Kommt ein neuer Kraftwerk-Cent?

Düsseldorf..  Kohle- und Gaskraftwerken droht das Aus, neue Projekte werden auf unbestimmte Zeit verzögert – kommunale Versorger und NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) wollen Stilllegungen verhindern. Gemeinsam forderten sie gestern, dazu verstärkt den Verbraucher heranzuziehen. Knapp ein Cent zusätzlich pro Kilowattstunde Strom sollen – steuerfinanziert – in die Rettung konventioneller Kraftwerke fließen, um die Versorgungssicherheit in den nächsten Jahrzehnten garantieren zu können.

Umgerechnet, so Sven Becker, der Geschäftsführer des Aachener Stadtwerkeverbunds Trianel, entspräche dies für die Stromrechnung eines Vier-Personen-Haushalts einer Mehrbelastung von drei Euro pro Monat. „Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Modernisierung des Kraftwerksparks“, sagte er. Duin, der dadurch Mehrkosten von zwei bis sechs Milliarden Euro pro Jahr erwartet, machte sich die Forderung zu eigen. „Das müssen wir stemmen“, sagte er. Vor allem kommunale Kraftwerke dürften „nicht wegrutschen“.

„Ungezügelter Ausbau“

In Düsseldorf trafen sich Vertreter von Stadtwerken, die um ihre Rentabilität fürchten. Durch den, wie es anschließend hieß, „ungezügelten Ausbau“ der erneuerbaren Energien in den vergangenen fünf Jahren sehen sich immer mehr lokale Energieversorger in Bedrängnis. Die rund 50 Stadtwerke in NRW und die sie tragenden Kommunen machten zum Teil zweistellige Millionen-Verluste. „Die Lage ist bedrohlich“, sagte Bender.

Aus Sicht von Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) stehen viele Stadtwerke mit ihrer starken lokalen Verankerung vor einer „absurden Situation“. Sie müssten den Verbrauchern immer höhere Rechnungen stellen und gleichzeitig immer schlechtere Jahresabschlüsse vorlegen. Die Bürger seien mehrfach betroffen, da die „dramatischen“ Folgen für den Haushalt auf sie durchschlagen.

In NRW werden 40 Prozent der Energie aus fossilen Kraftwerken erzeugt und 30 Prozent des bundesweit benötigten Stroms. „Der Atomausstieg ist gewollt, aber nicht zum Nulltarif zu haben“, sagte Duin. Der geplante Ausbau der Energiegewinnung aus Sonne und Wind könne nur gelingen, wenn konventionelle Kraftwerke weiter „das Rückgrat“ der Versorgung bilden. Deshalb müssten hocheffiziente Meiler, die noch in der Finanzierungsphase seien, am Netz gehalten werden. Das neue Statkraft-Gaskraftwerk in Köln etwa sei in den letzten drei Monaten nur zwei Tage am Netz gewesen. Direkt nach der Bundestagswahl forderte Duin eine Konferenz in Berlin, um die Themen Versorgungssicherheit und bezahlbare Energiepreise „in den Griff zu kriegen“. Dabei müsse auch ein verbindlicher Ausbauplan für alle Bundesländer festgelegt werden.

 
 

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