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„Kinder sind Opfer“ des Warnstreiks in NRW – Eltern schimpfen über Verdi

Am Mittwoch will Verdi in NRW im öffentlichen Dienst streiken. Auch Kitas sind von dem Streik betroffen. Deshalb fordern Elternräte, in jeder Tagesstätte eine Notgruppe einzurichten. Die Gewerkschaft Verdi entgegnet: „Unser Ziel ist es, Druck zu machen, und nicht, Eltern und Kinder zu treffen.“

Essen. 

Kurz vor einem zweiten Warnstreik in NRW befürchten Eltern, dass die Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst zunehmend auf dem Rücken der Kita-Kinder ausgetragen wird. „Wir appellieren an beide Tarifpartner, zu einer schnellen Einigung zu kommen“, sagt Anke Bohlander, Vorsitzende der Landeselternbeirates NRW, der WAZ-Mediengruppe. Zwar seien Verständnis und Solidarität für die Streikenden groß, „doch man kann Kinder nicht an die Straße stellen und drei Tage stehen lassen“, sagt Bohlander in Anspielung auf die ebenfalls große Streikbereitschaft bei den Müllabfuhren. Sie bedankt sich ausdrücklich bei den Erzieherinnen, die wenigstens in einzelnen Kitas die Betreuung in Notgruppen aufrecht hielten.

Die Eltern der Dortmunder Kindertagesstätte Kuithanstraße haben inzwischen ein Positionspapier gegen „die Aussperrung unserer Kinder im Rahmen des Streiks“ erstellt. Sie fordern, während der Streiktage in jeder Kita eine Notgruppe einzurichten.

„Eltern und Kinder tragen alleine den Druck“

Bei Verdi will man von Notgruppen nichts wissen, schon gar nicht, wenn es im Falle der Warnstreiks nur um einzelne Tage gehe. „Unser Ziel ist es, Druck zu machen, und nicht, Eltern und Kinder zu treffen“, sagt Uli Dettmann, stellvertretender Bezirksleiter von Verdi NRW.

Dies sehen die Dortmunder Eltern ganz anders. „Streiken die Erzieherinnen, tragen Kinder und Eltern alleine den emotionalen und finanziellen Druck“, sagt Ingo Schwenken vom Elternrat der Kita Kuithanstraße. Er wirft Verdi vor, die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ zu verhindern.

Wo bleibt die gesellschaftliche Verantwortung?

Ähnlich äußert die Vorsitzende des Stadtelternrates Bochum, Yasemin Doganay-Domnik. Der Streik treffe vor allem berufstätige Väter und Mütter. Richtung Verdi sagte sie, es gehe nicht nur darum, seine Rechte zu erkämpfen, sondern auch „um eine gesellschaftliche Verantwortung.“

Zwischen Verdi und den kommunalen Arbeitgebern sind die Fronten verhärtet. Während die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Lohn fordert oder mindestens 200 Euro, bieten die Arbeitgeber 3,3 Prozent an. Für Mittwoch hat Verdi noch einmal zu Streiks aufgerufen. Betroffen sind neben den Kitas der ÖPNV, die Stadtverwaltungen oder auch die Theater. Verdi-Sprecher Günter Isemeyer rechnet mit deutlich mehr als 55 000 Streikenden. Der stellvertretende Bezirkschef Dettmann warnt: „Wenn die Arbeitgeber bis Ende des Monats kein besseres Angebot machen, wird es zur Urabstimmung kommen.“