Kommission soll Ausweg aus Großbaustellen-Chaos suchen

Bald wieder Baustelle: Der Berliner Hauptbahnhof.
Bald wieder Baustelle: Der Berliner Hauptbahnhof.
Foto: Stephanie Pilick
Damit peinliche Projekte wie Stuttgart 21, der Berliner Flughafen und die Elbphilharmonie sich nicht weiter häufen, ruft Bauminister Peter Ramsauer von der CSU eine Reformkommission ins Leben. Dass diese ihr Ziel erreicht, scheint allerdings fraglich. Und fast zeitgleich wurde die nächste Panne bei einem Großbauprojekt bekannt.

Berlin.. Pleiten, Pech und Pannen begleiten öffentliche Bauvorhaben seit Jahrzehnten. Damit soll bald Schluss sein, hofft Bauminister Peter Ramsauer (CSU). Fast zeitgleich mit der Meldung, dass die Berliner Stadtbahn drei Monate lang für die Beseitigung von Baumängeln am Hauptbahnhof geschlossen werden muss, rief der Minister eine Reformkommission ins Leben. Sie soll in den nächsten 18 Monaten ein Handbuch für Prestigebauten ausarbeiten. Ziel sei, „dass Großprojekte nicht mehr außer jeden Zeit- und Kostenrahmen geraten“, so Ramsauer.

Sanierung kostet 25 Millionen Euro

Das jüngste Problem stellte die Bahn am erst 2006 eröffneten Berliner Hauptbahnhof fest. Die Brückenkonstruktion der Station hält der Belastung nicht stand. 25 Millionen Euro muss die Bahn ausgeben, um das untaugliche Material auszutauschen. Die Folgen sind für die Fahrgäste deutlich spürbar. Wenn die Arbeiten 2015 in Angriff genommen werden, wird die zen­trale Stadtbahn für drei Monate für den Fern- und Regionalverkehr vom Netz genommen.

Die ICE aus dem Westen des Landes werden in den unterirdischen Teil des Bahnhofs umgeleitet. Wer weiter will, muss in die S-Bahn umsteigen. Über die Schuldfrage an der offenkundigen Fehlplanung beim Material will sich die Bahn nicht äußern. Aber die Garantiefristen für die betroffenen Teile der Konstruktion dürften ohnehin abgelaufen sein.

„Das kann so nicht weitergehen“, stellt Ramsauer fest. Es sind jedoch Zweifel erlaubt, ob die neue Kommission mit ihrer Arbeit kostspieligen Flops ein Ende bereiten kann. Denn die Gründe für verfehlte Zeitplanungen und explodierende Kosten sind vielfältig. Das zeigen die aktuellen Beispiele Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie oder Großflughafen Berlin.

Ungenügende Vergabepraxis und fehlende Kooperation sind Hauptprobleme

Eine Erklärung liefert der Präsident des Hauptverbands der Bauindustrie, Thomas Bauer. Früher habe der Bau im Zentrum der Planung gestanden und die Technik des Gebäudes sich den Vorgaben angepasst. „Heute sind Großprojekte komplexe Systeme mit vielen Schnittstellen“, erläutert Bauer.

Da die Beziehungen zwischen Bauherren und ausführenden Firmen immer mehr verrechtlicht worden seien, sehe jeder nur auf den eigenen Vorteil. So sieht Bauer eine Lösung in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit der Beteiligten. Die oft fehlende Kooperation ist aber nur Teil des Problems. Schwer wiegt nach Ansicht von Fachleuten auch eine ungenügende Vergabepraxis.

Zweifel am Erfolg

Zurückhaltend äußern sich die Kommissionsmitglieder über die Politik, die einerseits unrealistische Kostenansätze in die Öffentlichkeit bringt, um die Akzeptanz für ihre Vorhaben zu erhöhen, andererseits mit mannigfaltigen Änderungswünschen die Kosten in die Höhe treibt und am Ende anderen die Schuld dafür zuweist. Die Expertenrunde soll nun dieses Problemgestrüpp lichten.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), Reinhard Wagner, zweifelt am Erfolg. „Ein Leitfaden ist meiner Ansicht nach zu wenig“, sagt er und verweist auf Länder wie England oder Indien, in denen Regierungsstellen nur für die Verbesserung des Projektmanagements der öffentlichen Hand eingerichtet wurden. „Das fände ich auch bei uns nötig“, sagt Wagner.

 
 

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