Krise führt zu historischem Konjunktureinbruch

Berlin. Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Deutschland zu einem historischen Konjunktureinbruch geführt. Experten zufolge wird die konjunkturelle Talfahrt in diesem Jahr anhalten.

Die weltweite Wirtschaftskrise hat in Deutschland zu einem historischen Konjunktureinbruch geführt. Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember unerwartet deutlich um 2,1 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in einer Schätzung mitteilte. "Das war der größte Rückgang gegenüber einem Vorquartal im wiedervereinigten Deutschland", hieß es. Der bisherige Negativrekord lag bei minus 1,2 Prozent im ersten Quartal 1993. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang von 1,8 Prozent gerechnet.

Die Konjunktur brach am Jahresende auf breiter Front ein. Exporte und Investitionen gingen spürbar zurück. "Auch die Konsumausgaben waren geringfügig geringer als im dritten Quartal", hieß es. Außerdem produzierten die Unternehmen wegen des sinkenden Absatzes verstärkt auf Halde: Der Lageraufbau sei "deutlich" gestiegen, hieß es.

Kein schnelles Ende der Talfahrt in Sicht

Experten zufolge wird die konjunkturelle Talfahrt in diesem Jahr anhalten. "Die Leute, die da sagen, im Sommer geht es wieder aufwärts, das ist Blödsinn", sagte der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Donnerstagabend im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Er rechne zur Bundestagswahl im September mit 500.000 bis 700.000 zusätzlichen Arbeitslosen im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr. Pessimistisch äußerte sich auch der Deutschland-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels: "Im ersten und zweiten Quartal dürfte es noch einmal nach unten gehen".

Bereits im Frühjahr und Sommer 2008 war die Wirtschaftsleistung um jeweils 0,5 Prozent geschrumpft. Zu Jahresbeginn gab es dagegen ein kräftiges Plus von 1,5 Prozent. Deshalb reichte es im Gesamtjahr 2008 noch zu einem Wachstum von 1,3 Prozent. Damit bestätigte das Amt eine erste Schätzung von Mitte Januar.

Für dieses Jahr sagt die Bundesregierung die schwerste Rezession seit 1949 voraus. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach um 2,25 Prozent sinken. Einige Ökonomen halten sogar ein Minus von drei bis vier Prozent für möglich.

Der Euro geriet nach Bekanntgabe der Daten unter Druck und fiel unter die Marke von 1,29 Dollar. Auch Frankreich hatte schlechte Konjunkturdaten gemeldet. Das Bruttoinlandsprodukt sank am Jahresende um 1,2 Prozent. (rtr)

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