Duisburg

Ivana, die deutsche Kämpferin

Duisburg.  Als sie ging, als sie aufbrach in den Krieg, da schwärmte sie davon, ein Teil der Revolution im syrischen Rojava zu werden. „Ich werde erfahren, wie es sich anfühlt, eine Waffe in der Hand zu haben... Ich werde das Leben anders spüren, intensiver und geordneter.“ Ivana Hoffmann, die junge Frau aus Duisburg, wurde gerade einmal 19 Jahre alt. Es heißt, sie sei die erste Deutsche, die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat getötet wurde.

Sie starb am Samstag, um 3 Uhr in der Früh, im nordostsyrischen Til Temir, wo es seit Wochen immer wieder zu heftigen Gefechten zwischen Kurden und dem IS gekommen war, nachdem die Extremisten dort mehrere christliche Dörfer eingenommen haben sollen. Die kommunistische Partei MLKP aus der Türkei bestätigte gestern auf ihrer Internetseite den Tod der jungen Frau, die bis zum vergangenen Jahr die zwölfte Klasse der Aletta-Haniel-Gesamtschule in Duisburg-Ruhrort besuchte. Sie sei eine sehr nette Schülerin gewesen, bestätigte gestern eine Mitarbeiterin der Schule dieser Zeitung.

Auf einem Youtube-Video kann man sie noch in voller Kampfmontur erleben. Ein Sturmgewehr in der Rechten, ein tarnfarbenes Tuch so eng um den Kopf geschlungen, dass nur noch schmale Schlitze für die Augen bleiben. Hinter ihr eine karge, beinahe unbewohnte Landschaft. „Wir sind hier an der Front von Serehaniye“, sagt sie mit heller Mädchenstimme, und ihre Hand weist in die Ferne. „Wir sind seit einer Woche hier. Ich habe mich den Einheiten angeschlossen, weil man hier für Menschlichkeit kämpft. Für die Freiheit. Rojava ist unsere Hoffnung.“

Sehnsuchtsort Rojava

Rojava scheint tatsächlich ein Sehnsuchtsort für die junge Linke aus Duisburg gewesen zu sein. Rojava, jener Ort im Norden Syriens, in dem Kurden eine Art Rätedemokratie aufgebaut haben sollen. Kurden und Kurdinnen, genauer gesagt, denn die Frauen scheinen hier an dem Kampf stark beteiligt. So auch Ivana Hoffmann, die sich den Codenamen Avasin Tekosin Günes gab. Die Tochter eines Afrikaners und einer Deutschen scheint schon früh Kontakte in die linke Szene Duisburgs aufgenommen zu haben.

„Unsere Genossin hat mit jungen Jahren unsere kommunistische Jugend kennengelernt und in ihrer Stadt aktive Aufgaben angenommen.“ Weiter schreibt die MLKP auf ihrer Internet-Seite: „Sie war eine Kommunistin, die in die Freiheit verliebt war... Sie sprach türkisch und kurdisch.“ Sie habe daran geglaubt, dass die Revolution in Rovaja ein Beispiel für die Region werden könnte.

Und Ivana Hoffmann soll nicht die erste sein, die in Duisburg aufwuchs und im syrischen Bürgerkrieg getötet wurde. Am 6. Oktober soll bei der Verteidigung der Stadt ein junger Mann namens Suphi Nejat Agirnasli gestorben sein.

Es heißt, er habe einige Zeit das Clauberg-Gymnasium in Duisburg besucht. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Es ist egal, wo man geboren ist, ob in Söke, einer Stadt in der Türkei, oder in Duisburg..., ich bin ein Mensch und möchte als ein solcher behandelt werden. Mein einziger Wunsch war es, nie erwachsen zu werden...“

In Duisburg wurde für Samstag in einem türkischen Hochzeitssaal zu einer Gedenkfeier für Ivana Hoffmann aufgerufen.

 
 

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