Katzenfell in Bommelmützen bei Müller und Tom Tailor?

Stephan Happel
Die Bommeln einiger in Deutschland verkaufter Wintermützen sollen aus Katzenfell bestehen.
Die Bommeln einiger in Deutschland verkaufter Wintermützen sollen aus Katzenfell bestehen.
Foto: Joachim Kleine-Büning / WAZ FotoPool
Tierhaar statt Kunstpelz. Deutschlandweit sind offenbar Wintermützen mit echtem Katzenfell aus Asien verkauft worden. Das haben Untersuchungen der Tierschutzorganisation "Animals Liberty" ergeben. Betroffen sind Produkte der Drogeriemarkt-Kette "Müller" und des Unternehmens "Tom Tailor".

Essen. Dieser Fund lässt den Tierschützern die Haare zu Berge zu stehen. In den Bommeln von Wintermützen in deutschen Läden wurde laut Tierschutzorganisation "Animals Liberty" Katzenfell entdeckt. Dabei waren die Kopfbedeckungen klar als Kunstpelz ausgezeichnet. Betroffen sind einige Artikel von Modehersteller "Tom Tailor" und der Drogeriemarkt-Kette "Müller".

Zur Untersuchung der Mützen haben die Tierschützer zwei Gutachten in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis ist für "Animals Liberty" eindeutig: "Die mit ‚100 Prozent Polyester, Kunstfell bitte separat waschen’ gelabelte Mütze von "Tom Tailor" hat 100 Prozent Tier im Bommel, genau wie die Mütze der Drogerie "Müller" zum Preis von 9,95 Euro, die lediglich mit ‚100 Prozent Polyacryl deklariert war’." Das Fell stammt laut der Tierschutzorganisation aus China. Dort werden Tiere unter teils schlimmen Bedingungen für den Textilhandel gezüchtet.

Verstoß gegen EU-Recht

Für die Tierschützer ist die falsche Etikettierung ein Skandal: "Damit verstoßen die beiden Unternehmen gegen das seit 1.1.2009 geltende EU weite Importverbot für Haustierfelle", heißt es in der Stellungnahme.

Die falsche Auszeichnung kann für einige Kunden nicht nur unangenehm sein, sondern könnte im schlimmsten Fall auch Folgen für die Gesundheit haben. Schon kleine Spuren Katzenhaare könnten laut dem Verein Deutsche Haut- und Allergiehilfe bei Allergikern Reaktionen hervorrufen.

Mützen nicht mehr im Handel

Die betroffenen Unternehmen haben sich nach Bekanntwerden der Gutachten bei ihren Kunden entschuldigt. So versichert das Unternehmen "Tom Tailor" auf seiner Facebook-Seite normalerweise keinen Echtpelz zu verwenden, räumt aber weiter ein: "Entgegen unserer Regel war dies bei einer Mütze aus unserer Winterkollektion leider nicht der Fall." Das Unternehmen hat die Mützen bis auf weiteres aus den Regalen entfernt.

Auch die Drogeriekette "Müller" gesteht die falsche Kennzeichnung ein, beteuert aber, die Kunden „keinesfalls bewusst“ getäuscht zu haben. „Wir haben die Mützen vorsorglich aus dem Handel genommen“, versichert eine Unternehmenssprecherin. Verunsicherte Kunden könnten die gekauften Mützen zurückgeben. Den Vorwürfen geht die Drogeriekette nun mit eigenen Untersuchungen im Labor nach.

Auch "Tom Tailor" untersucht die eigenen Produkte. Bis das Ergebnis dieser Untersuchung vorliegt, will sich das Unternehmen zur Herkunft des beanstandeten Echtpelzes nicht äußern. Beide Unternehmen überprüfen zurzeit ihre Lieferantenkette auf Fehler.