Lidl-Chef knallhart: Dieser Discounter wird nicht überleben

Lidl-Chef Gehrig spricht erstaunlich offen über die Konkurrenz und spricht einen Dank an Aldi aus.
Lidl-Chef Gehrig spricht erstaunlich offen über die Konkurrenz und spricht einen Dank an Aldi aus.
Foto: Matthias Balk/dpa
  • Klaus Gehrig, Chef der Schwarz-Gruppe und Vorstandsmitglied von Lidl und Kaufland, mit erstaunlich offenen Aussagen
  • Er kritisiert die Konkurrenz teils scharf, bedankt sich jedoch bei Aldi
  • Erstmals spricht er über Umsatzeinbußen, die dem Unternehmen durch „Lidl.de“ entstanden sind

Heilbronn. Ungewohnt offen hat Lidl-Chef Klaus Gehrig in einem Vortrag vor Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg gesprochen. Gehrig leitet die Schwarz-Gruppe und sitzt im Vorstand von Lidl und Kaufland.

Er sprach über die Konkurrenz und bedankte sich ausgerechnet beim ärgsten Konkurrenten Aldi.

Lidl-Chef sieht in Russen-Discounter Mere keine Konkurrenz

Dem neuen Russen-Billigdiscounter Mere kündigte er keine großartige Zukunft an: „Momentan sieht das nicht nach etwas Langlebigem aus.“ Seit Anfang November hat Mere eine erste Filiale in Leipzig eröffnet. Das Konzept: Die Ware liegt lose in Kartons auf Paletten, das Sortiment ist sporadisch. Weitere Läden sollen im Frühjahr 2019 in Chemnitz und Zwickau folgen.

Wie Chip berichtet, glauben die Lidl-Experten nicht an das Billig-Konzept. Mere bräuchte mindestens 100 Filialen um profitabel zu sein - sonst werfe das russische Unternehmen keinen Umsatz ab. Daher sei der neue Discounter keine Konkurrenz für Aldi und Lidl, so Gehrig in seinem Vortrag: „Wir können nicht erkennen, dass der Discounter uns Umsatz gekostet hat.“

Mere hatte da angesetzt, wo Discount-Pionier Aldi einst begann. Wenige Waren, die schmucklos auf Paletten gestapelt in der Filiale stehen.

Kritik an Amazon und Alibaba

Noch härter geht er mit den Online-Riesen Amazon und Alibaba ins Gericht. Ihren Einfluss auf dem deutschen Markt sieht er sehr kritisch: „Amazon macht alles platt, wenn wir es zulassen.“ Beide Unternehmen drücken die Lohnkosten massiv, zitiert Chip das Vorstandsmitglied.

Lidl hingegen habe sich entschieden, das Einstiegsgehalt auf 2000 Euro anzuheben. Zusätzlich setzt der Discounter auf einen erhöhten Mindestlohn. Gehrig fordert diese Maßnahmen im gesamten deutschen Einzelhandel.

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Online-Shop gefloppt: „Uns läuft das ja nicht davon“

Erstaunlich sind die Aussagen des Managers über den eigenen Online-Shop „Lidl.de“. Dort konnten Kunden Lebensmittel bestellen, mittlerweile ist die Testphase jedoch abgelaufen. Die nüchterne Bilanz: Umsatzeinbußen von 250 bis 300 Millionen Euro. Gehrig gibt nach einer mehrjährigen Testphase zu: „Wir hätten uns auf eine Stadt konzentrieren müssen, statt in immer mehr Märkten zu starten.“

Ob Lidl irgendwann wider online Ware verkaufen möchte? „Uns läuft das ja nicht davon.“

Dank an den Erzrivalen Aldi

Über einen der ärgsten Konkurrenten, Aldi Süd und Nord, sprach er ebenfalls erstaunlich offen. So habe er sich Sorgen gemacht, als der deutsche Marktführer in das Geschäft mit Markenartikeln eingestiegen sei. Anfang 2005 bieten die Unternehmen aus Essen und Mülheim Markenartikel an - seit Anfang 2019 gibt es sogar Preisnachlässe für diese Produkte.

Dennoch habe Lidl die geänderte Aldi-Strategie kaum Umsatzeinbußen eingebracht. Im Gegenteil: Gehrig ist dem Erzrivalen sogar dankbar: „Wenn es Aldi nicht gäbe, wäre Lidl eingeschlafen.“ Vielmehr nannte er Aldi einen Investitionstreiber.

Übernahme mehrere Real-Filialen geplant

Offiziell kündigte er erstmals die Übernahme mehrerer Real-Filialen an. Die Schwarz-Gruppe plane, bis zu 100 Läden zu übernehmen. Dort sollen Kaufland-Läden Einzug erhalten. Somit wäre Real komplett vom Markt.

Real gehört zur Metro Gruppe. Seit vergangenem Jahr möchte der Düsseldorfer Konzern die Real-Märkte verkaufen. (mb)

 
 

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