Imtech unter Verdacht - Bestechung beim Kraftwerksbau?

Das RWE-Kohlekraftwerk Westfalen in Hamm-Uentrop.
Das RWE-Kohlekraftwerk Westfalen in Hamm-Uentrop.
Foto: www.blossey.eu
Der holländische Konzern Imtech wird verdächtigt, bei deutschen Großprojekten in Berlin und Hamm falsch zu spielen. Auch Probleme beim Gesundheitscampus in Bochum und in der Hagener Rathaus-Galerie werden mit der Firma in Verbindung gebracht.

Essen.. Berlins pannenreicher Flughafenneubau BER hat das nächste Problem. Airport-Chef Hartmut Mehdorn prüft: Ist das Unternehmen durch den niederländischen Konzern Imtech, der Teile der fehleranfälligen Sprinkleranlage eingebaut hat, betrogen worden? Spielte Schmiergeld eine Rolle?

Die Spur des Verdachts führt direkt ins Ruhrgebiet. Hier ist Imtech gut im Geschäft, verbaute Brandschutz am gestern verspätet eröffneten Hagener Einkaufszentrum „Rathausgalerie“ und am Gesundheitscampus in Bochum. In beiden Fällen wird dem Unternehmen Mitschuld an Fehlern und Bauverzögerungen gegeben.

Vor allem aber Stromriese RWE untersucht, ob die Niederländer beim Neubau der Blöcke des Kraftwerks Westfalen in Hamm und eines zweiten in Eemshaven in den Niederlanden den Energieproduzenten über den Tisch zogen.

„Konsequent Schadenersatz“ werde man einfordern, sollte sich herausstellen, dass „es Absprachen Dritter zulasten unseres Unternehmens gegeben hat“, sagte gestern RWE-Sprecher Lothar Lambertz dieser Zeitung. Um solche Absprachen geht es – in Berlin, in Eemshaven wie in Hamm.

Denn ein anonymer Imtech-Insider hat letzte Woche im „Handelsblatt“ und im Amsterdamer „Telegraf“ ausgepackt und auffällige Rechnungen vorgelegt. Aus Aussage wie Belegen geht hervor: Die Firma konnte Ausschreibungen für die Klimatechnik der Blöcke gewinnen, weil sie vorab Konkurrenten bewogen hat, höhere Gebote als sie selbst abzugeben. Nach dem Zuschlag des Auftrags an Imtech sollen die vermeintlichen Mitbieter dann Scheinrechnungen an das Unternehmen verschickt und ihr Dankeschön kassiert haben.

Welche Geldbeträge die „Mitbewerber“ angeblich erhielten, zeigt ein Rechnungsbeispiel aus Eemshaven: Dort gingen im Jahr 2010 421 355 Euro von Imtech an einen Unterauftragnehmer, der tatsächlich nie auf der Baustelle gearbeitet hatte. Andere merkwürdige Papiere haben dann wohl Hinweise auf Berlins Flughafen ergeben.

RWE könnte „ein hoher Schaden“ entstanden sein, meint Lambertz. Das „Handelsblatt“ spricht von zweistelligen Millionenbeträgen. Allerdings versichert der Essener Konzern, „die Auftragshöhen vor der Vergabe intensiv geprüft und plausibilisiert“ und dabei nie einen Verdacht geschöpft zu haben. Kumpanei eigener Mitarbeiter hält RWE für ausgeschlossen.

Bestätigen sich die Vorwürfe, könnte das erhebliche strafrechtlich Folgen für Imtech haben. Derzeit schottet man sich ab. Es gebe eine interne Untersuchung, sagt die Firma, die „bislang keine Wettbewerbsverstöße bewiesen habe“.

Für die Niederländer steht viel auf dem Spiel. Ihr Ruf ist nicht der beste. Nicht nur, dass in der Vergangenheit hochrangige Mitarbeiter das eigene Unternehmen geplündert haben sollen. Beim Umbau der Deutschen Bank in Frankfurt sollen Manager laut Medienberichten von Subunternehmern mit Bordellbesuchen bestochen worden sein.

Auch Gesundheitscampus betroffen

In Bochum, wo der Bau des Gesundheitscampus durch den Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes im Verzug liegt, wird Imtech mängelbehaftete Arbeit vorgeworfen. Möglicherweise sind bei dem 75-Millionen-Projekt Mehrkosten entstanden, die zunächst der NRW-Steuerzahler zu begleichen hat. Rund vier Wochen verspätet öffnete wegen nicht funktionierender Brandschutzeinrichtungen die Hagener „Rathaus-Galerie“. Imtech wurde inzwischen gekündigt. Mehrere Ladenmieter fürchteten wirtschaftliche Probleme. Erst die Eröffnung gestern hat sie von den Ängsten erlöst.

 
 

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