Veröffentlicht inWirtschaft

Kleinste Teile für die kleine Nische

109782893.jpg
Foto: Ted Jones/WP
  • Gummiformartikel von Lübke & Vogt aus Sundern erobern den Weltmarkt.
  • Das Unternehmen ist die Nummer 154 auf der Liste der „Hidden Champions“ aus Südwestfalen.
  • 3000 verschiedene Rezepturen im Bestand.

Sundern. 

Was haben ein Telefon und ein Heizungsventil, eine Küchenschublade und ein Schminkstift, ein Lichtschalter und eine Rasierschaumdose gemeinsam? In vielen Fällen ein Stück Gummi von Lübke & Vogt. Das Familienunternehmen aus Sundern ist Weltmarktführer für kleine technische Gummiformteile in großen Serien.

Klein heißt: Irgendwo zwischen Stecknadelkopf und Streichholzschachtel. Und große Serien heißt: 50 Millionen Kugeln für einen Schminkstift, 130 Millionen Schutzkappen für einen Elektroschalter, anderthalb Milliarden Teile insgesamt. Pro Jahr. Und jedes Jahr werden es mehr.

Heimlich und führend

„Hidden Champions“ oder „heimliche Weltmarktführer“ nennen die drei südwestfälischen IHKs, die Unternehmen, die sie seit 2013 auf einer Liste zusammenfassen. Lübke & Vogt ist die Nummer 154 und einer der heimlichsten und zugleich führendsten Mittelständler in diesem respektablem Umfeld. Heimlich heißt: Der Verbraucher kennt den Namen nicht. Und führend heißt: Man liefert aus dem Sauerland in mehr als 45 Länder, auch nach Asien.

Das liegt zum Teil daran, dass beispielsweise Braun die Produktion der Elektrozahnbürsten nach Schanghai verlagerte und in China keine Gummiteile in vergleichbarer Qualität fand. Und es liegt daran, so formuliert es Mitinhaber Josef Lübke, „dass sich ein Schuhkarton leichter verschicken lässt als eine Europalette“. Deshalb kann man es sich leisten, komplett in Sundern-Stemel zu produzieren, auf einem Firmengelände, das ständig um Neubauten erweitert wird. Man will in der Heimat bleiben, auch deshalb, „weil wir unser Know-how nicht offenbaren wollen“, sagt Geschäftsführer Dominik Vielhaber.

Das Know-how ist natürlich die Basis des Erfolgs. Vielhaber führt ein Beispiel vor: zwei identisch aussehende Gummibälle. Einer hüpft: ein Flummi. Der andere bleibt liegen. „Wenn Sie einen Puffer in das Schloss einer Autotür einbauen, soll der dafür sorgen, dass die Tür zu bleibt und nicht wieder aufspringt“, erläutert er den Nutzen. Und das bei 40 Grad minus und 80 Grad plus. Dazu braucht es die richtige Gummimischung. Vielhaber: „Wir haben 750 Rezepturen, die ständig laufen, einen Bestand von 3000 und entwickeln ständig neue.“ Bis die richtige Mischung gefunden und getestet ist, kann bisweilen ein Jahr vergehen. Zugleich muss möglichst schnell auf Kundenwünsche reagiert werden, auch schon mal am Wochenende.

Je kleiner, desto besser

„Manche Hersteller sagen: ,So kleine Teile lohnen sich nicht’“, berichtet der Geschäftsführer. „Wir dagegen sagen: ,Je kleiner, desto besser.’“ Und zugleich konzentriert man sich bei Lübke & Vogt immer mehr auf das, was man am besten kann. Mit offensichtlichem Erfolg: „Unsere Nische wird immer kleiner, und wir werden immer größer“, ist Dominik Vielhaber stolz.

Fahrradpumpe und Badarmatur, Kabelschutz und der Autoscheinwerfer, Lagerdichtung und Benzinpumpendämpfung: „Jeder Deutsche hat jeden Tag mit zehn Teilen von uns zu tun“, sagt Vielhaber. Es gibt kein Entkommen vor den kleinen Gummis von Lübke & Vogt.