Im Ruhrgebiet sinkt das Pleiterisiko

Frank Meßing

Dortmund.  Das Pleiterisiko der Unternehmen im Ruhrgebiet ist auf ein Allzeit-Tief gesunken. Das geht aus einer Untersuchung der Auskunftei Creditreform hervor. Danach lag das Risiko hiesiger Firmen, in wirtschaftliche Schwierigkeiten oder gar in die Insolvenz abzurutschen, im vergangenen Jahr bei 2,09 Prozent. Laut Creditreform gab es unter den knapp 149 000 Revier-Unternehmen 3107 Ausfälle.

„Deutschlandweit ist das Ausfallrisiko für alle Unternehmen auf ein historisches Tief gesunken. Das trifft auch auf das Ruhrgebiet zu, auch wenn das Pleiterisiko hier etwas höher ist als im Bundesdurchschnitt“, sagt Philipp Böhme, Geschäftsführer der Creditreform in Bochum. Konkret: In Deutschland liegt das Pleiterisiko bei 1,64 Prozent, in NRW bei 1,86 Prozent und im Ruhrgebiet bei 2,09 Prozent. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise 2009/2010 betrug das Risikopotenzial im Revier um die drei Prozent. Seither ist es kontinuierlich gesunken.

Unterschiede in den Städten

In den Städten ist die Lage unterschiedlich: In Herne, Gelsenkirchen und Duisburg liegt das Ausfallrisiko für die Unternehmen immer noch bei drei Prozent, obwohl Creditreform auch hier einen spürbaren Rückgang registrierte. Ruhrgebietsweit können sich Firmen im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Mülheim der Untersuchung zufolge am sichersten fühlen. Hier pendelt sich das Pleiterisiko fast auf Bundesniveau ein. Den geringsten Rückgang verzeichneten Duisburg und Oberhausen, den stärksten Mülheim und Dortmund.

Aufgefächert nach Branchen kommt die Auskunftei zu dem Schluss, dass seit jeher die Gefahr, in wirtschaftliche Schwierigkeiten oder gar Insolvenz zu geraten, auf dem Bausektor am größten ist. Im Ruhrgebiet beträgt das Risiko hier 3,13 Prozent. Größere Sorgen machen Creditreform nur das ­Gastgewerbe und der Bereich Verkehr.

Die Anfälligkeit, in Turbulenzen zu geraten, hängt aber nicht nur von der Branche, sondern vor allem auch von der Rechtsform und der Größe der Betriebe ab. „Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als fünf Millionen Euro droht vergleichsweise selten die Insolvenz“, sagt Jan Stenmans, Geschäftsführer der Creditreform Essen. Das größte Risiko trügen junge Firmen, die weniger als 500 000 Euro jährlich umsetzen. Stenmans: „Da führt oft schon zu Problemen, dass ein großer Kunde nicht zahlt.“ Gewerbebetriebe mit einer geringen und GmbHs mit einer beschränkten Kapitalausstattung seien deshalb besonders gefährdet.

Für das unter dem Strich niedrigste Risiko-Tief macht Stenmans die gute Konjunktur, aber auch das niedrige Zinsniveau verantwortlich. „Die Unternehmen verbessern ihre Eigenkapitaldecke, weil sich Geldanlagen kaum noch lohnen“, so der Geschäftsführer.