Insolvenzverwalter fordert zehn Millionen von Kettler-Erbin

Foto: dpa

Arnsberg/Ense.  Zehn Millionen Euro Schadensersatz fordert der Insolvenzverwalter Christopher Seagon von Karin Kettler, Erbin des Kettler-Konzerns mit Sitz in Ense. Sie soll 2010 als Geschäftsführerin der Kettler-Tochter MWH (Metallwerk Helmstadt) Zahlungen in Millionenhöhe veranlasst haben, obwohl das Unternehmen bereits zahlungsunfähig gewesen sein soll. Am Donnerstag fand nun der erste Termin vor der 4. Zivilkammer des Landgerichts in Arnsberg statt.

Die Klage wurde vor eineinhalb Jahren eingereicht. Vorweg: Eine Entscheidung gab es in dem komplexen Fall nicht. Karin Kettler, die mittlerweile wieder in Ense lebt, war selbst nicht anwesend, sie ließ sich vom Münchner Rechtsanwalt Christoph Schotte vertreten.

Die Klage

Die Kettler-Tochter MWH (Metallwerk Helmstadt) meldete im September 2010 Insolvenz an. Zu diesem Zeitpunkt gab es offene Forderungen in Höhe von 6,3 Millionen Euro. Trotz Zahlungsunfähigkeit soll die MWH jedoch Millionen ausgezahlt haben. Unter anderem für Löhne und Gehälter und Heizöl. „Das Unternehmen produzierte unter anderem pulverbeschichtete Stahlrohre, und war damit für Gartenmöbel und Sportgeräte der alten Kettler KG wichtig“, begründet Schotte das Verhalten seiner Mandantin. „Frau Kettler handelte im Sinne ihres Vaters und steckte sogar fünf Millionen Euro aus ihrem Privatvermögen in die Firma, damit diese liquide bleibt.“

MWH war seit 1975 im Besitz der Familie Kettler, damals arbeiteten in dem Betrieb 200 Menschen. Die Patente und Urheberrechte sind im Jahr 2011 schließlich an die chinesische Yotrio Group verkauft worden.

Karin Kettler übernahm im Juli 2010 die Geschäfte, nachdem dem bisherigen Geschäftsführer gekündigt worden war. Auch gegen ihn hatte Insolvenzverwalter Seagon Klage eingereicht. Jedoch fand hier eine außergerichtliche Einigung statt, erklärt Rechtsanwalt Volker Büteröwe, der Seagon vertritt.

Die Verteidigung

Rechtsanwalt Christoph Schotte möchte sich nicht auf einen Vergleich einigen. Das Gericht müsse erst zwei Fragen klären: Wann trat die Insolvenzreife bei MWH ein und welche Zahlungen waren notwendig, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Damit würde sich eventuell die Schadenssumme reduzieren. Die zehn Millionen, die der Insolvenzverwalter fordert, seien zu hoch.

Das Gericht

Die Kammer unter Vorsitz des Richters Petja Pagel beraumte einen Verkündungstermin in drei Wochen an. Dann erst wird entschieden, wie es weitergeht.

 
 

EURE FAVORITEN