Lokführer und Piloten - Wie Streiks das Reisefieber dämpfen

Leere Check-In-Schalter am Flughafen Köln/Bonn sind eine der Folgen des aktuellen Pilotenstreiks bei Germanwings.
Leere Check-In-Schalter am Flughafen Köln/Bonn sind eine der Folgen des aktuellen Pilotenstreiks bei Germanwings.
Foto: dpa
Ob Piloten, Flughafenpersonal oder Lokführer: Arbeitskämpfe gehören in der Tourismusbranche längst zum Alltag. Streiks bei der Bahn ab Mittwoch möglich.

Essen.. Reisen – das ist heutzutage nichts für schwache Nerven. Jedenfalls gilt das für Streikzeiten. Und die scheinen aus Sicht vieler Bahn- und Flugreisenden inzwischen an der Tagesordnung zu sein.

Ob Piloten, Flugpersonal oder Lokführer – stets ist es eine kleine Gruppe, die mit ihrem Ausstand große Wirkung erzielt. Die Tourismusbranche stellt sich auf die neue Unwägbarkeit im Reisegeschäft mehr und mehr ein. Ein Überblick.

Bei der Deutschen Bahn (DB) drohen wieder Streiks. Am kommenden Mittwoch wird die Tarifkommission der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) darüber entscheiden. Am Dienstagabend hatte die Gewerkschaft Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern für gescheitert erklärt. „Die DB hat eine unglaublich Rolle rückwärts hingelegt“, kritisiert GDL-Chef Claus Weselsky.

Das Unternehmen weist die Schuld von sich. „Die GDL verweigert sich grundlos“, sagt DB-Personalvorstand Ulrich Weber. Auch die Nerven von Flugreisenden werden wieder strapaziert. Bei der Lufthansa-Tochter Germanwings wird seit Donnerstagmorgen gestreikt. Die Piloten wollen auch am Freitag die Arbeit niederlegen.

Bei dem seit Monaten schwelenden Streit zwischen Lokführern und DB geht es nur in zweiter Linie um Entgelte und Arbeitszeiten. Kern des Konfliktes ist immer noch die Frage, ob die GDL ihr Verhandlungsmandat auf weitere Berufsgruppen wie die Zugbegleiter oder die Beschäftigten in den Bistros ausweiten kann. Da es bereits eine Urabstimmung über den Arbeitskampf gegeben hat, kann die Gewerkschaft den Zugverkehr jederzeit wieder zum Ruhen bringen.

80 Flüge gestrichen

Ab kommender Woche müssen sich die Fahrgäste also wieder auf Beschwerlichkeiten bei der Reise einstellen. Wichtig für die Rhein-Ruhr-Region: Die Karnevalstage bleiben streikfrei. Das versicherte der NRW-GDL-Vorsitzende Sven Schmitte unserer Redaktion. Ansonsten droht Bahnreisenden Ungemach.

Schmitte: „Der nächste Streik wird sicher die Länge des letzten haben.“ Der jüngste Ausstand der Lokführer im November dauerte nahezu vier Tage. Seit Beginn des Tarifkonflikts im September hat die GDL bisher sechsmal zu Streiks aufgerufen.

Der Pilotenstreik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings hat an den NRW-Flughäfen Wirkung gezeigt – vor allem in Köln und Düsseldorf: Mehr als 80 Flüge in NRW strich Germanwings am Donnerstag, darunter 40 Starts und Landungen am Flughafen Köln/Bonn und 44 in Düsseldorf.

Chaos an den Terminals blieb aber aus. Der Sprecher der Airline riet Reisenden, im Internet zu prüfen, ob ihre Verbindung ausfällt. Für Freitag hat Germanwings erneut rund 80 Flüge gestrichen. Anlass für den Streik sind ungelöste Fragen bei der Übergangsversorgung der Piloten.

Lufthansa elf Mal bestreikt

Der aktuelle Tarifkonflikt mit der Pilotenvereinigung Cockpit setzt der Lufthansa zunehmend zu. Seit Beginn der Auseinandersetzung im April 2014 bestreikten die Piloten Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings insgesamt elf Mal. Fast 7400 Flüge fielen aus, 850.000 Passagiere waren betroffen. Der Konzern beziffert den Schaden auf bislang 200 Millionen Euro.

Die Reisebranche hat sich auf Arbeitskämpfe besonders im Luftverkehr längst eingestellt. „Auswirkungen möglicher Streiks einzukalkulieren, gehört in der Branche – anders als früher – dazu“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Berlin dieser Zeitung. Für den Düsseldorfer Reisekonzern Alltours bedeuten Streiks im Luftverkehr „natürlich Mehrarbeit“, so Unternehmenssprecher Stefan Suska. Reisende müssten informiert, betreut und im Zweifel per Bus zu einem anderen Flughafen gebracht werden. Suska: „Das ist für uns aber längst Routine.“

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