa wegen der Entwicklungskooperation mit PSA Peugeot-Citroen Kompetenzverluste, die sich mittelfristig auch auf die Beschäftigung auswirken könnten, fürchtet die IG Metall.

Gespräch mit Opel-Führung kommen nicht voran

Seit Juni verhandeln Unternehmen, Betriebsrat und Gewerkschaft über Wege, den kriselnden und seit Jahren defizitären Autobauer wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Die Geschäftsführung will von 2013 bis 2015 die Fixkosten um weitere 500 Millionen Dollar (375 Millionen Euro) senken. Im Gegenzug würde der Standortsicherungsvertrag, der Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 ausschließt, bis 2016 verlängert.

Doch die Gespräche kommen nicht voran, die Fronten sind verhärtet und der Ton wird immer rauer. Kürzlich stellte Opel-Aufsichtsratschef Steve Girsky deshalb ein Ultimatum: Wenn bis Februar keine Einigung gelingt, werde die Autoproduktion in Bochum Ende 2014 auslaufen statt zwei Jahre später auslaufen. Unter anderem forderte: "Solange wir Verluste erzielen, können wir uns beispielsweise keine Tariferhöhungen leisten." (dpa)

 
 

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