Köln sagt Fernbussen den Kampf an - Rausschmiss aus City

In Essen müssen Fernbus-Reisende, die sich mit dem Taxi zur Haltestelle bringen lassen, mit ihren Koffern über die Straße laufen, bevor sie die Busse erreichen.
In Essen müssen Fernbus-Reisende, die sich mit dem Taxi zur Haltestelle bringen lassen, mit ihren Koffern über die Straße laufen, bevor sie die Busse erreichen.
Foto: Stefan Arend / Funke Foto Services
Die Stadt Köln geht rabiat mit dem boomenden Fernbus-Verkehr um. Sie wirft ihn aus der Innenstadt. Reaktion auf die Maßnahme ist nicht weniger heftig.

Essen. Schlag für den Fernbus-Verkehr: Die beliebten Billig-Busse werden die Kölner Innenstadt nicht mehr anfahren können. Nach dem gerichtlich bestätigten Verbot, am Hauptbahnhof zu halten, planen Fernbus-Betreiber den Umzug nach Leverkusen oder Düsseldorf.

Klar ist: Der Fernbusbahnhof am Breslauer Platz unter den Türmen des Doms war immer ein Problem. Da ist die Enge, in der sich MeinFernbus, Megabus und Postbus beim Halten drängeln müssen. Da hat es auch schon ramponiertes Blech gegeben.

Gültige Konzessionen für die Innenstadt bis 2023

Jetzt aber droht der Totalschaden. Die Stadt Köln hat vor dem Verwaltungsgericht durchgesetzt, dass die Fernbusse vom Hauptbahnhof und auch am Haltepunkt Gummersbacher Straße verschwinden, obwohl sie gültige Konzessionen für die Innenstadt teilweise sogar bis 2023 haben. Schon ab November sollen sie nur den Kölner Flughafen anfahren dürfen. Von dort aus heißt es für die Buskundschaft: Umsteigen auf die S-Bahn S 13 oder den Regionalexpress. Das treibt natürlich gerade für die Reisenden mit schmalem Geldbeutel die Tarife hoch.

Die Busanbieter reagieren erwartungsgemäß empört. „Das ist eine mutwillige Störung des Linienverkehrs“, schimpft der bundesweite Marktführer MeinFernbus. Er zieht als erster die Notbremse. Die Gesellschaft will Köln ab dem 28. Oktober boykottieren. Ihre Verbindungen sollen künftig in Düsseldorf oder Leverkusen halten. Nach einer guten Portion Galgenhumor klingen die Stationsnamen, die die Geschäftsführung für die neuen Anfahrpunkte erwägt: Klein-Köln oder Alt-Köln.

Im Ruhrgebiet ist der Ärger eher verhalten

Die Verwaltung der Domstadt verteidigt die Schließung des Omnibusbahnhofs am Breslauer Platz. Nicht nur städtebaulich habe man Neues vor, zum Beispiel mehr Platz für Taxen und Kurzparker zu schaffen. Die Zahl der Unfälle an der Bushalte habe auch zugenommen. „Sicherheitsbedenken“ sprächen gegen einen weiteren Betrieb. Der Haltepunkt Flughafen, so folgte das von vier Busbetrieben angerufene Verwaltungsgericht der Rathaus-Argumentation, sei „angemessen“. Die Busfirmen behalten sich weitere rechtliche Schritte vor.

Auch in anderen Städten schwelt Ärger um die Bushaltestellen. Im Ruhrgebiet ist er aber eher verhalten. In Essen zum Beispiel müssen Fernbus-Reisende, die sich mit dem Taxi zur Haltestelle bringen lassen, mit ihren Koffern über die breite Krupp-Straße 50 Meter laufen, bevor sie die Busse erreichen. Das hat zu Beschwerden geführt. Die Stadt sieht hier keine andere Möglichkeit.

In Duisburg kam es zu einer monatelangen Rangelei. Jetzt ist aber klar, dass der Busbahnhof am Hauptbahnhof in etwa dort (an der Mercatorstraße) bleibt, wo er bisher war. In Dortmund wurden die Fernbus-Stopps auf die Nordseite des Hauptbahnhofs verlegt. Der Grund: Man brauchte den alten Platz für das neue Fußball-Museum.

Fernbusse befördern an die 20 Millionen Kunden im Jahr

Die Zulassung der Fernbusse hat seit der Privatisierung von 2011 alle Erwartungen in den Schatten gestellt. Bundesweit gibt es 264 Linien. Sie befördern schon an die 20 Millionen Kunden im Jahr. Busbenutzer sind vor allem junge Fahrgäste oder viele mit Migrationshintergrund. Denn die Touren sind preiswert, teilweise schon für 9 Euro auf der Fernstrecke zu haben.

Politisch brisant sind aber die Strecken von Stadt zu Stadt, auf denen die Busse den staatlich finanzierten Regionalbahnen Konkurrenz machen – wie Hamburg-Bremen, Frankfurt-Mainz oder bisher Dortmund-Köln. Denn dort rollen sie schon vielfach für fünf Euro. Kein RE-Ticket (Dortmund-Köln 23,30 Euro) kann da mithalten.

Bundesweit gilt das als Problem. Die Bahn rund um München, die die Konkurrenz vor allem auf Voralpenstrecken fürchtet, hat schon heimlich Zählungen veranstaltet. Die Bahnen können aber wenig machen: Nach dem Gesetz ist es Fernbussen nur verboten, Strecken unter 50 Kilometer zu bedienen.

Zwischen 15 und 30 Prozent der Fernbus-Kunden gelten als frühere Regionalbahn-Reisende, haben Untersuchungen festgestellt.

 
 

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