Im Sauerland wird mächtig geackert

Besonders viele wird in der Landwirtschaft gearbeitet, wohl nicht nur statistisch gesehen.
Besonders viele wird in der Landwirtschaft gearbeitet, wohl nicht nur statistisch gesehen.
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  • 2014 haben die Erwerbstätigen in NRW etwas mehr gearbeitet als im Vorjahr
  • Mit 1758 Stunden lagen land- udn Forstwirte im Hochsauerland vorne
  • Faulheit und Fleiß sind an den Daten nicht ablesbar

Hagen.  Die Flut an Daten wächst und wächst. Und so wird mittlerweile scheinbar für alles und jedes eine Statistik möglich. Der Landesbetrieb „Information und Technik Nordrhein-Westfalen“, kurz IT.NRW richtet den Blick dabei auf durchaus Interessantes. Jüngstes Angebot sind Zahlen dazu, wie viele Stunden die Erwerbstätigen in welcher Region im Schnitt pro Jahr gearbeitet haben. Also, wer ist der oder die Fleißigste im Land?

Im Blick der Betrachter stehen Zahlen aus dem Jahr 2014 - eine Momentaufnahme also, denn seitdem ist weiter viel Bewegung auf dem Arbeitsmarkt gewesen. Die jüngeren Entwicklungen wie die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns und die 2015 signifikant rückläufige Zahl der Minijobber in NRW finden sich hier natürlich noch nicht wieder.

Trotzdem sind die 2014er-Zahlen nicht unerheblich. Gegenüber 2013 ist die durchschnittlich im Jahr 2014 insgesamt geleistete Arbeitszeit im Bund um fünf Stunden, in NRW sogar um neun Stunden gewachsen. Sprich: Der durchschnittliche Nordrhein-Westfale hat 2014 im Ländervergleich überdurchschnittlich lange gearbeitet. Ein Plus von 0,7 Prozent. Im Regierungsbezirk Arnsberg waren es sogar 0,9 Prozent oder ein Dutzend Stunden mehr als 2013, aber mit 1324 Stunden auf niedrigem Niveau. Achtung Statistik: Gegenüber 2012 war das Arbeitszeitvolumen 2013 deutlich gesunken. Der „Aufschwung“ ist also relativ.

Beim Blick auf Südwestfalen liegt der Märkische Kreis mit 1348 Stunden (plus 1Prozent) pro Erwerbstätigem an der Spitze. Was zur Annahme verleiten könnte, dass dort die fleißigsten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der Region beschäftigt seien.

So weit reicht die Aussagekraft der Zahlen bei weitem nicht. Die Höhe der durchschnittlichen Jahres-Arbeitszeit lässt hier eher Rückschlüsse auf Konjunktur und Branchen zu.

Am meisten Arbeitszeit investieren laut Statistik Beschäftigte im Bereich Land- und Forstwirtschaft und Fischerei. In Südwestfalen liegt hier der Hochsauerlandkreis weit vorne, obwohl gegenüber 2013 einen leichten Rückgang um 0,7 Prozent zu verzeichnen war. Dennoch stehen durchschnittlich 1758 Stunden zu Buche. Und damit weit mehr als in der landesweit in Bezug auf das Arbeitszeitvolumen „führenden“ Baubranche, in der durchschnittlich 1599 Stunden gearbeitet werden. Im Vergleich dazu im Bereich öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit mit einem Schnitt von 1235 Stunden im Jahr 2014 entspannt zuzugehen. Tatsächlich lässt sich hier aber keineswegs Fleiß ablesen. Wer etwa in der chronisch unterbesetzten Pflege zu tun hat, kann davon ein Lied singen. Vielmehr sinkt das Arbeitszeitvolumen dort, wo viele Menschen in Teilzeit beschäftigt sind. Von der Tendenz ist dies rein statistisch dort der Fall, wo überproportional Frauen beschäftigt sind wie in Gesundheitsberufen oder auch im Öffentlichen Dienst - eher eben als auf dem Bau. Viel Arbeitszeit wird tendenziell auch dort investiert, wo Selbstständige am Werke sind - etwa Landwirte.

Es gibt dazu externe Faktoren, die ein Jahr verhageln können. Tatsächlich machen sich Unwetter wie 2013 „Ela“ an Rhein und Ruhr oder „Kyrill“ (2007) in einer solchen Bilanz bemerkbar. Genauso wie Grippewellen, die Belegschaften flach legen.

Resümee: Als Indikator für Fleiß oder Faulheit taugen derlei Statistiken also wohl kaum. Eher könnten sie als Facette dienen, um sich ein Bild vom Zustand der Wirtschaft zu machen. Gemessen daran müsste die geleistete Arbeitszeit 2015 und 2016 noch einmal zunehmen.

 
 

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